# taz.de -- Neues Album von US-Punkband: Die Sache mit der neuen Team-Dresch-Platte
       
       > Die queere US-Punkband Team Dresch taucht aus der Versenkung auf und
       > liefert mit dem Album „Furthermore“ eine Kampfansage gegen Homophobie und
       > Rechtsruck.
       
 (IMG) Bild: Zuversicht ist ihre Stärke: Team Dresch kommen mit dem neuen Album auf Tour
       
       Das Adjektiv ikonisch wird in letzter Zeit geradezu inflationär bemüht, um
       Pop-Phänomene zu beschreiben, die einmal bedeutend waren, damit sie es
       heute wieder sein können. Skepsis ist also angebracht, wenn eine Band
       ständig mit diesem Prädikat versehen wird, eine Band zumal, die in den
       Top-Ten-Listen der wichtigsten Punkalben großer Musikmagazine kaum
       auftaucht, obwohl sie bei vielen Fans ewigen Kultstatus besitzt.
       
       Im Fall der [1][US-Queerpunkband] Team Dresch sorgte die Ankündigung eines
       neuen Werks zu Recht für große Aufregung. 30 Jahre nach Veröffentlichung
       des letzten Studioalbums markiert „Furthermore“ zugleich einen Neuanfang
       und setzt eine unabgeschlossene Geschichte endlich fort.
       
       1993 von Namenspatin Donna Dresch in Olympia, US-Bundesstaat Washington,
       gegründet, waren Team Dresch tief in der queeren Punk- und Fanzineszene
       verwurzelt. Sie erreichten mit den Alben „Personal Best“ (1995) und
       [2][„Captain my Captain“] (1996) aber bald ein Publikum weit über diese
       überschaubare Szene hinaus. Die besondere Intensität der Musik war ein
       Grund, der Fokus auf das Erfahrbarmachen marginalisierter Identität(en) in
       den Songtexten vielleicht noch wichtiger.
       
       Lange vor der Möglichkeit, sich unter Gleichgesinnten in den sozialen
       Medien auszutauschen, boten Team Dresch Jugendlichen von der US-Großstadt
       bis in deutsche Provinznester enormes Identifikationspotenzial zwischen
       Safe Space und Aufruhr. Für die Aufnahmen und die jetzt anstehende
       Europatour taten sich alle Originalbandmitglieder wieder zusammen: Jody
       Bleyle und Kaia Wilson an Gitarre und Gesang, Dresch an Bass und Gitarre
       sowie Marcéo Martinez und Melissa York am Schlagzeug.
       
       „Furthermore“ aktualisiert die Haltung des Quintetts angesichts einer
       Gegenwart, die [3][weltweit von Rechtsruck], einem Rollback von sexueller
       Selbstbestimmung und Hassattacken auf queere Menschen gekennzeichnet ist.
       „Our love offends you, fuck you, our bodies are a threat to you“, richtet
       sich etwa der kämpferische Song „Growing Underground“ an die neue Rechte
       und verweigert sich zugleich ihren Einschüchterungstaktiken: „You’re so
       scared of us – you should be.“
       
       Dass die Produktion des neuen Albums aufgeräumter klingt und die Gitarren
       weniger kreischen als in den frühen Neunzigern, ist keine Überraschung. Die
       Drastik und Dringlichkeit des Team-Dresch-Sounds bleibt unverändert und
       wurde vom Produzenten Greg Griffith sanft modernisiert, etwa wenn
       postrockige Passagen mit hallenden Gitarren und moderaten Gesangseffekten
       („I’ve Really Become Some Thing“) in bisher ungehörte Flächigkeit
       abdriften.
       
       ## Komplexe wuselige Gebilde
       
       Es dominiert dennoch die klassische Team-Dresch-Wuseligkeit, die schnelle
       Alternative-Rock-Riffs mit Halftime-Strophen durchbricht und in stampfender
       Punkenergie mündet („And Now Your Face“). Anders als viele ihrer
       Kolleginnen im Riot-Grrrl-Genre setzten Team Dresch nie auf geradlinige
       Riffs, sondern konstruieren komplexe Gebilde aus abrupten Wechseln zwischen
       Noiserock und sanfter Mehrstimmigkeit. Die Songs werden nach wie vor
       zusammengehalten von melodiösen Bassläufen und virtuosen Drums, deren
       vorgezogene Snarewirbel sie stets irgendwie schneller als vergleichbare
       Bands klingen lassen.
       
