# taz.de -- Ebola in der DR Kongo: „Der schlimmste Ausbruch der Geschichte“
       
       > In drei Monaten hat das Virus in der DR Kongo mehr Tote gefordert als
       > beim letzten großen Ausbruch in zwei Jahren. Und die Sterblichkeitsrate
       > steigt weiter.
       
 (IMG) Bild: Eher die Ausnahme: Ordnungsgemäße Bestattung eines Ebola-Toten in Bunia, Hauptstadt der kongolesischen Provinz Ituri
       
       Die Schreckensmeldungen hinsichtlich des [1][Ebola-Ausbruchs in der
       Demokratischen Republik Kongo] nehmen kein Ende. Jetzt erklärte Kongos
       Gesundheitsministerium den aktuellen Ausbruch im Osten des Landes als
       schlimmsten in der kongolesischen Geschichte. Dies allein ist
       rekordverdächtig, denn seit den 1970er Jahren hat es allein in der DR
       Kongo, wo das tödliche Virus 1976 zuerst festgestellt wurde und nach einem
       kongolesischen Fluss benannt wurde, 17 Ausbrüche gegeben.
       
       Nach dem [2][amtlichen Lagebericht des Gesundheitsministeriums vom Montag]
       sind in der laufenden Epidemie bis Sonntagabend 2.325 Ebola-Tote bestätigt
       worden, bei insgesamt 4.945 bestätigten Ebola-Infektionen. Damit übersteigt
       die Zahl der Todesopfer jene des [3][Ebola-Ausbruchs der Jahre 2018 bis
       2020], als im Osten der DR Kongo 2.299 von 3.381 Infizierten an der Seuche
       starben. Damals dauerte das fast zwei Jahre – der aktuelle Ausbruch ist
       gerade mal drei Monate alt.
       
       Die Sterblichkeitsrate liegt demnach bei 47 Prozent – im Juni, in den
       ersten Wochen der Epidemie, waren es erst 20 Prozent. Sie erhöht sich
       stetig, warnen Experten, weil es immer weniger Menschen in die
       Behandlungszentren schaffen. 70 Prozent der Toten sterben zu Hause in ihren
       Betten, und dadurch stecken sich mit großer Wahrscheinlichkeit noch mehr
       Menschen in ihren Familien und Gemeinden an, vor allem wenn
       Familienangehörige in letzter Minute angesichts des Todeskampfes doch noch
       versuchen, sie in ein Gesundheitszentrum zu tragen.
       
       Offiziell werden zwar über 85 Prozent aller Kontakte der Infizierten
       nachverfolgt, aber dies betrifft nur die bestätigten Infektionen, und
       angesichts der hohen Dunkelziffer halten Experten die reale
       Nachverfolgungsquote für weit niedriger. Lediglich 730 Erkrankte werden in
       Gesundheitszentren und Isolierzentren in sechs Provinzen des riesigen
       Landes behandelt. Und nur 1.040 haben die Infektion mit dem hämorrhagischen
       Fieber bislang überlebt und gelten als geheilt.
       
       ## 100 Neuerkrankungen pro Tag
       
       Mittlerweile [4][grassiert das Virus so schnell], dass alle 30 Minuten ein
       Mensch in Kongo daran stirbt. Durchschnittlich 100 neue Patienten täglich
       werden positiv getestet, damit nimmt die Verbreitung mittlerweile so rasant
       zu, dass Ebola-Experten nicht nur vom „tödlichsten“, sondern auch vom
       „schnellsten“ Ausbruch in der Geschichte sprechen.
       
       Die Ursache für diesen Rekord liegt in der späten Entdeckung des Ausbruchs.
       Nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen verstarben in der
       nordostkongolesischen Provinz Ituri, wo das Epizentrum der Epidemie
       inmitten eines Kriegsgebiets liegt, bereits Ende Januar die ersten
       Infizierten, der Ausbruch wurde jedoch erst Ende April von kongolesischen
       Ärzten gemeldet und erst am 14. Mai offiziell bestätigt und dann
       international ausgerufen.
       
       Mittlerweile scheint der Ausbruch fast außer Kontrolle. Tom Fletcher, der
       Leiter des humanitären Hilfsprogramms der Vereinten Nationen in Genf,
       erklärte am Freitag: „Wir brauchen Schnelligkeit, Umfang und Solidarität,
       bevor dieses Virus uns noch weiter überrollt.“ Fletcher fordert die
       Weltgemeinschaft auf, mehr Maßnahmen zu ergreifen: „Wir dürfen nicht
       zulassen, dass das Virus unsere Gegenmaßnahmen überholt.“
       
       ## Auch Nachbarländer in Gefahr
       
       Denn das Problem: Mittlerweile werden immer mehr Ebola-Fälle auch in
       denjenigen Provinzen im Norden der DR Kongo gemeldet, die an die
       Nachbarländer Südsudan und Zentralafrikanische Republik grenzen – beides
       Staaten, in welchen das Gesundheitssystem ähnlich marode und
       heruntergekommen ist wie in Kongo und wo die Sicherheitslage ähnliche
       Herausforderungen birgt.
       
       Immerhin, in Uganda wurde der Ausbruch Ende Juli als beendet erklärt. Dort
       hatte es 20 Fälle gegeben, die alle aus dem Nachbarland Kongo eingeschleppt
       waren, zwei der Infizierten starben. Uganda hatte daraufhin die Grenzen
       offiziell geschlossen, nur Hilfskonvois dürfen passieren. Die
       Weltgesundheitsorganisation WHO meldet jedoch am Freitag, dass die
       Bedrohungslage für Uganda noch nicht vorüber sei. Das Virus könnte in
       Anbetracht der derzeitigen Lage zurückkommen.
       
       17 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/2026_Ebola_epidemic
 (DIR) [2] https://x.com/MinSanteRDC/status/2089290576122233333
 (DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Kivu_Ebola_epidemic
 (DIR) [4] /Zentralafrika/!6202038
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
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