# taz.de -- Müllskandal in Kroatien: Massenproteste gegen Müllberge
       
       > Zehntausende fordern die sofortige Beseitigung des Giftmülls. Ihr Zorn
       > richtet sich vor allem auf die lokalen Behörden.
       
 (IMG) Bild: „Gifte aus Kroatien entfernen“ fordern diese Demonstranten in Zagreb am 5. September
       
       Zehntausende Menschen demonstrierten am Freitag in Zagreb wegen eines
       Umweltskandals: In der gebirgigen Region Lika rund um die Stadt Gospić
       wurden in den letzten Jahren schätzungsweise über 30.000 Tonnen Müll auf
       einer Industriebrache gelagert, [1][entstanden ist ein Berg aus giftigen
       Abfällen aus Industrie- und Medizinmüll.]
       
       Zehntausende Menschen aus ganz Kroatien reisten zu den Massenprotesten in
       die Hauptstadt Zagreb. Unter dem Motto „Lauf für die Lika, lauf für
       Kroatien“ schlossen sich Bürgerinitiativen, Umweltorganisationen,
       Gewerkschaftsbünde sowie Kriegsveteranenverbände zusammen. Die
       Demonstranten warfen der Regierung Untätigkeit vor und forderten die
       sofortige Sanierung und Säuberung der betroffenen Mülldeponien. Außerdem
       verlangten sie ein temporäres Importverbot für Müll sowie strenge Maßnahmen
       gegen den illegalen Müllimport aus anderen EU-Ländern.
       
       [2][Der Müll lagert auf felsigem Untergrund,] auf porösem Kalkgestein, das
       wunderschöne Tropfsteinhöhlen ausbildet und weitverzweigte und
       kilometerlange unterirdische Wasserläufe ausbildet, die wiederum
       Naturwunder wie die Plitvitzer Seen mit kristallklarem Wasser speisen.
       Diese Naturwunder sind durch die Umweltkriminellen bedroht.
       
       ## Kritik an lokalen Behörden
       
       Bisherige Untersuchungen wiesen erhöhte Konzentrationen verschiedener
       Metalle im Boden nach; im Grundwasser wurden zudem PFAS, sogenannte
       Ewigkeitschemikalien, entdeckt. Europol deckte auf, dass Frachtpapiere
       gefälscht wurden, um toxischen Abfall fälschlicherweise als harmlosen
       Recyclingmüll auszuweisen.
       
       Woher der Müll kommt, wird noch untersucht. Die Behörden ermitteln gegen
       zehn Verdächtige und vier Unternehmen, die den Müll aus Slowenien, Italien
       und Deutschland importiert und dann zusammen mit medizinischen Abfällen aus
       Kroatien illegal abgeladen haben sollen. 
       
       Die Umweltschützer kritisieren jedoch auch die lokalen Behörden. Denn 2025
       wurden zwar einige Verantwortliche festgenommen, weitere Konsequenzen hatte
       dies jedoch nicht.
       
       Die EU-Richtlinie zum Schutz der Umwelt durch das Strafrecht verpflichtet
       die Mitgliedstaaten zu harten Sanktionen gegen illegales Umweltdumping.
       Obwohl das Regelwerk streng ist, scheitert der Schutz vor Ort oft an
       Personalmangel bei den nationalen Umweltinspektionen sowie an korrupten
       Netzwerken.
       
       Bei der Großdemonstration am Freitag in Zagreb traten viele Künstler aus
       Kroatien auf. Die von einer linksgrünen Koalition regierte Stadt war jedoch
       erleichtert, [3][dass Marko Perković, Künstlername Thompson], fehlte. Damit
       wurden militante Auseinandersetzungen zwischen den rechtsradikalen
       Anhängern Thompsons und den Umweltschützern vermieden.
       
       6 Sep 2026
       
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