# taz.de -- Neue Technologie Fernkühlung: Cool bleiben in der Wüste
> In den Golfstaaten setzt man auf die Fernkühlung ganzer Viertel. Die
> Kühlsysteme sind teuer im Bau, aber deutlich effizienter als bisher in
> Europa.
(IMG) Bild: Während man in Dubai an der Fernkühlung ganzer Viertel arbeitet, kühlt sich ein Kind in der Sommerhitze schon mal im Springbrunnen
Die arabischen Golfstaaten gelten wegen des enormen Stromverbrauchs für die
Kühlung ihrer Gebäude als „Umweltsäue“. Denn: „Rund 70 Prozent des
Stromverbrauchs in [1][Saudi-Arabien] entfallen im Sommer auf
Klimaanlagen“, räumt Saleh Al Awaji, Vizeminister für Wasser und Strom,
ein. Temperaturen von über 50 Grad im Sommer erfordern in Büros, Schulen,
Fabriken, Krankenhäusern und Wohnungen Air Conditioning. Im Königreich
sollen genauso viele Klimaanlagen laufen, wie die Bevölkerung groß ist: 35
Millionen.
Der heutige Verbrauch für Kühlung dürfte nach Einschätzung Al Awajis lange
nicht der Höhepunkt sein angesichts des Wachstums der Wirtschaft, des
Aufbaus neuer Industrien, Rechenzentren und Wohnraum. Besonders schlimm ist
dabei, dass bisher der Großteil des Stroms aus Öl- und Gaskraftwerken
kommt.
Aber einige Firmen am Golf sind inzwischen zu Weltmarktführern in Sachen
effizienter Kühlung geworden: District Cooling heißt das neue System, also
das Kühlen ganzer Stadtviertel statt einzelner Wohnungen oder Gebäude, also
analog zu Fernwärme eine Fernkühlung.
Der Bau solcher neuen Systeme ist teuer, aber der Einspareffekt enorm.
Allein das Kühlwerk verschlingt leicht 100 Milionen Dollar. Hinzu kommen
die Kosten für das benötigte isolierte Rohrnetz. Die benötigten Rohre
kosten je nach Durchmesser 500 bis 1500 Dollar pro Meter.
Dazu addieren sich ein Eistank und Tanks für Kühlwasser, in denen wie quasi
in einer Batterie kaltes Wasser gespeichert wird, um es bei Bedarf durch
das Rohrleitungssystem durch ganze Häuserblocks, Fabrikanlagen, Flughäfen
oder Wolkenkratzer-Wälder wie Dohas Hochhaus-Insel The Pearl oder
[2][Dubais] Viertel um das mit 828 Metern welthöchste Gebäude Burj Khalifa
mitsamt der Dubai Mall zu leiten.
## Fernkühlung spart CO2
Die Anlagen sollen über ihren Lebenszyklus 40 Prozent billiger und deutlich
CO2-ärmer sein als konventionelle Kühlung. „Fernkühlung verbraucht im
Durchschnitt nur halb so viel Strom wie herkömmliche Kühlmethoden“, sagt
Khalid Al Marzooqi, CEO von Tabreed. Er nennt die in Masdar City, der einst
als nachhaltigste Stadt der Welt geplanten Stadt im Emirat Abu Dhabi,
ansässige Firma den „Weltmarktführer für District Cooling“. Yasser Salah Al
Jaidah, CEO von Qatar Cool, betont: „Es gibt niemanden da draußen, der das
tut, was wir tun und von dem wir lernen könnten.“
In der Welt der Gigantomanie am Golf sehen beide Unternehmen große
Exportpotenziale für sich und mögliche Technologiesprünge: Tabreed baut in
Masdar an einer Anlage, in der über Wärmepumpen die Abwärme in den
Wüstensand gepresst wird. In Saudi-Arabien wird mit Anlagen experimentiert,
die den enormen Wasserbedarf für die Kühlanlagen mit Meerwasser oder
aufbereitetem Abwasser speisen. In einem anderen Versuch sollen
beigemischte Nanopartikel mehr Wärme aufnehmen und ableiten können.
Die Rivalität am Golf könnte nützlich sein in einer angesichts immer
größerer Hitzewellen immer wichtiger werdenden Menschheitsfrage. Aktuell
wird laut der [3][Internationalen Energieagentur (IEA)] global ein Fünftel
des Stromverbrauchs für Kühlung genutzt. Bis 2050, so schätzt die UNO,
werde es die Hälfte sein. Denn die Nachfrage nach Kühlung werde sich
verdreifachen. Der Markt für Fernkühlungssysteme soll sich bis 2034
verdoppeln – auf jährlich 60 Milliarden Dollar.
7 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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