# taz.de -- Marotten in Beziehungen: Die große Inszenierung ist vorbei
       
       > Mit dem Partner im Bett Zähne putzen und aus Faulheit in einen Becher
       > spucken, der tagelang nicht geleert wird. Ist das das Ende oder doch der
       > Anfang von Romantik?
       
 (IMG) Bild: Wahre Intimität zeigt sich manchmal nicht bei Kerzenschein, sondern beim gemeinsamen Zähneputzen im Bett
       
       „Was ist eure Beige Flag?“, will C. von uns wissen. Diese etwas schräge
       Eigenheit, die weder Green noch Red Flag ist, das Gegenüber aber kurz
       irritiert. Ich muss nicht lange nachdenken: „Dass ich nach dem
       High-Intensity-Training nicht dusche, sondern gottlos verschwitzt direkt in
       meine Arbeitsklamotten schlüpfe.“ Ich ernte angewiderte Lacher. „Dass ich
       noch nie in meinem Leben meine Fingernägel geschnitten habe“, sagt R.
       lachend. Und schiebt hinterher: „Nur geknabbert“.
       
       C.s ist Hardcore-Beige: Sie kommt immer erst so spät von der Arbeit nach
       Hause, dass sie meistens im Bett ihre Zähne putzt, erzählt sie. Dann
       muckelt sie sich in ihre kuschelige Daunendecke ein und ist häufig zu müde,
       um wieder aufzustehen, ins Bad zu gehen und die Zahnpasta auszuspucken. Die
       Lösung: ein Spuckbecher neben ihrem Bett. Manchmal lasse sie die
       Speichel-Zahnpasta-Plörre tagelang stehen, bis der Glibber im Becher gelb
       wird, erzählt sie schamlos. „Was machst du, wenn dein Freund zu Besuch
       ist?“, frage ich. C. lacht: „Dann reiche ich ihm den Becher rüber und er
       spuckt auch rein.“
       
       Ich finde, der geteilte Spuckbecher ist eine absolute Green Flag. In
       Liebesfilmen würde er zweifellos für die gescheiterte Beziehung stehen, in
       der jegliche Romantik verflogen und schonungslose Unbefangenheit an ihre
       Stelle getreten ist. Dabei zeugt er eigentlich vom Gegenteil: von einer
       kerngesunden intimen Beziehung, von der [1][Befreiung der „Feminine
       Mystique“], diesem verlogenen Schauspiel der makellosen Frau.
       
       Es ist ein emanzipatorischer Akt, nicht mehr immer sexy Unterwäsche zu
       tragen, den Tampon verschämt hinter verschlossenen Türen zu wechseln, stets
       nach Rosen zu duften und bloß nie einen über den Durst zu trinken. Die
       große Inszenierung ist vorbei: Wir furzen, wir fluchen, wir saufen, wir
       tragen [2][unsexy, aber megapraktische Periodenunterwäsche.]
       
       Die Influencerin Taryn Delanie Smith bringt es auf den Punkt: „Dein inneres
       Selbst ist doch keine Prinzessin, oder? Es ist ein Gargoyle, das gezwungen
       ist, auf einem Sockel in einem Ballsaal zu stehen, gefangen in einem
       Walzer, den keine von uns jemals tanzen wollte.“ Ihr Appell: „Mein Gott,
       wir müssen Widerstand leisten!“ Das tun wir. Aber auch nur, weil (zumindest
       manche) Männer es uns inzwischen erlauben, ja, das sogar in einer Partnerin
       suchen.
       
       ## Männer, die Frauen lieben vs. Männer, die Frauen mögen
       
       [3][In ihrem Buch „Fuckgirl“ unterscheidet Bianca Jankovska] zwischen
       Männern, die Frauen lieben, und Männern, die Frauen mögen. Erstere sind
       jene, die in Frauen vor allem einen fuckable und besitzbaren Körper sehen.
       Letztere sind jene, die Frauen als Menschen begreifen, mit eigenen Ideen,
       Träumen, Wünschen, Theorien und Sehnsüchten.
       
       Ein Mann kann seine Frau und Tochter lieben und beschützen wollen, ihnen
       aber nicht auf Augenhöhe begegnen. Er kann Frauen gern ansehen, aber nicht
       gern zuhören, er kann den weiblichen Körper für sexuelle Befriedigung
       nutzen, ihn aber nicht respektieren; sich sogar davor ekeln, wenn er
       menstruiert oder Haare hat, schwitzt, rülpst, furzt oder scheißt. Er kann
       Frauen begehren, aber seine Bewunderung, seinen Respekt und seine
       Anerkennung stets Männern schenken.
       
       Aber ein Typ, der mit seiner Freundin den Spuckbecher teilt, mag Frauen.
       Als C. einmal kurz vor der Trennung steht, entscheidet sie sich im letzten
       Moment doch dagegen. „Wer soll mir sonst meinen Herpes am Po eincremen?“
       
       6 Sep 2026
       
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