# taz.de -- Venezuela drei Monate nach der US-Aktion: Mit Delcy Rodríguez ins Trump-Wonderland
       
       > Um die Rechte der Opposition geht es nicht mehr. Aber für die
       > US-Regierung ist Venezuela drei Monate nach der Militäraktion eine
       > Erfolgsgeschichte.
       
 (IMG) Bild: Abenteuerland Venezuela von Trumps Gnaden
       
       Drei Monate ist es jetzt her, dass die USA in einer spektakulären
       Militäraktion in Venezuela eindrangen, den amtierenden Präsidenten Nicolás
       Maduro und seine Ehefrau entführten und verkündeten, zukünftig Venezuela zu
       führen. Längst haben sie [1][Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez
       anerkannt] und jetzt auch die [2][diplomatischen Beziehungen] zu Venezuela
       wieder aufgenommen.
       
       Rodríguez, zuvor Maduros Vize, hatte nach dem erzwungenen Abgang ihres
       Chefs die Regierung übernommen, eigentlich für 90 Tage bis zu Neuwahlen.
       Doch die scheinen in weiter Ferne zu sein.
       
       US-Präsident Donald Trump lobt Delcy Rodríguez in höchsten Tönen. Und das,
       obwohl sie seit Jahren eine Zielscheibe der US-Drogenbehörde DEA ist. Am
       Montag öffnete die US-Botschaft in Caracas wieder ihre Tore. Rund sieben
       Jahre lang hatte die US-Botschaft im Nachbarland Kolumbien Venezuela
       mitbedienen müssen.
       
       Delcy Rodríguez und ihr Bruder Jorge, der Parlamentspräsident, sitzen fest
       im Sattel. Inzwischen hat Rodríguez das halbe Kabinett umgebaut und
       Personen entfernt, denen sie misstraut, darunter die komplette
       Militärführung. Am Mittwoch teilte das US-Finanzministerium das
       Finanzministerium, Rodríguez sei aus der Liste sanktionierter Personen
       gestrichen wurde. Damit hat sie die Möglichkeit, Konten bei Banken zu
       eröffnen, die mit den USA kooperieren, und Geschäfte mit US-Unternehmen zu
       machen. Es ist auch der erste Schritt, um einen Staatsbesuch in den USA zu
       ermöglichen. Längst hat eine neue politische Elite aus Rodríguez'
       Chavista-Netzwerk die Führung des Landes übernommen. Gegen viele gibt es
       Vorwürfe der Korruption.
       
       Die Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado
       hätte nach Umfragen bei freien Präsidentschaftswahlen immer noch eine
       Mehrheit hinter sich. Doch von Wahlen ist nicht die Rede, und Machado ist
       seit ihrer Reise nach Oslo zur Preisvergabe des Nobelpreiskomitees im
       Ausland unterwegs. Zwar hat sie angekündigt, bald nach Venezuela
       zurückzukehren, aber Genaues ist unklar. Verbal umwirbt Machado die
       Trumpregierung, hatte [3][Trump gar die Medaille ihres Friedensnobelpreises
       überreicht]. Aber die US-Regierung ignoriert sie konsequent – und setzt
       voll auf Delcy Rodríguez.
       
       ## Das Ölgeschäft kommt nicht recht in Gang
       
       Rodríguez wiederum bemüht sich derweil, der Welt zu zeigen, dass es keine
       Machado braucht, um Venezuela zu einem funktionierenden Land zu machen, aus
       dem keine Hunderttausenden mehr emigrieren und das eine angenehme Umgebung
       für ausländische Investitionen ist. Öl und ein Ende der Migration sind
       Hauptziele der US-Sicherheitsstrategie.
       
       [4][In einem umstrittenen Schnellverfahren] hatte das venezolanische
       Parlament im Februar den Weg frei gemacht für ein neues Ölgesetz, das das
       Staatsmonopol aufweicht und ausländischen Firmen das Investieren
       schmackhaft machen soll.
       
