# taz.de -- Angriffe auf Umspannwerke: Polizei findet Truck von Verdächtigen am Hambacher Forst
> Die Polizei fahndet nach dem Gevelsberger Daniel V. Sein LKW wird am
> Hambacher Forst entdeckt. Er hatte ein Bekennerschreiben an die taz
> geschickt.
(IMG) Bild: Der LKW des Verdächtigen Daniel V. wurde nahe des Hambacher Forsts gefunden
Die Polizei ist dem Mann, der im Verdacht steht, mehrere Anschläge auf
Umspannwerke verübt zu haben, offenbar unmittelbar auf der Spur. Am
Freitagsabend stürmte ein Sondereinsatzkommando einen zum Wohnmobil
umgebauten LKW, der dem Mann gehören soll. Der Polizeieinsatz erfolgte in
Niederzier, in unmittelbarer Nähe vom Hambacher Forst. [1][Der Wald neben
dem Braunkohletagebau Hambach in der Nähe von Aachen war ein Hotspot von
Klimaaktivist:innen].
Festgenommen wurde der Mann aber nicht. Er sei vermutlich zu Fuß unterwegs
und werde nicht weit kommen, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul am Abend.
Zuvor hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) gesagt, er gehe
derzeit von einem Fall von „Klimaextremismus“ durch einen mutmaßlichen
Einzeltäter aus. Er verwies zugleich auf die noch laufenden Ermittlungen
und den bisher nicht abschließend geklärten Tathintergrund. Eine
abschließende Beurteilung sei aktuell noch nicht möglich, betonte der
Bundesinnenminister weiter.
Zuvor war die Anschlagsserie auf Umspannwerke weiter gegangen. Am
Donnerstagabend, gegen 18.15 Uhr, hatte laut Polizei ein Fußgänger an einem
Feldrand nahe einem Umspannwerk bei Dormagen erneut selbstgebaute
Abschussvorrichtungen entdeckt, mit der offenbar ein Kurzschluss an einer
Hochspannungsleitung verursacht werden sollte. Zu Beschädigungen kam es
nicht. Es werde in dem Zusammenhang nach einer Person aus Gevelsberg
gefahndet.
Auch in Sachsen soll am Freitag laut Medienberichten ein Polizeieinsatz
stattgefunden haben, bei dem es um einen ähnlichen Vorfall gehen soll. Das
bestätigte die Polizeidirektion Görlitz der dpa.
## Bei der taz ging ein Bekennerschreiben ein
Nach taz-Informationen handelt es sich bei dem Gesuchten um Daniel V.,
einen Endvierzigjährigen und studierten Mediziner, der in Gevelsberg
gemeldet ist. [2][Die taz war am Donnerstag an seiner Meldeadresse], konnte
dort aber nur eine Familienangehörige antreffen, die angab, dass Daniel V.
schon mehrere Wochen nicht mehr vor Ort gewesen sei. Seinen aktuellen
Aufenthaltsort kenne sie nicht.
Am Freitag sagte die Person am Telefon, dies sei weiterhin der Stand. Die
Polizei sei bisher noch nicht vor Ort gewesen. Ein zweiter
Familienangehöriger wollte sich nicht äußern. Am Mittag traf die Polizei
nach taz-Informationen dann doch am Haus in Gevelsberg ein, konnte Daniel
V. dort aber nicht vorfinden. Laut Medienberichten hatte die Polizei auch
nach einem Truck gesucht, mit dem dieser unterwegs sein soll.
Ein Polizeisprecher bestätigte, dass auch ein weiterer Polizeieinsatz am
Freitag nahe dem Umspannwerk Weisweiler in Nordrhein-Westfalen mit dem Fall
in Verbindung stehe. Wegen Angaben in weiteren aufgetauchten
Bekennerschreiben zu Dormagen und einem vorherigen [3][Anschlag am
Dienstagabend nahe dem Umspannwerk Bergheim-Rheidt bei Köln] suchte die
Polizei dort nach Gegenständen. Einen weiteren Polizeieinsatz gab es nahe
dem Umspannwerk Ganderkesee in Niedersachsen – hier bleib ein Zusammenhang
zu der Tatserie vorerst offen.
[4][Schon nach einem ersten Anschlag auf das Umspannwerk Jänschwalde in
Südbrandenburg am frühen Dienstagmorgen war ein handschriftliches
Bekennerschreiben per Post bei der taz eingegangen]. Abgeschickt wurde es
laut Poststempel in einem Briefzentrum bei Köln. In dem Schreiben
bezichtigt sich ein Daniel V. der Tat und nennt Details, wie er die Raketen
und Abschussvorrichtungen zusammenbaute. Medienberichte über diese
technischen Details erfolgten erst ab dem späten Dienstagabend, nachdem das
Schreiben sehr wahrscheinlich schon postalisch verschickt worden war.
## Bekennerschreiben kritisiert fossile Brennstoffe
„Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen, das
unsägliches Leid nach sich zieht“, heißt es im Schreiben. Dieses Leid wolle
er „abwenden oder vermindern“. Er verübe die Taten, „weil die Medien einen
Scheiß tun, die Dringlichkeit der Situation zu vermitteln, und der Staat da
nicht eingreift, um dieses Leid abzuwenden“. Der Verfasser betont, er habe
allein gehandelt – „ohne jemals jemandem davon erzählt zu haben“. Er
schreibe dies, weil er befürchte, dass die Taten sonst der „linken Szene“
zugeschrieben würden. „Die ham da nix mit zu tun.“
Außerdem kündigte der Schreiber bereits im ersten Bekennerschreiben weitere
Taten an. „Wenn hier Recht und Ordnung herrschten, dann müsste ich das
Gesetz nicht brechen und einen Haufen Leid in Kauf nehmen, das ich wegen
dem Stromausfall und allen Stromausfällen, die da noch kommen müssen, zu
verantworten habe.“ Danach erfolgten der Anschlag in Bergheim und nun der
Versuch in Dormagen.
Die Familienangehörige in Gevelsberg erkannte bei dem taz-Besuch die
Handschrift von Daniel V. im Bekennerschreiben.
## Mit Drahtseilen sollten Kurzschlüsse verursacht werden
Bei den Taten in Jänschwalde, Bergheim und nun Dormagen war versucht
worden, mit selbstgebauten Raketen ein Drahtseil auf die
Hochspannungsleitungen zu schießen, um damit eine Erdung und einen
Kurzschluss zu verursachen. In Jänschwalde war dies in einem Fall
erfolgreich, es kam aber zu keinen Stromausfällen. Rund 20 weitere
aufgestellte Raketen hoben nicht ab.
In Bergheim sollen sechs Abschussstationen für selbstgebaute Raketen
gefunden worden sein. Hier fielen durch einen Kurzschluss mehrere Leitungen
aus, fünf Braunkohle-Kraftwerkblöcke mussten vom Netz gehen. Auf
Handyvideos sind Blitze und Knallgeräusche an den Hochspannungsleitungen zu
sehen. Die beiden Tatorte in Nordrhein-Westfalen, Bergheim und Dormagen,
liegen jeweils rund eine Stunde von Gevelsberg entfernt.
Die Authentizität zumindest des ersten Bekennerschreibens, das der taz
vorliegt, lässt sich nicht zweifelsfrei belegen. Möglich wäre auch
weiterhin, dass der Verfasser zu Unrecht für sich beansprucht, die Taten
begangen zu haben, oder dass ein anderer Akteur bewusst eine falsche Fährte
legt.
4 Sep 2026
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