# taz.de -- US-Ölabkommen mit Venezuela: In alter Kolonialmanier
> Trumps 100-Milliarden-Investition in Venezuelas Erdölindustrie löst dort
> keine Freude aus. Die Idee eines freien Venezuelas rückt weiter in die
> Ferne.
(IMG) Bild: Der „größte Erdöl-Deal aller Zeiten“ ruft bei Venezolaner*innen wenig Begeisterung hervor
Der Alltag der Venezolaner*innen ist heute von ständigen
Stromausfällen geprägt. Aufzüge fahren nicht, Wasser wird nicht in
Hochhauswohnungen gepumpt, Rechner gehen kaputt. 26 Jahre [1][Chavismus]
haben eine marode Infrastruktur hinterlassen. Die Ankündigung Donald
Trumps, mehr als 100 Milliarden US-Dollar in Venezuelas
[2][darniederliegende Erdölindustrie zu investieren], könnte Anlass zur
Hoffnung geben.
Doch der „größte Erdöl-Deal aller Zeiten“ ruft bei Venezolaner*innen
wenig Begeisterung hervor. Nicht weil sie Maduro nachtrauern, der, von den
USA aus Venezuela entführt, nun in New York im Gefängnis auf seinen Prozess
wartet. Sondern, weil dieser Deal mit Maduros langjähriger Vizepräsidentin
Delcy Rodriguez ausgehandelt wurde.
Maduro mag entmachtet sein, aber seine [3][Regierungsclique führt weiterhin
das Land] – allerdings nun als Protektorat der USA. Delcy Rodriguez hat
ihren Kredit mit der späten und unzureichenden staatlichen Hilfe nach dem
Erdbeben vom 24. Juni 2026 vollends verspielt. Dass sie nun den
Wiederaufbau Venezuelas anführen soll, ist ein Hohn für alle jene
Venezolaner*innen, die auf freie Wahlen und die Rückkehr der Demokratie
hoffen. Diese dürften mit dem „historischen Deal“ noch weiter in den
Hintergrund rücken.
Donald Trump sagt ohne Umschweife, worum es ihm geht: die großen
Erdölreserven Venezuelas unter US-Kontrolle zu bringen und damit die
Vormachtstellung der USA in Südamerika voranzutreiben. Die Ankündigung ist
nicht für die Venezolaner*innen gedacht, sondern für seine
Wähler*innen in den USA, die unter den hohen Benzinpreisen leiden – eine
Folge von Trumps Iran-Fiasko. Ihnen will Trump weismachen, dass sie, dank
Öl aus Venezuela, bald wieder billig tanken können.
Seit 50 Jahren, lange vor Chavez, ist die Verwaltung des venezolanischen
Erdöls in staatlicher Hand. Die Devise „El petroleo es nuestro – das Erdöl
ist unser“ stiftet Identität über Parteigrenzen hinweg. Dass Trump sich nun
unverhohlen in alter Kolonialmanier darüber hinwegsetzt, bringt ihm in
Venezuela keine Sympathie ein.
31 Aug 2026
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(DIR) Hildegard Willer
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