# taz.de -- Nach der Armeerevolte in Niger: Russland als Neokolonialist
> Nigers Militärregime benötigte russische Hilfe, um einen Putschversuch
> niederzuschlagen. Damit untergräbt es seine eigene Legitimität.
(IMG) Bild: Autoritäre unter sich Sergej Lawrow gibt dem Anführer der Junta in Niger, General Abdourahamane Tiani
Die Militärregime in Westafrikas Sahelzone, die sich in einer Reihe von
Staatsstreichen zwischen 2020 und 2023 auf Kosten gewählter Regierungen
etabliert haben, versprechen Stabilität. Aber sie sind alles andere als
stabil. In Mali und Burkina Faso folgte auf den ersten Militärputsch
alsbald ein zweiter, und die Sicherheitslage bleibt extrem angespannt.
In Niger, [1][wo seit 2023 die Armee] herrscht, [2][wurde eine Revolte
unzufriedener Frontsoldaten als Vorstufe eines Putschversuchs in der Nacht
zu Samstag] nur mit größer Mühe niedergeschlagen: Militäreinrichtungen in
der Hauptstadt Niamey waren umkämpft, Russlands Afrikakorps musste
eingreifen, Algerien schickte Kampfjets.
Dass ausländische Mächte der Regierung von General Tiani in Niger das
Überleben ermöglichten, ist eine peinliche Wendung. In Mali, Burkina Faso
und schließlich in Niger putschten die Streitkräfte alle im Namen der
nationalen Souveränität. Man wolle, verkündeten die meist zu Eliteeinheiten
und Spezialkräften gehörenden Offiziere, nicht länger vom „Westen“ abhängig
sein.
Frankreich und die UNO, die beiden Oberlehrer Westafrikas, wurden
hinauskomplimentiert. An ihrer Stelle sollten russische Kämpfer ohne
lästige Rücksicht auf Menschenrechte islamistische Terrorgruppen und
Rebellen zerschlagen. Nun braucht Nigers Regierung die Russen, um sich vor
Teilen des eigenen Militärs zu retten. Schöne „Souveränität“.
Russland tritt mit seiner Intervention gegen eine Armeerebellion in alte
neokoloniale Fußstapfen. Und Nigers Regierung schafft sich ein neues
Problem. Teile der Streitkräfte sind nunmehr Feinde. Schon machen
Nachrichten die Runde, dass in sensiblen Landesteilen Armeeeinheiten
abgezogen, entwaffnet oder ausgetauscht werden. Vertrauen schwindet,
Befehlsketten zerfallen. All das spielt Nigers bewaffneten Islamisten in
die Hände. Und von den Legitimationsgründen der Sahel-Militärputsche löst
sich einer nach dem anderen in Luft auf.
1 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Putsch-in-Niger/!5946570
(DIR) [2] /Putschversuch-in-Niger/!6208543
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
## TAGS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Niger
(DIR) Westafrika
(DIR) Russland
(DIR) Niger
(DIR) Afrika
(DIR) Entwicklungszusammenarbeit
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Putschversuch in Niger: Die Truppe wagt den Aufstand gegen die Generäle
Nigers Militärregierung schlägt eine Soldatenrevolte nieder, nach schweren
Kämpfen in der Hauptstadt Niamey. Russland eilt ihr zur Hilfe.
(DIR) Staatsministerin Keul über Afrikapolitik: „Das haben wir so nicht kommen sehen“
Putsche, Kriege, Fortschritte: Katja Keul, Staatsministerin im Auswärtigen
Amt, zieht eine gemischte Bilanz der deutschen Afrikapolitik in den
Ampeljahren.
(DIR) Entwicklungsministern Schulze in Afrika: Das war der „Stabilitätsanker“
Svenja Schulze ist vier Tage im westlichen Afrika unterwegs. Auffällig ist,
dass sich ihre Forderungen an die Militärjunta in Niger geändert haben.