# taz.de -- Auftakt der Filmfestspiele von Venedig: Es lebe das Fort-da-Spiel
       
       > Die 83. Filmfestspiele von Venedig haben schon für Nervosität gesorgt,
       > bevor sie heute überhaupt begonnen haben. Was nicht an den langen Filmen
       > liegt.
       
 (IMG) Bild: Noch ist es ruhig am Palazzo del Cinema
       
       Auf dem Lido wirkt das Festivalgelände der Filmfestspiele von Venedig am
       Montag noch ein bisschen verschlafen und in den letzten Vorbereitungen: Ein
       paar Baumaterialien liegen herum, Pressevertreter lassen sich nur
       vereinzelt blicken, um ihre Akkreditierung abzuholen, alles geht seinen
       ruhigen Gang. Doch die 83. Mostra internazionale d’arte cinematografica
       hat, bevor sie an diesem Mittwoch beginnt, schon für einigen Wirbel
       gesorgt.
       
       So berichtete das Branchenblatt Deadline am Sonnabend, die Filmfestspiele
       hätten dem Magazin gegenüber mitgeteilt, sie würden die Pressekonferenz zum
       Auftakt dieses Jahr absagen. Eine offizielle Absage hatte es bis dahin
       nicht gegeben, doch das Festival habe Konflikte bei der Zeitplanung als
       Grund genannt. Das klingt als Begründung überraschend, gehört eine
       Pressekonferenz am Anfang doch zu den Routineterminen von
       Großveranstaltungen dieser Art.
       
       Das Magazin vermutete, die Filmfestspiele von Venedig wollten so etwaige
       Skandale vermeiden, wie es sie bei der [1][Berlinale im Frühjahr gegeben
       hatte. Dort fragte ein Journalist bei der Pressekonferenz in aktivistischer
       Absicht nach der Haltung des Festivals zu Gaza. Der Jurypräsident Wim
       Wenders] versuchte sich an einer Antwort, die durch ihren viel zitierten
       Satz „Wir müssen uns aus der Politik heraushalten“ für internationalen
       Protest und vorschnelle Absagen einiger Gäste des Festivals sorgte.
       Allerdings schiene es ein fehlgeleiteter Versuch, daraus die Konsequenz zu
       ziehen, dass man die Vereinnahmung durch Aktivisten vermeidet, indem man
       öffentliche Statements wie bei einer Pressekonferenz gleich unterbindet.
       
       Das Festival hat denn auch nicht so entschieden, meldete wenige Stunden
       später das Magazin Variety. An diesem Mittwoch soll es vor der Eröffnung
       wie gewohnt die traditionelle Pressekonferenz geben. Allerdings hatte auch
       Variety zuvor vom Festival erfahren, dass man überlege, die Pressekonferenz
       abzusagen. Empörte Reaktionen in den sozialen Medien auf die Meldung in
       Deadline ließen die Festivalleitung anscheinend umdenken.
       
       ## Mitten im Kulturkampf
       
       Wenn man meint, jetzt sei doch alles gut, täuscht das hingegen. Denn allein
       die Erwägung eines solchen Schritts zeigt, wie heftig der Kulturkampf um
       die Freiheit der Künste inzwischen geführt wird. Der [2][Direktor der
       Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel], hatte erst am Freitag bei ganz
       anderer Gelegenheit, nämlich zur Eröffnung des Musikfests Berlin, in seiner
       Ansprache zum Thema Kulturkampf gesagt: „Wir sind dabei, ihn zu verlieren.“
       Mit „wir“ meinte er „alle, denen die Freiheit von Kunst und Kultur in
       diesem Land etwas bedeutet“.
       
       Die Heftigkeit des Kulturkampfs, der längst international tobt, zeigt sich
       auch darin, dass der für diesen Text reservierte Platz schon fast erschöpft
       ist, ohne dass ein Wort über das verloren worden wäre, worum es bei den
       Filmfestspielen eigentlich geht: die Filme.
       
       Davon ist dann in den nächsten Tagen ausführlicher zu lesen. An dieser
       Stelle nur ein paar quantitative Superlative. Denn dieses Festival bietet
       einige bemerkenswert lange Filme: einen fünfeinhalbstündigen Dokumentarfilm
       über den Schriftsteller Jorge Luis Borges von Regisseur Mariano Llinás,
       [3][die sechsstündige Fortsetzung des Dokumentarfilmprojekts „My
       Undesirable Friends“ von Julia Loktev], die sich diesmal russischen
       Journalistinnen im Exil widmet, und den achtstündigen Dokumentarfilm „Joie
       de vivre“ über den Regisseur Bernardo Bertolucci und die vergangene
       Cinephilie des 20. Jahrhunderts. Kurze Filme gibt es übrigens auch.
       
       1 Sep 2026
       
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