# taz.de -- Ebola in DR Kongo: Hoffnung auf Eindämmung
       
       > Im Epizentrum in der Demokratischen Republik Kongo wurden keine neuen
       > Ansteckungen mehr verzeichnet, doch noch ist die Gefahr nicht gebannt.
       
 (IMG) Bild: Leisten unermüdlich Aufklärungsarbeit: Mitarbeiter*innen des Roten Kreuzes gehen von Haus zu Haus
       
       Es sei noch zu früh, zu sagen, der [1][Ebola-Ausbruch in der Demokratischen
       Republik Kongo] sei „unter Kontrolle“, stellt Wessam Mankoula zu Beginn der
       Pressekonferenz am Donnerstag klar. Aber es zeichne sich derzeit ein
       positiver Wendepunkt ab, so der Seuchenexperte, der in der afrikanischen
       Seuchenkontrollbehörde (Africa CDC) für akute Ausbrüche auf dem
       afrikanischen Kontinent zuständig ist.
       
       Mittlerweile sind laut den jüngsten Angaben im Osten des riesigen Landes
       6.250 Menschen mit dem tödlichen Virus infiziert. Davon ist fast die Hälfte
       – rund 3.000 – an der Fieberkrankheit gestorben.
       
       Das Virus breitet sich auch flächenmäßig immer weiter aus: Mittlerweile
       sind 60 Gesundheitsbezirke in 6 Provinzen betroffen. Dies entspricht einer
       Fläche so groß wie Frankreich, so Mankoula. [2][Damit gilt der derzeitige
       Ausbruch als der „schnellste“ in der Geschichte.]
       
       „Aber es gibt auch positive Nachrichten“, fährt der Epidemiologe fort. Denn
       in 4 Gemeinden inmitten des Epizentrums in der Provinz Ituri nahe der
       ugandischen Grenze seien seit 42 Tagen keine neuen Ansteckungen verzeichnet
       worden. In fünf weiteren Distrikten seien seit 21 Tagen keine Übertragungen
       festgestellt worden.
       
       ## Ein kleiner Meilenstein
       
       Dies gilt als kleiner Meilenstein, denn das Virus hat eine Inkubationszeit
       von rund 21 Tagen. 42 Tage gelten unter Ebola-Experten als eine Zeitspanne,
       bei der man davon ausgehen kann, dass die Lage unter Kontrolle ist, da die
       Ansteckungen eingedämmt sind.
       
       Dies schlägt sich auch in der Statistik nieder: Im wöchentlichen Vergleich
       reduziert sich nun in diesen Bezirken die Ansteckungsrate um rund 12
       Prozent – ein gutes Zeichen, dass womöglich der „Höhepunkt“ in einigen
       Gebieten erreicht sei. Doch das Problem: Während die Zahlen in der Provinz
       Ituri, wo das Epizentrum liegt, heruntergehen, steigen sie in der
       Nachbarprovinz Nord Kivu extrem an.
       
       Neu betroffen sind dort Dörfer in der Region Lubero tief im Dschungel, wo
       die Frontlinie zwischen den Truppen der Regierungsarmee und den Rebellen
       der M23 (Bewegung des 23. März) verläuft. „Zugang dorthin zu erhalten ist
       extrem schwierig“, so Mankoula.
       
       Verbessert habe sich auch die Bereitschaft in den Gemeinden, die Kranken zu
       melden und Infizierte abholen zu lassen, damit sie in den
       Behandlungszentren isoliert und versorgt werden. Dies galt bislang als das
       größte Problem: Bisher starben rund 60 Prozent zu Hause in ihren Betten, wo
       das Risiko groß ist, dass sich ganze Familien anstecken oder auch Nachbarn,
       die helfen, die Toten zu beerdigen.
       
       ## Kriegsgebiete bereiten Sorge
       
       In den meisten Fällen weigerten sich Familien, die Kranken in die
       Ebola-Behandlungszentren zu bringen. Doch dies ändert sich, so Mankoula.
       Die Weltgesundheitsorganisation WHO und zahlreiche Hilfswerke sowie die
       kongolesischen Gesundheitsbehörden haben in den vergangenen Wochen in
       vielen Dörfern die Dorfvorsteher sensibilisiert. Diese würden nun öfter
       neue Verdachtsfälle melden, die dann abgeholt und isoliert werden können,
       bevor Angehörige sich anstecken.
       
       [3][„Das gibt nun Hoffnung, dass sich die Lage bald ändert“], so Mankoula.
       Allerdings gibt es noch immer Dörfer in den Kriegsgebieten, in die noch
       kein Hilfsarbeiter einen Fuß gesetzt hat.
       
       Positive Entwicklungen sehen die Mitarbeiter des Africa-CDC auch in der
       Tatsache, dass die Mitarbeiter der kongolesischen Gesundheitsbehörden seit
       dieser Woche endlich voll bezahlt werden und die ersten Impfungen und
       Medikamente zur Prophylaxe erhalten, um Ansteckungen während ihrer Arbeit
       zu vermeiden.
       
       216 Mitarbeiter hätten sich freiwillig gemeldet, um die neu entwickelten
       Wirkstoffe darauf zu testen, ob sie nach einem Kontakt mit Infizierten eine
       Ansteckung verhindern. Mehr als 1.000 Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden
       seien bereits landesweit geimpft worden. Derzeit werden mehrere Impfstoffe
       getestet: In Großbritannien und Kanada laufen klinische Versuche. Ein in
       Ägypten entwickelter Impfstoff soll ab nächster Woche in Kongo selbst in
       die Testphase gehen.
       
       ## Schulstart birgt neue Herausforderungen
       
       Hoffnung, aber auch Sorgen bereitet den Seuchenexperten derzeit der
       Schulanfang im Kongo. Eigentlich war angedacht, dass die rund 100 Schulen
       in den am schwersten betroffenen Ebola-Gebieten wieder
       Homeschooling-Maßnahmen ergreifen, ähnlich wie während der Coronapandemie.
       
       Die Lehrer sollten in den Klassenzimmern Unterrichtsmaterialien
       vorbereiten, die von den Schüler*innen abgeholt und dann zu Hause
       erledigt werden, gepaart mit Unterrichtsstunden online und über Radio. Doch
       dann stellte sich heraus, dass dazu die nötige Ausrüstung fehlt: von
       Computern über Internetzugänge, Kopier- oder Radiogeräte. Dies bedeutet nun
       kurzum, dass die meisten Schulen doch Präsenzunterricht machen.
       
       In den ersten Tagen des neuen Schuljahres mangelte es zudem in vielen
       Schulen im Ebola-Gebiet an Desinfektionsspray, Seife oder gar fließend
       Wasser. „Unsere Teams vor Ort arbeiten eng mit dem Bildungsministerium
       zusammen, um sicherzustellen, dass die Richtlinien für eine sichere
       Wiedereröffnung der Schulen umgesetzt werden“, versichert Mankoula.
       
       Sobald diese Hygienevorrichtungen angeliefert und installiert werden,
       erhoffen sich die Seuchenexperten auch einen positiven Effekt: „Wenn die
       Kinder in den Schulen über Präventionsmaßnahmen aufgeklärt werden, gehen
       sie vielleicht nach Hause und klären ihre Familien darüber auf.“
       
       4 Sep 2026
       
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