# taz.de -- Klimakrise in der Großstadt: Wie Städte weltweit sich gegen Extremhitze wappnen
       
       > Eine schweißtreibende Hitze rollt über Deutschland, Großstädte werden zu
       > Hitzeinseln. Welche Lösungen gegen Extremhitze haben Städte im Ausland?
       
 (IMG) Bild: Begrünte Hotels, wie hier das Parkroyal on Pickering, sollen in Singapur gegen Hitze helfen
       
       dpa | Besonders Großstädte leiden unter heißem Wetter. Dichte und hohe
       Bebauung lässt Betonwüsten sich schnell aufheizen, die Hitze kann
       schlechter entweichen und auch nachts kühlt es weniger ab. [1][Mit dem
       Klimawandel dürften Hitzewellen zunehmen] und intensiver werden. Wie also
       sich für die Extremhitze wappnen? Verschiedene Orte rund um den Globus
       zeigen, wie es gehen kann.
       
       ## Frischwasser und Stresstest in Paris
       
       Das enge Paris ist nicht die grünste Stadt, hat aber mittlerweile rund
       1.400 Orte zum Abkühlen geschaffen. Von Schattenplätzen im Park reicht das
       bis zu Räumen im Rathaus, die bei Hitze öffentlich zugänglich sind. An fast
       jeder Ecke bietet die Stadt zudem kostenlose Trinkwasserspender, an denen
       die Bewohner sich erfrischen können. Und auch immer mehr Sprühnebel-Duschen
       auf Plätzen und Wegen sorgen inmitten der Hitze für eine feuchte Abkühlung.
       
       Insgesamt ist Frankreich mit einem Schutzplan gegen Hitze recht gut
       aufgestellt. Landesweit – auch in Paris – gelten Warnstufen, es gibt ein
       Register für Risikogruppen, und im öffentlichen Raum wird immer wieder auf
       Tipps bei Hitze hingewiesen. Um die bestehenden Notfallpläne noch zu
       verbessern und die Menschen zu sensibilisieren, hat Paris vor wenigen
       Jahren in zwei Bezirken getestet, wie Krankenhäuser, Feuerwehr, Anwohner
       und Schulen mit ungewohnt extremer Hitze über lange Zeit umgehen würden.
       Das haben sich andere Städte zum Vorbild genommen und wollen nun ihrerseits
       ihre Hitzepläne stresstesten.
       
       ## Viel Grün und Kälte von unten in Singapur
       
       Die [2][südostasiatische Wirtschaftsmetropole] gilt als Vorreiter im Kampf
       gegen die zunehmende Hitze in Städten. Statt sich allein auf Klimaanlagen
       zu verlassen, setzt der Stadtstaat seit Jahren auf eine massive Begrünung.
       Vielerorts wachsen vertikale Gärten an Hochhäusern, begrünte Fassaden und
       Dachgärten sollen die Aufheizung der Gebäude reduzieren und Schatten
       spenden. Neue Stadtviertel werden so geplant, dass Luft besser zirkulieren
       kann und sogenannte Hitzeinseln vermieden werden.
       
       In einigen Stadtteilen kühlt Singapur ganze Häuserblocks über ein
       unterirdisches Rohrnetzwerk. Eiskaltes Wasser wird zu Bürogebäuden gepumpt
       und ersetzt dort viele einzelne Klimaanlagen. Das spart Strom und
       verringert die Abwärme, die sonst zusätzlich die Stadt aufheizt. Auch helle
       Fassaden und Straßenbeläge sollen dafür sorgen, dass weniger Hitze
       gespeichert wird.
       
       ## Klimaangepasstes Bauen in Dakar
       
       Westafrikanische Länder am Rande der Sahara wie Burkina Faso und der
       Senegal gehören zu den heißesten Ländern der Welt. Der in Burkina Faso
       geborene und seit Jahrzehnten in Deutschland lebende Architekt Francis Kéré
       überträgt uralte Techniken seiner Heimat auf moderne Bauten wie Schulen,
       Museen und Bibliotheken und erhielt dafür 2022 als erster Afrikaner die
       höchste Ehrung der Architektur, den Pritzker-Preis.
       
