# taz.de -- Brand in Sachsen-Anhalt: Jugendclub Mood und Kulturwerk Ost sind komplett zerstört
> In Sachsen-Anhalt stehen Kulturräume unter AfD-Druck. In Gardelegen sind
> nun zwei davon abgebrannt. Die Betreiber sammeln Kräfte – und wollen
> weitermachen.
(IMG) Bild: Die rauchenden Überreste des Kulturwerk Ost und Jugendclub Mood
Der Jugendclub Mood und das Kulturwerk Ost in der Hansestadt Gardelegen
sind in der Nacht zum Mittwoch komplett ausgebrannt. Vom Rauch geschwärzte
Mauern und viel Asche, das ist alles, was von den Räumen im Norden von
Sachsen-Anhalt übrig ist. Die beiden Vereine hinter den Orten für Jugend-
und Kulturarbeit stehen vor Hunderttausenden Euro Schaden. Erst am Mittag
beendete die Feuerwehr den Einsatz. Laut Polizei ist die Brandursache noch
Gegenstand der Ermittlung.
„Das Feuer ist aus, aber wir müssen das erstmal verarbeiten“, sagt Ralf
Böse, Vorstand des Jugendförderungszentrums Gardelegen, zu dem der
Jugendclub Mood gehörte. Er klingt abgekämpft. Die Bandproberäume, die
Tischtennisplatte, der Kicker, der Kreativraum – über Jahrzehnte sei das
Mood Anlaufpunkt für junge Menschen in der Stadt gewesen. Die Bar im
Clubraum war frisch renoviert. Jetzt ist alles weg.
Direkt anliegend am Gelände standen die Räume des Kulturwerks Ost. Juliane
Oelze und Felix Friese vom 2017 gegründeten Verein erzählen ebenfalls: „Wir
haben wirklich alles verloren.“ Die ehrenamtlichen Mitglieder organisierten
Konzerte und Raves mit freiem Eintritt. Die Deko, die Lichttechnik, die
Musikanlage und eine große Sammlung an Vinylplatten: Alles verbrannt und
zusammengeschmolzen.
In zwei Wochen wollen sie das Hansefest mitten in Gardelegen organisieren,
mit kreativen Angeboten auch für Kinder und Jugendliche. Doch auch die für
den Siebdruck gedachten T-Shirts sind verbrannt. Trotzdem wollen sie
versuchen, dass das Fest stattfindet.
## Im Visier der Rechten
Bürgermeisterin Mandy Schumacher (SPD) erklärte noch am Mittwoch, die Stadt
habe zwei der wichtigsten Orte für Jugend- und Kulturarbeit verloren. „Aus
diesem Grund werden wir auch alle Bemühungen unterstützen, die darauf
abzielen, so schnell wie möglich Ersatz für die eingetretenen Verluste
schaffen zu können.“
Die Finanzierung des Jugendclubs entspringt bislang aus öffentlichen
Geldern der Stadt. Die lokale AfD hinterfragte in der Vergangenheit die
Finanzierung immer wieder. [1][Beispielsweise Sebastian Koch],
Kreisvorsitzender der AfD und Landtagswahlkandidat, warf dem Jugendclub
vor, antifaschistische Strukturen zu unterstützen.
Gegen [2][Koch selbst wird derzeit nach taz-Informationen] ermittelt. Er
gehört zu einem Kreis von 15 Personen, die mutmaßlich die verbotene
rechtsextreme Gruppe „Artgemeinschaft“ fortgeführt haben. Vergangene Woche
gab es deshalb eine Razzia bei ihm. Laut Medienberichten widerspricht Koch
den Vorwürfen, auf eine Anfrage der taz wollte er nicht antworten.
Auch der Verein Kulturwerk Ost versteht sich als Teil einer offenen
solidarischen und vielfältigen Gesellschaft. Auf Social Media erinnerte er
beispielsweise regelmäßig an den Tag des Gedenkens der Opfer des
Nationalsozialismus. Sie seien aber nicht von der AfD unter Druck gesetzt
worden.
Die Lokalzeitung Volksstimme hatte in einem ersten Bericht geschrieben, es
gehe das Gerücht um, der Brand sei nicht zufällig ausgebrochen. Aber
Brandstiftung? Ralf Böse vom Jugendförderungszentrum findet das voreilig.
„Ich hoffe, dass nur ein technischer Defekt die Ursache war.“ Das
Kulturwerk Ost will ebenfalls die Ermittlungen abwarten, bevor es sich dazu
äußert.
Wie es jetzt weitergeht? Am Mittwochabend haben sich die Vereinsmitglieder
des Kulturwerks Ost vor den Ruinen getroffen. Das habe geholfen, erzählt
Juliane Oelze. „Wir sind nochmal all die schönen Erinnerungen
durchgegangen.“ Klar sei: Das Gebäude können sie nicht mehr beziehen. Kurz
danach veröffentlichten sie [3][online einen Spendenlink]. Am Donnerstag
kamen mehr als 21.000 Euro zusammen, steht auf der Fundraising-Seite. Felix
Firese sagt, er könne die Dankbarkeit kaum in Worte fassen. „Ich fange
gleich an zu weinen, wenn ich das sehe.“
Auch der Jugendclub Mood [4][sammelt Spenden]. „Wir möchten so schnell wie
möglich wieder Räume und Angebote schaffen, in denen junge Menschen
zusammenkommen können.“ Bei ihnen sind bislang 16.000 Euro
zusammengekommen. Es gelte, nach vorne zu schauen.
3 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.az-online.de/altmark/gardelegen/vorwurf-der-extremistischen-tendenzen-gegen-gardelegener-jugendclub-90459770.html
(DIR) [2] /Rechtsextremismus-in-Sachsen-Anhalt/!6207605
(DIR) [3] https://www.gofundme.com/f/unser-kwo-ist-zerstort-helft-uns-wieder-aufzubauen?attribution_id=sl:675a3267-244f-483a-bd97-790f68fa0dbc&lang=de_DE&ts=1788371020&utm_campaign=fp_sharesheet&utm_content=amp30-control&utm_medium=customer&utm_source=copy_link
(DIR) [4] https://www.paypal.com/donate?campaign_id=JF5N77APJA9HS
## AUTOREN
(DIR) David Muschenich
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AfD-Kandidaten an. Ihnen wird vorgeworfen, die rechtsextreme
„Artgemeinschaft“ fortgeführt zu haben.