# taz.de -- Mietendemo in Berlin: Enteignen, jetzt!
> Mehr als 10.000 Menschen demonstrierten am Samstag gegen steigende
> Mieten. Im Zentrum stand die Forderung nach Vergesellschaftung großer
> Wohnungskonzerne.
(IMG) Bild: Demonstrant auf der Berliner MieterInnen-Demo am Samstag
Unter dem Motto [1][„Her mit den Wohnungen, runter mit der Miete“ hatte das
Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn] am Samstag zu einer
Großdemonstration aufgerufen. Start- und Endpunkt war vor dem Roten
Rathaus. Mehr als 10.000 Menschen beteiligten sich laut
Veranstalter*innen an dem Protestzug.
Manche reihten sich bereits nach 11 Uhr in eine der 12 Zubringerdemos ein,
mit denen die Mieter*innen aus den jeweiligen Stadtteilen abgeholt
wurden. So versammelten sich ab 12 Uhr einige Hundert Menschen aus
Friedrichshain vor dem U-Bahnhof Frankfurter Tor, um mit Fahnen und
Transparenten zum Roten Rathaus zu ziehen.
Immer wieder war die Parole „Volksbegehren endlich umsetzen“ zu lesen.
Gemeint ist der Volksentscheid Deutsche Wohnen und Co. Enteignen, für den
sich am 21. September 2021 über 59 Prozent der Abstimmenden in Berlin
ausgesprochen hatten. Fast fünf Jahre später ist er noch immer nicht
umgesetzt.
Doch die [2][Forderung nach der Vergesellschaftung großer Wohnkonzerne]
bleibt bestehen und bestimmt auch den aktuellen Wahlkampf zur Berliner
Abgeordnetenhauswahl. Die Vorsitzende der Linkspartei, Ines Schwerdtner,
erklärte die Umsetzung des Volksbegehrens zur roten Linie, wenn ihre Partei
die Regierung stellen sollte. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach stellte
klar: das sei mit ihm nicht zu machen.
## Forderung nach Vergesellschaftung
Für Krachs Position gab es auf der Demo wenig Verständnis. „Ich bin empört,
dass Steffen Krach die Stimmen der Berliner*innen ignoriert, die damals
für den Volksentscheid stimmten“, sagte Elke Bosold der taz. Die Rentnerin
aus Lichtenberg zeigt sich zufrieden, dass auf der Demonstration die
Umsetzung des Volksentscheids eine so große Rolle spielt. Das sei eine
klare Ansage an alle Parteien, die den künftigen Senat stellen.
Ähnlich sieht das Nico Hertz-Eichenrode von der Initiative Deutsche Wohnen
& Co. enteignen: „Das beste Mittel gegen die Mietenkrise, das die Berliner
Landesregierung sofort umsetzen kann, ist die Vergesellschaftung“, sagt der
Aktivist. 220.000 Wohnungen aus der „Profitlogik der Großkonzerne befreien
und dauerhaft bezahlbar machen“ würde den Mietmarkt als Ganzes entspannen.
Am Samstag waren viele auf der Straße, die sich vor fünf Jahren für den
Volksentscheid engagierten. Dabei schien es in den letzten Jahren, als sei
die Berliner Mieter*innenbewegung an ihre Grenzen gestoßen. Die
Coronapandemie hatte die Bewegung ausgebremst. Zudem mussten die Berliner
Mietrebell*innen in den letzten Jahren mehrere Niederlagen hinnehmen. So
wurde der Mietendeckel juristisch gekippt und das Instrument des
Vorverkaufsrechts, mit dem sich einige Jahre viele Mieter*innen vor den
Begehrlichkeiten von Immobilienkonzernen schützen konnten, von Gerichten
massiv eingeschränkt.
## Mieter*innen können sich nur gemeinschaftlich wehren
Doch am Samstag waren die [3][Berliner Mietrebell*innen] wieder in
fünfstelliger Zahl auf der Straße. In Redebeiträgen berichteten
Bewohner*innen von Vonovia und anderen Immobilienkonzernen von
horrenden Mieten, Mängeln und Problemen mit ihren Vermietern. Die
Botschaft: Mieter*innen können sich nur gemeinschaftlich gegen
Verdrängung und steigende Mieten wehren und für eine andere Wohnungspolitik
kämpfen.
Kim Meyer vom Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn stellt klar:
„Nach der Wahl geht unser Kampf weiter; egal, wer im Senat sitzt.“ Die
Rentnerin Elke Bosold kann es gar nicht erwarten, wieder Unterschriften für
einen neuen Volksentscheid zu sammeln, den die Initiative DW Enteignen
derzeit vorbereitet. Der soll einen konkreten Gesetzestext enthalten, der
dann auch in Kraft tritt. Das ist Plan B, sollte der Volksentscheid auch
nach den Wahlen weiter verschleppt werden.
6 Sep 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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