# taz.de -- Rassismus bei der Leichtathletik-EM: Eine Sache sagen
       
       > Bei der Leichtathletik-EM in Birmingham kritisiert die deutsche Athletin
       > Smilla Kolbe im ZDF den Rassismus der Fans. Eine notwendige und große
       > Geste.
       
 (IMG) Bild: Zeigte ihre Betroffenheit, obwohl sie nicht direkt betroffen ist: 800-Meter-Läuferin Smilla Kolbe
       
       Es war ein bemerkenswerter Auftritt von Smilla Kolbe. Rassistische
       Anfeindungen gegenüber Sportlerinnen und Sportlern bei der
       [1][Leichtathletik-EM in Birmingham] waren bis zum Donnerstagnachmittag
       nicht wirklich ein Thema.
       
       Das lag nicht daran, dass es diese nicht gegeben hätte. Sie sind zur
       Normalität geworden. Bei sportlichen Großveranstaltungen sind in den
       letzten Jahren Athletinnen und Athleten zunehmend rassistischer Hetze im
       Internet ausgesetzt. Nur bei besonders hohen Ausschlägen dieser Hasswellen
       im Netz wird vornehmlich mit den davon Betroffenen darüber gesprochen.
       
       Der deutschen 800-Meter-Läuferin Smilla Kolbe, aufgewachsen in der Region
       Hannover, war es nun ein Anliegen, diese rassistische Normalität in
       Deutschland aus ihrer privilegierten Position heraus zu thematisieren.
       „Darf ich eine Sache sagen?“, [2][fragte sie die Reporterin vom ZDF,] die
       sie zuvor zu ihrem tragisch knappen Ausscheiden um zwei Hundertstelsekunden
       im EM-Halbfinale interviewt hatte. Kolbe hätte so kurz nach dem Rennen also
       eigentlich genug Grund gehabt, mit sich selbst beschäftigt zu sein.
       
       Die zweifache deutsche Meisterin bedankte sich indes für die Unterstützung,
       die sie als Sportlerin in letzter Zeit auch über Social Media erfahren
       habe, und erklärte: „Ich will mir gar nicht vorstellen, wie das wäre, wenn
       ich nicht so weiß wäre wie ich bin.“ Sie kam auf die finsteren
       rassistischen Posts zu sprechen, die in den Kommentarspalten der Accounts
       ihrer schwarzen Mitstreiterinnen und Mitstreiter im deutschen Team zu lesen
       seien, und forderte mehr Respekt ein.
       
       Später [3][erklärte sie gegenüber der ARD,] sie könne „wirklich kotzen“,
       wenn sie das sehe. Sie zeigte ihre Betroffenheit, obwohl sie nicht direkt
       betroffen ist. Es ging ihr nicht um einen konkreten Vorfall, sondern um ein
       grundsätzliches Bekenntnis. Wie ungewöhnlich und selten diese Form von
       Solidarität ist, zeigte sich in den Stunden danach. Das ZDF-Interview ging
       in den sozialen Netzwerken viral. Wenig überraschend wurde Kolbe dadurch
       auch zur Zielscheibe von rassistischen Hatern auf Social Media.
       
       Es bräuchte viel mehr solcher Sportlerinnen und Sportlern, die sich
       proaktiv an die Seite von Betroffenen stellen. Kolbe, die zwar bei der EM
       über 800 Meter so schnell gelaufen ist wie mehr als 30 Jahre lang keine
       Deutsche, international aber nicht zur Elite zählt, nutzte das kleine
       Aufmerksamkeitsfenster der EM, um dieses solidarische Zeichen zu setzen.
       
       Das ist vorbildlich. Denkt man an den rassistischen Müll im Netz, der über
       den deutschen Fußballnationalspieler Jonathan Tah nach seinem verschossenen
       Elfmeter im WM-Sechzehntelfinale ausgebreitet wurde, hätte man sich noch
       viel deutlichere und kollektivere Unterstützung von seinen Mitspielern
       gewünscht.
       
       Je mehr sich zur Zielscheibe von rassistischen Hatern machen, desto weniger
       belastend ist es für die Einzelnen. Vielleicht hat der schwarze Zehnkämpfer
       Leo Neugebauer, der am Donnerstagabend für Deutschland Gold holte, schon
       davon profitiert, dass die Hassproduzenten sich noch am Interview mit
       Smilla Kolbe abarbeiten mussten.
       
       14 Aug 2026
       
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