       Wie kühle Orte in heißen Städten der Zukunft aussehen könnten, zeigt Kérés
       im April eröffneter Neubau des Goethe-Instituts in Senegals Hauptstadt
       Dakar. Ziegel aus rotbraunem Lehm nehmen Wärme auf und geben sie nur
       langsam wieder ab. Durch seine Ausrichtung kühlt sich das geschwungene
       Gebäude mit Zugluft und seinem eigenen Schatten weitgehend selbst. Aus
       Kérés Sicht könnte man mit Lehmarchitektur auch in größerem Maßstab bauen.
       
       ## „Superblöcke“ und Schutzräume in Barcelona
       
       In der spanischen Touristenmetropole Barcelona ist es zwar in der Regel
       nicht so extrem heiß wie etwa in Sevilla in Andalusien, aber wegen der
       hohen Luftfeuchtigkeit können schon Temperaturen über 35 Grad extrem
       schweißtreibend sein. Schutz bietet die Stadt in inzwischen rund 500
       Abkühlungsräumen in öffentlichen Gebäuden wie Museen und in Apotheken und
       Drogerien, die freiwillig mitmachen.
       
       Am bekanntesten sind wohl die Inseln aus mehreren Häuserblöcken, Plätzen
       und verkehrsberuhigten Straßen, die mit viel Grün schattige Areale Orte zum
       Ausruhen inmitten des brausenden Großstadtverkehrs geschaffen haben.
       Derzeit gibt es sechs solcher Superilles, was sich mit Superblöcken
       übersetzen lässt. Lieferfahrzeuge und Anwohner dürfen mit maximal zehn
       Kilometer pro Stunde hindurchfahren, ansonsten sind Fußgänger, Radfahrer
       und die Gäste der vielen Straßencafés im Schatten großer Bäume unter sich.
       
       ## Gelenkter Wind in Nah- und Mittelost
       
       Im Nahen und Mittleren Osten entwickelten Baumeister schon vor
       Jahrhunderten Windtürme zur natürlichen Belüftung von Gebäuden, bekannt als
       Badgir (Persisch) oder Baradschil (Arabisch). Bei der einfachsten Form kann
       Wind durch Öffnungen in die Türme strömen. Daraufhin wird kalte Luft durch
       einen Schacht nach unten geleitet, um die dortigen Räume zu kühlen. Das
       Konzept vom gelenkten Wind hält sich bis heute in Katars Hauptstadt Doha,
       wo einige neue Gebäude so angelegt sind, dass Luftströme die Außenbereiche
       kühlen.
       
       Die ältesten Windtürme in Iran stammen aus dem 14. Jahrhundert, es gibt
       aber noch viel ältere schriftliche Belege, weshalb teils von „Klimaanlage
       der Antike“ die Rede ist. Solche Türme kann man heute auch im historischen
       Viertel der Metropole Dubai besichtigen. Die meisten Gebäude werden dort –
       wie in der gesamten Golfregion – allerdings mit Klimaanlagen gekühlt.
       
       ## „Grüne Korridore“ in Medellín
       
       In Medellín wurden aus Verkehrsachsen sogenannte „Grüne Korridore“. Die
       kolumbianische Millionenstadt bepflanzte in den vergangenen Jahren stark
       befahrene Straßen, Mittelstreifen und öffentliche Plätze mit tausenden
       Bäumen und Sträuchern. Die Vegetation soll die Aufheizung der Stadt bremsen
       und für mehr Schatten sorgen. Nach Angaben der Stadtverwaltung sanken die
       Temperaturen in einigen der begrünten Bereiche um rund zwei Grad Celsius,
       zugleich besserte sich die Luftqualität. Das Projekt wurde für seinen
       Beitrag zur Anpassung an den [3][Klimawandel] international ausgezeichnet.
       
       28 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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