# taz.de -- Venezuelas Abkommen mit den USA: Trumps dubioser Öl-Dealer
> Das Parlament stimmt dem Öl-Abkommen mit den USA zu. Die Geschäfte leiten
> soll Millionär Alejandro Betancourt, gegen den wegen Geldwäsche ermittelt
> wird.
(IMG) Bild: „Weiße raus, Mörder!“ fordert dieser Venezolaner bei einer Demo gegen das Öl-Abkommen Ende August
Das venezolanische Parlament hat am Dienstag US-Präsident Donald Trumps
„größten Öl-Deal der Weltgeschichte“ per Handzeichen durchgewunken – ohne
dass die Parlamentarier*innen den kompletten Text des „binationalen
Energieträger-Abkommen“, wie es richtig heißt, einsehen konnten. Die Armee
signalisierte ebenfalls Zustimmung. Am Abend traf US-Energieminister Chris
Wright in Venezuela ein. Er soll am Mittwoch das Abkommen und weitere
Ölabkommen unterzeichnen
Am Montag [1][hatte das Weiße Haus außerdem bestätigt], was Medien seit
Tagen vermutet hatten: Das Unternehmen North American Blue Energy Partners
(Nabep) soll besagten Deal umsetzen. Es gehört dem venezolanischen
Millionär Alejandro Betancourt. Gegen den 46-Jährigen ermitteln die Schweiz
und Spanien wegen Geldwäsche – basierend auf US-Ermittlungen.
Betancourt hatte bereits zur Zeit von Präsident Hugo Chávez eine
Schlüsselrolle inne. Er gehörte zu den sogenannten „bolichicos“, den
Unternehmern, die Dank des [2][Chavismus] enorme Reichtümer anhäuften,
unter anderem mit Staatsverträgen. Mit seiner Firma Derwick Associates
hatte Betancourt Milliarden Dollar schwere dubiose Geschäfte mit
Stromkraftwerken in Venezuela gemacht. Viele von ihnen funktionierten
nicht. Ins Ölgeschäft stieg er ebenfalls ein. 2020 kühlte die Beziehung zum
Chavismus zeitweise ab. Da erfand er sich in Europa neu, als
Start-up-Gründer, [3][wie Reuters schon vor Jahren recherchierte].
Mittlerweile steht er Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez nahe.
Außenminister Marco Rubio verteidigte die Personalie unter anderem damit,
dass gegen Betancourt in den USA keine Untersuchungen laufen würde. Vor
zehn Jahren stand der Magnat jedoch im Fokus von Ermittlungen der
Bundesbehörden in Miami – wegen des Diebstahls von mehr als 1 Milliarde
US-Dollar aus der staatlichen Ölgesellschaft Venezuelas PDVSA. Die seien
laut Behördenangaben über Bankkonten und Immobilieninvestitionen in den
Vereinigten Staaten und Europa gewaschen worden.
## Schweiz erlaubte Auslieferung nach Druck von Trump
Angeklagt wurden in Miami nur sein Cousin und ein Dutzend andere
Venezolaner – Alejandro Betancourt nicht. Dafür griff die [4][Schweizer
Justiz] die Sache Jahre später auf und holte spanische Kolleg*innen mit
ins Boot. In Spanien hat dieses Jahr ein Gericht den Fall gegen ihn wieder
eröffnet.
Unterdessen engagierte die Trump-Regierung Betancourt, um zwischen den USA
und Venezuelas Regierung und Ölindustrie zu vermitteln – besonders nach der
Entführung von Präsident Nicolas Maduro durch US-Elitesoldaten im Januar
2026. Laut [5][einem jüngsten Bericht der Washington Post] machten die USA
Druck auf die Schweiz, die einen Auslieferungsantrag an Großbritannien
gestellt hatte, wo der Geschäftsmann mittlerweile lebte. Demnach setzten
sich US-Beamte dafür ein, dass eine strafrechtliche Anklage vermieden und
die Reisebeschränkungen aufgehoben wurden – damit er für die USA die
Venezuela-Deals einfädeln konnte. Mit Erfolg: Betancourt durfte aus
Großbritannien ausreisen. Das Strafverfahren in der Schweiz [6][läuft aber
weiter.]
Seit Monaten agiert Betancourt als Mittelsmann für Mauricio Claver-Carone,
der bis vor Kurzem inoffizieller Gesandter des US-Außenministeriums für
Venezuela war, sagte Claver-Carone mehreren Medien.
Private US-Konzerne haben sich von Washington bisher nicht in Venezuelas
Ölindustrie drängen lassen. Hoher Investitionsbedarf und mangelnder
Rechtsstaat schrecken ab. Nun will das Pentagon es selbst tun, über das
Konstrukt mit Nabep – ein Novum.
## Mehrheit der Vorstandsmitglieder sollen US-Bürger sein
Betancourts Firma Nabep ist bereits der zweitgrößte private Ölerzeuger in
Venezuela. Das Unternehmen erhalte jetzt [7][laut dem Weißen Haus] von
Übergangspräsidentin Delcy Rodriguez die Rechte an 17 Ölfeldern für die
Dauer von 100 Jahren. Dort liegen nachgewiesene Reserven von 65 Millionen
Barrel – rund ein Fünftel der venezolanischen Reserven.
Laut US-Angaben werde Nabep bis zu 100 Milliarden Dollar in neue
Ölinfrastruktur investieren. 35 Prozent der Ölförderung gehen ans
US-Verteidigungsministerium. Außerdem werde den USA über das
Außenministerium das Recht garantiert, 20 Prozent der Fördermenge zum
Selbstkostenpreis zu erwerben. Für den Rest erhält das Außenministerium ein
Vorkaufsrecht. Die Mehrheit der Vorstandsmitglieder in dem Joint Venture
solle aus US-Bürgern bestehen. Bei der Ernennung habe die US-Regierung ein
Vetorecht.
Letzteres ist einer von vielen Gründen, weshalb Jurist*innen an der
Rechtmäßigkeit und Dauer des „Deals“ zweifeln.
Transparenzhinweis: Wir haben das Foto dieses Beitrags ausgetauscht, da wir
zuerst den falschen Alejandro abgebildet hatten. Entschuldigung!
2 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.whitehouse.gov/fact-sheets/2026/08/fact-sheet-president-donald-j-trump-announces-historic-oil-agreement-to-secure-american-energy-dominance-and-drive-venezuelas-economic-recovery/
(DIR) [2] /Wer-regiert-Venezuela/!6142673
(DIR) [3] https://www.reuters.com/investigates/special-report/venezuela-spain-investor/
(DIR) [4] https://www.tagesanzeiger.ch/alejandro-betancourt-trump-lobbyiert-in-bern-fuer-oelmanager-918500012437
(DIR) [5] https://www.washingtonpost.com/world/2026/08/27/us-intervened-criminal-probe-venezuelan-oilman-alejandro-betancourt/
(DIR) [6] https://www.tagesanzeiger.ch/alejandro-betancourt-trump-lobbyiert-in-bern-fuer-oelmanager-918500012437
(DIR) [7] https://www.whitehouse.gov/fact-sheets/2026/08/fact-sheet-president-donald-j-trump-announces-historic-oil-agreement-to-secure-american-energy-dominance-and-drive-venezuelas-economic-recovery/
## AUTOREN
(DIR) Katharina Wojczenko
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