       Washington hat eine Reihe von Öllizenzen erteilt. [5][Doch es läuft
       schleppend]. Selbst Chevron, der US-Ölkonzern, der mit Sondergenehmigung
       trotz Sanktionen seit 2007 in Venezuela agiert, will bestenfalls Gewinne im
       Land reinivestieren – aber kein neues Kapital heranschaffen. Nicht einmal
       der hohe Ölpreis, den der Krieg im Nahen Osten akut befördert, regt
       langfristige Investitionen in die marode Ölindustrie an, glauben
       Expert:innen.
       
       Vor wenigen Tagen legte Venezuelas Parlament noch ein Bergbaugesetz nach,
       mit dem Gold und seltene Erden attraktiver werden sollen. Doch die meisten
       Gegenden mit solchen Vorkommen werden von illegalen bewaffneten Gruppen
       beherrscht – auch kein gutes Umfeld für Investitionen.
       
       ## Die Zivilgesellschaft sieht sich nach wie vor unter Druck
       
       Die von der Regierung angekündigte Freilassung politischer Gefangener
       verläuft schleppend. Das neue [6][Amnestiegesetz] greift in vielen Fällen
       nicht. Die Zahlen der Regierung über angeblich Freigelassene liegen
       deutlich über denen von unabhängigen Nichtregierungsorganisationen wie Foro
       Penal. Die Vereinten Nationen weisen darauf hin, [7][dass staatliche
       Repressionen und Menschenrechtsverletzungen weitergehen].
       
       Der von vielen Venezolaner:innen gefürchtete Innenminister Diosdado
       Cabello ist weiterhin im Amt. Er führt die Partei, die Polizei, einen
       Großteil der Geheimdienste und die paramilitärischen Schlägertrupps, die
       sogenannten Colectivos.
       
       In Venezuela gelten weiterhin ähnliche Gesetze wie in Russland und
       Nicaragua, um NGOs zu verfolgen. Die zögerliche Öffnung in Sachen
       Zivilgesellschaft und Oppositionsparteien ist [8][laut der International
       Crisis Group] verlangsamt oder stagniert gar. Demokratisierung – die große
       Hoffnung vieler Exilvenezolaner:innen – war aber nie eine Priorität
       des US-Präsidenten gewesen.
       
       US-Außenminister Marco Rubio hatte im Januar von einem Dreistufenplan
       gesprochen: Stabilisierung, Erholung – und am Ende Übergang. Das von
       einigen Expertinnen befürchtete Chaos ist bisher ausgeblieben. Die Frage
       ist, was genau sich derzeit stabilisiert.
       
       ## 80 Prozent der Venezolaner:innen leben in Armut
       
       Die venezolanische Zentralbank hat zum ersten Mal seit November 2024
       Inflationsdaten veröffentlicht. Sie rechnet mit 600 Prozent, der höchsten
       Rate weltweit. Laut der Analyse der Crisis Group wird es mindestens Monate
       dauern, bis die Mehrheit der Bevölkerung Folgen der Stabilisierung spürt –
       wenn überhaupt. Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur sind nötig;
       noch ist nichts in Sicht.
       
       Die Preise sind weitergestiegen. Auch Strom- und Wasserabschaltung ist an
       der Tagesordnung. 80 Prozent im Land leben in Armut, 8 Millionen haben
       wegen Verfolgung und Wirtschaftskrise in den vergangenen Jahren ihre Heimat
       verlassen.
       
       Diesen Freitag enden offiziell die 90 Tage, für die die Verfassung eine
       Übergangspräsidentschaft vorsieht. Die Nationalversammlung könnte diese für
       Delcy Rodríguez noch einmal um 90 Tage verlängern – was Neuwahlen in noch
       weitere Ferne rücken werde.
       
       3 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [7] https://news.un.org/es/story/2026/03/1541236
 (DIR) [8] https://www.crisisgroup.org/cmt/latin-america-caribbean/venezuela/venezuela-paradigm-trumps-model-intervention-mirage
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Wojczenko
       
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