# taz.de -- Skurrile Finanztipps: „An SB-Kassen gibt es viele Tricks, wie man betrügen kann“
> Das Leben ist teuer geworden: Comedian Andy Strauß gibt in seinem
> Programm „Dosenpfandbetrug“ Finanztipps und erklärt, wie man Konzerne
> austrickst.
(IMG) Bild: Wo sich Betrug eher lohnt: Bierdosen bringen mehr, Bierflaschen weniger Pfand ein
taz: Herr Strauß, in Ihrem Comedy-Programm „Dosenpfandbetrug“ geben Sie
Tipps, wie man sich finanzielle Vorteile erschummeln kann. Haben Sie keine
Bedenken, dass Sie dafür strafrechtlich belangt werden könnten?
Andy Strauß: Nein, denn ich habe das Gefühl, dass die Leute, die in meine
Veranstaltungen kommen, mich nicht ans Messer liefern werden. Und im
Zweifel wird das, was ich mache, durch die Kunstfreiheit gedeckt.
taz: Was kann man da erwarten? [1][Eine Show, eine Performance oder
Lebenshilfe?]
Strauß: Bei mir ist es immer all das. Mindestens ein Drittel des Auftritts
ist zum Beispiel frei improvisiert. Ich erfinde da neue Lieder oder
motivierende Mantras, die einen reich machen. Und dann gibt es klassische
Finanztipps – etwa für eine aktive Erbehilfe.
taz: Ich hoffe, dies bedeutet nicht, dass da empfohlen wird, die Oma um die
Ecke zu bringen.
Strauß: Nein, aber es geht darum, die Oma erst einmal reich zu kriegen.
Kleine Vermögen werden ja in Deutschland überproportional besteuert. Darum
müssen wir unser Geld so anhäufen, dass es keiner mitkriegt.
taz: Haben Sie für Ihre Finanztipps viel recherchiert oder lassen Sie da
Ihre Fantasie ins Kraut schießen?
Strauß: Sowohl als auch. Da steckt viel Recherche drin, die aber oft durch
Gedankenspiele erweitert wird.
taz: Aber ist der Witz dabei nicht, dass es ein Witz ist?
Strauß: In einem Witz steckt ja auch immer ein Körnchen Wahrheit. Und ich
möchte schon, dass die Leute reicher aus meinen Veranstaltungen kommen, als
sie hineingegangen sind.
taz: Reicher in welchem Sinne?
Strauß: Nun, ist nicht zum Beispiel Erfahrungsreichtum der größere Schatz?
taz: Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, dieses Programm zu
machen?
Strauß: Ich wollte davon erzählen, wie man kostengünstig durch das Leben
kommen kann. Und dafür fand ich das Konzept vom Dosenpfandbetrug ganz
spannend. Ich habe irgendwann einmal begonnen, einen Dosenpfandroman zu
schreiben. Und daraus lese ich kurze Passagen vor.
taz: Mit der Dose auf dem Plakat Ihrer Veranstaltung, auf der das Symbol
für Pfandflaschen ohne den dazu passenden Kodierungsstreifen auf eine Dose
geklebt wurde, kann man ja schon mal keinen erfolgreichen Dosenpfandbetrug
begehen.
Strauß: Das stimmt, das Plakat ist selber ein Etikettenschwindel.
taz: Was geben Sie denn sonst noch für Tipps?
Strauß: Für Festivals, die ja immer teurer werden, kann man zum Beispiel
über das Jahr seine Spülmittelflaschen sammeln und sie dann gut ausspülen,
denn Spülmittel lassen sich dabei restlos entfernen. Dann kann man sie mit
grünem Schnaps füllen und kommt an den Leuten von der Security vorbei auf
das Festivalgelände. Dort kann man dann den Leuten Shots für einen
günstigen Preis anbieten. Mit Tricks wie diesem kann man überall kurz und
schnell ein Pop-up-Gewerbe ausüben.
taz: Sie zeigen also, wie man das System austricksen kann?
Strauß: Das System und die Konzerne: immer nur nach oben. Ich habe zum
Beispiel ein ganzes Kapitel über die SB-Kassen in Supermärkten, also
[2][den Roboterersatz von echten Menschen.] Da gibt es viele Tricks, wie
man die betrügen kann.
taz: Welchen Konzern haben Sie denn sonst noch auf dem Kieker?
Strauß: Es gibt einen ganzen Passus darüber, wie man, ohne sich Leistungen
zu erschleichen, kostengünstig mit der Bahn fahren kann. Ein Trick ist,
dass man zwar ein Ticket hat, es aber nicht entwertet, denn so behält es
oft seinen Wert. Da gibt es viele Tricks, wie man das Bahnpersonal davon
abhalten kann, diese Tickets digital einzuscannen. Wenn du es gut anstellt,
kannst du so viele Male mit einem Ticket fahren.
taz: Schummeln Sie selber sich auch so durchs Leben?
Strauß: Ich habe mich [3][mein ganzes Leben lang durchgewurschtelt.] Ich
bin zum Beispiel an die Uni gekommen, und weil ich nicht den entsprechenden
sozialen Background hatte, wusste ich noch nicht einmal, was die Mensa ist.
Und da lernt man dann schnell, irgendwie durchzukommen.
8 Sep 2026
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