# taz.de -- Sexismusdebatte: Kontroverses Dekolleté
       
       > Die Chefin vom Teufelsrad auf der Wiesn kann es nicht allen recht machen.
       > Mal hängt sie zu sehr an Traditionen, mal geht sie zu sehr mit der Zeit.
       
 (IMG) Bild: Wie sie's auch macht, es ist immer falsch: Elisabeth Polaczy steht für ihr Fahrgeschäft in der Kritik
       
       Wäre sie nicht gewohnt, dass sich alles um nichts dreht, könnte einem
       Elisabeth Polaczy fast leid tun. Sie ist die Chefin des Teufelsrads, das
       seit Jahrzehnten Besucher des [1][Oktoberfests] belustigt. Ein Haufen
       Freiwilliger muss sich auf einer sich immer schneller drehenden Scheibe
       gegen die Fliehkraft stemmen. Ein großer Spaß – vor allem für die, die nur
       zuschauen. Doch jetzt steht Polaczy im Zentrum einer [2][Sexismusdebatte].
       
       Schuld daran sind vier weibliche Puppen, die auf einem Teufelsrad über dem
       Eingang für das Geschäft werben. Erst beschwerte sich die
       Gleichstellungsstelle der Stadt über die ihrer Meinung nach sexistischen
       und rassistischen Darstellungen. So zeigten die Damen zum Teil viel Haut,
       eine Hawaiianerin trug gar außer einem Rock lediglich eine Blumenkette. Als
       die Teufelsrad-Chefin die Puppen jetzt übermalen ließ, empörten sich aber
       wiederum diverse Rathauspolitiker und -politikerinnen.
       
       Speziell die Wiesn-Stadträtin und die Zweite Bürgermeisterin, beides
       interessanterweise Grüne, sprachen von „übertriebener Prüderie“ und
       „Verhüllungsgebot“. Selig die Stadt, die keine anderen Probleme hat. Die
       überhitzte Diskussion ist nicht nur unnötig, sondern bezeichnend für eine
       immer stärker von Empörungen getriebene Gesellschaft. Während gerade auf
       der Wiesn nicht nur ausgelassene Fröhlichkeit herrscht, sondern
       [3][sexuelle Übergriffe] – wie auch das [4][„Upskirting“] beim Teufelsrad
       –, Gewalt und Alkoholexzesse an der Tagesordnung sind, verkämpfen sich die
       Stadtoberen wegen des Dekolletés einer Puppe.
       
       Cancel-Culture, Sexismus, Tradition, Rassismus – die Totschlagargumente
       sind auf beiden Seiten griffbereit. So kämpfte vor vier Jahren sogar
       [5][ein bayerischer Ministerpräsident] – wenn auch wohl mehr mit Kalkül als
       mit Leidenschaft – für sein Recht, auf dem Oktoberfest eine „geile
       Puffmutter“ begrölen zu dürfen. Ein Rat an ihn und die, die sich so gern in
       solchen Debatten ergehen: Man muss nicht alles mit Verboten regeln. Aber
       man muss auch nicht alles tun, was nicht verboten ist.
       
       3 Sep 2026
       
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