# taz.de -- Geschichte des Sports: Wie schwer es ist, nicht rassistisch über Sport zu schreiben
       
       > Ein Sammelband erinnert an Schwarze Champions in der Sportgeschichte. Das
       > ist verdienstvoll und doch nicht so ganz unproblematisch.
       
 (IMG) Bild: Formel-1-Star mit Haltung: Lewis Hamilton solidarisiert sich mit der Black-Lives-Matter-Bewegung, 2020
       
       Das gibt es, und das ist so ein Buch: Eines, das ich loben möchte, weil ich
       das Anliegen sympathisch finde und Herausgeber und Autoren schätze.
       Einerseits. Es geht um Schwarze Champions im Sport, lauter Porträts von
       meist sehr bekannten, teils in Vergessenheit geratenen Spitzensportlern und
       -sportlerinnen. Sie alle haben auf ihrem Gebiet, dem Sport, Anteil daran,
       Rassismus zu bekämpfen. An sie zu erinnern, ist gut und wertvoll.
       
       Aber es gibt ein Andererseits, das mich bei der Lektüre vor allem der
       einleitenden Texte nicht losgelassen hat. Thomas Weikert, Präsident des
       [1][Deutschen Olympischen Sportbundes], behauptet in seinem Vorwort,
       Hautfarbe spiele „in der Sportfamilie keine Rolle“, eine Seite später
       erwähnt er aber, dass es dort sehr wohl Rassismus gibt, nämlich
       „alltäglicher, struktureller oder auch unabsichtlicher“ – und schon stellt
       sich mir die Frage, ob hier wirklich Leute ein Thema verhandeln, von dem
       sie Ahnung haben.
       
       Herausgeber [2][Hartmut Scherzer], ein Sportjournalist mit großen Meriten,
       bekennt in seinem Prolog, er habe eine „Affinität zu schwarzen Menschen“,
       die noch aus der Zeit rühre, als Schwarze GIs ihm kurz nach 1945 Kaugummis
       schenkten. Das zu kritisieren, fällt mir schwer, weil es sympathisch
       persönlich ist, aber es zu loben, fällt mir noch schwerer, denn mir
       scheint, dass eine Überhöhung stattfindet, eine Konstruktion von Schwarzen
       Menschen als etwas Exotisches. Und das fällt dann doch auf das Konzept des
       Buches zurück: Porträts von Champions. Als hätte die rassistische Realität
       dieser Welt vor allem Schwarze Sieger produziert.
       
       Eine Rezension, ohne diese Gedanken vorab zu formulieren, wäre mir
       unehrlich vorgekommen, aber gleichwohl gilt es die Beiträge vorzustellen,
       denn ich habe sie ja auch mit Interesse und nicht selten mit Gewinn
       gelesen. Es beginnt mit einem kundigen Porträt des Formel-1-Fahrers
       [3][Lewis Hamilton], verfasst von FAZ-Sportchef Anno Hecker. Ihm gelingt
       es, die Story des Briten als einen Erfolg gegen Rassismus zu erzählen.
       Nicht jeder der folgenden Beiträge hält dieses hohe Niveau, und doch sind
       die Porträts von Jackie Robinson, Jack Johnson, Tiger Woods, Althea Gibson
       und Arthur Ashe, Alice Coachman und Wilma Rudolph, Malaika Mihambo, Dennis
       Schröder, [4][Erwin Kostedde] und Steffi Jones – meine Aufzählung ist
       unvollständig – allesamt wertvoll. Und nicht zuletzt das Porträt [5][Jimmy
       Winkfields,] des vermutlich besten Jockeys der Galoppgeschichte, das Jürgen
       Kalwa aufgeschrieben hat, ist berührend. Er war der letzte Schwarze Sieger
       des Kentucky Derbys, nach ihm wurden keine Schwarzen mehr zugelassen.
       
       Auf jeden Fall war es eine gute Idee, den Epilog von jemand schreiben zu
       lassen, der aus der Profession Scherzers und seiner Autoren (und auch aus
       meiner) stammt: [6][Kwawena Odum], ein TV-Sportreporter, dessen Eltern aus
       Ghana stammen, erzählt etwas aus seinem Berufsalltag im Stadion: „Alle
       Kollegen gehen an Ordnern vorbei. Man erkennt an ihren Ausweisen, dass sie
       berechtigt sind. Nur bei mir schauen sie dreimal drauf, ob alles mit
       rechten Dingen zugeht, obwohl ich den gleichen Ausweis habe. Ein Schwarzer
       – und dann so einen Job.“
       
       Die im Sammelband vorgenommene Beschränkung auf Champions ist schwierig,
       weil sie den rassistischen Ausschluss, der den Sportalltag bis heute prägt,
       als zu leicht überwindbar darstellt. Aber die in diesem Band versammelten
       Porträts erzählen viel von dem, was Sport bis heute ist.
       
       2 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] https://www.eurosport.de/formel-1/lewis-hamilton-spricht-uber-erlebten-rassismus-mit-bananen-beworfen_sto9347288/story.shtml
 (DIR) [4] /Anti-Rassismus-Gesten-im-Fussball/!5767944
 (DIR) [5] https://www.americasbestracing.net/the-sport/2026-the-epic-journey-james-wink-winkfield
 (DIR) [6] https://www.hildesheimer-allgemeine.de/meldung/der-verdeckte-rassismus-ist-schlimmer-ein-gespraech-mit-dem-in-hildesheim-lebenden-tv-sportjournalisten-kwamena-odum.html
       
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