       Insbesondere das Debütalbum „Personal Best“ gilt als Musterbeispiel
       explosiver Punkenergie, mit dem Auftaktsong „Fagetarian and Dyke“ als
       Einfallstor in eine Ästhetik der Dringlichkeit. Im Vergleich beginnt
       „Furthermore“ verhaltener, macht aber mit dem vertrackten Rhythmus der
       Vorabsingle „One Song“ deutlich, dass das Songwriting aktuell mindestens so
       smart ist. Textlich spielt „One Song“ auf das generationenübergreifende
       Potenzial des Albums an: „Some people say you only write one song / And
       that feels true / And I do it for you / The lonely young one / That was
       me.“
       
       Solidarität in queeren Wahlfamilien und Netzwerken war immer zentrales
       Thema der Band und bleibt auch auf „Furthermore“ eine wichtige Botschaft.
       Dabei muss es nicht zwingend aggressiv zugehen. Die Einteilung von
       Lebenswelt in Innen- und Außenräume ist ein durchgehendes Motiv in den
       Texten und lädt Team Dresch mit der wichtigen Funktion von Punk als
       emotionalem Vehikel für Wut, aber eben auch Verletzbarkeit auf.
       
       Die Protagonistinnen aus den Songtexten halten sich in Zimmern auf, hören
       Musik, schauen fern, haben Sex und wissen um die Notwendigkeit
       gegenseitiger Unterstützung als Schutz vor den Aggressionen der Außenwelt.
       Was banal klingen mag, war auf dem Debüt 1995 eine Sensation, denn hier
       wurde explizit lesbische Sexualität genauso besungen wie Liebeskummer,
       Depressionen und Angst vor Repression.
       
       Von Anfang an haben Team Dresch mit den Texten Identifikationspotenzial
       angeboten, eine Vorstellungswelt, in der sich viele Menschen finden können.
       „Ich weiß, sie sind nicht für mich, ich weiß und trotzdem glaube ich, dass
       ich sie verstehen kann“, fassten Tocotronic diese Weltsicht zusammen und
       trugen mit ihrem Hommage-Song „Die Sache mit der Team Dresch Platte“ zur
       Bekanntheit der Band hierzulande bei.
       
       ## Musik, die lebensrettend ist
       
       Lang bevor Körperpolitiken und Rechte von Trans- und non-binären Menschen
       in Popsongs thematisiert wurden, verpackten Team Dresch ihre Beobachtungen
       in ihre Texte, manchmal mit leisem Humor, manchmal mit einer Direktheit,
       die ohne Übertreibung als lebensrettend bezeichnet werden kann: „Don't kill
       yourself cause people can't deal with your brilliance / Sometimes I can't
       remember why I want to live / But I think of all the freaks and I don't
       want to miss this.“
       
       „Still your Room“ ist einer der aktuellen Songs mit Fokus auf den privaten
       Rückzugsort als Safe Space, wenn auch als Schauplatz einer Trennung. Denn
       natürlich kommen auch auf „Furthermore“ Geschichten von Liebe, Abschied und
       Kummer vor. Herzschmerz mit politischem Engagement zu verbinden und aus der
       direkten Auseinandersetzung mit dem eigenen Zurechtkommen in der
       Gesellschaft am Ende doch immer eine konstruktive, positive Haltung zu
       ziehen, ist seit jeher die Stärke von Team Dresch.
       
       Weil sie dabei energisch wie eh und je klingen, macht ihr neues Album
       „Furthermore“ besonders Lust auf die anstehenden Konzerte. Ob man die
       US-Band als ikonisch, wegweisend, persönlich wichtig empfindet oder erst
       jetzt für sich entdeckt: Schön, dass Team Dresch wieder da sind.
       
       10 Sep 2026
       
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