# taz.de -- Anschlagsserie auf das Stromnetz: Ein unbelehrbarer Ideologe
       
       > Innenminister Dobrindt (CSU) nutzt die Sabotageakte dazu, den
       > „Linksgrünversifften“ einen Schlag zu versetzen. Das hat das Klima nicht
       > verdient.
       
 (IMG) Bild: Landkreis Bautzen: Nach den Sprengstofffunden suchen Polizeifahnder nach Spuren
       
       Zugegeben, Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) ist nicht die hellste
       Kerze auf der Torte, wenn es um politische Weitsichtigkeit geht. Aber er
       dürfte den Begriff „Klimaterrorismus“ mit voller Absicht rausgeschleudert
       haben, als klar wurde, dass bei [1][den Angriffen auf die Stromnetze in
       Brandenburg, NRW und Sachsen mutmaßlich ein Klimaaktivist] am Werk war.
       Hauptsache, man kann daraus parteipolitischen Nutzen ziehen: Seht her, wer
       die Klimaaktivisten unterstützt, wie es etwa die Grünen tun, macht sich mit
       Terroristen gemein!
       
       Zugutehalten muss man Dobrindt zwar, dass es hier immerhin tatsächlich um
       kriminelles Handeln mit potentiell schwerwiegenden Folgen geht. Und nicht
       um gewaltlosen Widerstand, wie bei denen, die sich auf Fahrbahnen zu kleben
       pflegen und von dem [2][CSU-Politiker in der Vergangenheit ebenfalls des
       Klimaterrorismus bezichtigt] wurden.
       
       Doch gesellschaftspolitisch ist Dobrindts Begrifflichkeit fatal, gefährlich
       und sogar unmoralisch. Allein die Bilanz dieses Hitzesommers in Deutschland
       spricht Bände: [3][16.300 Hitzetote], Waldbrände, Ernteausfälle,
       Milliardenschäden für die Wirtschaft. Wer danach immer noch glaubt, das
       Thema Klima und Klimaschutz sei linksgrünversiffter Kulturkampf, der muss
       schon ein unbelehrbarer Ideologe sein.
       
       Es ist nichts dagegen einzuwenden, Sprengstoffanschläge auf die Stromnetze
       als Terrorismus zu bezeichnen. Doch die Kombination mit „Klima“ vergiftet
       und polarisiert eine Debatte um mehr Hitze- und Klimaschutz, die dringend
       und von allen geführt werden muss.
       
       Denn Klima und Klimaschutz müssen entideologisiert und als
       gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden – das gilt für das
       politisch rechte ebenso wie für das linke Spektrum. Klimaschutz kann und
       sollte auch ein konservatives Thema sein, schließlich geht es um das
       Konservieren des Bestehenden, um die Bewahrung der Schöpfung.
       
       Die Dobrindt'sche Wortschöpfung „Klimaterrorismus“ zeigt deshalb, dass
       Politiker wie er nicht mehr in unsere Zeit passen. Man kann nur hoffen,
       dass in der Union klügere Köpfe heranwachsen als die Simplifizierer, die
       heute bei ihr den Ton angeben. Sonst könnte es bald tatsächlich um die
       letzte Generation gehen.
       
       6 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Anschlagserie-auf-das-Stromnetz/!6210489
 (DIR) [2] /Nicht-Extremisten-das-Feld-ueberlassen/!6144633
 (DIR) [3] https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Silke Mertins
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Alexander Dobrindt
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
 (DIR) Bekennerschreiben
 (DIR) Letzte Generation
 (DIR) Linksextremismus
 (DIR) Protest
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Beschluss des Landgerichts Flensburg: Letzte Generation keine kriminelle Vereinigung
       
       Das Landgericht Flensburg sieht in der Letzten Generation keine kriminelle
       Vereinigung. Die Aktionen seien keine Gefahr für die öffentliche
       Sicherheit.
       
 (DIR) „Nicht Extremisten das Feld überlassen“: Dobrindt nach Blackout
       
       Nach dem Anschlag aufs Berliner Stromnetz will Bundesinnenminister Dobrindt
       stärker gegen Linksextremisten vorgehen. Mit mehr digitalen Befugnissen.
       
 (DIR) Unwort des Jahres 2022: „Klimaterroristen“ kriminalisiert
       
       Sprachwissenschaftler:innen küren „Klimaterroristen“ zum Unwort des
       Jahres. Es stelle berechtigten Widerstand in einen staatsfeindlichen
       Kontext.