# taz.de -- Berliner Mieten- und Wohnungskataster: Es kann nur noch Jahre dauern
> Der Beschluss des Mietenkatasters gilt als Meilenstein der
> Wohnungspolitik. Doch die Umsetzung könnte sich laut Senat noch eine
> ganze Weile ziehen.
(IMG) Bild: Bruttomiete, Quadratmeter, Vermieter: Das Mietenkataster soll systematisch Auskunft über all diese Daten geben
Das Berliner Mietenkataster ist derzeit eine der vielversprechendsten
Maßnahmen im Kampf gegen überhöhte Mieten. Vor allem, weil das Gesetz
bereits beschlossen ist und nur noch umgesetzt werden muss. Doch bis das
Kataster tatsächlich an den Start geht, wird es wahrscheinlich noch mehrere
Jahre dauern. Das teilte Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD)
in einer Sitzung des Fachausschusses am Montag mit.
„Wir werden alles daran setzen, möglichst schnell ein Mieten- und
Wohnungskataster zu haben“, sagte Gaebler. Er rechne bestenfalls damit,
2028 den Regelbetrieb aufnehmen so können. Das liege vor allem an der
Komplexität des Vorhabens. „Es ist ein ziemlich großes Rad, was wir da
drehen“, so der Senator.
Das am 30. Juli in Kraft getretene Gesetz sieht vor, dass künftig sämtliche
Wohnungen in Berlin zentral in einer Datenbank erfasst werden.
Vermieter:innen werden verpflichtet, Informationen über Wohnungsgröße,
Grundsteuer und die aufgeschlüsselte Bruttomiete anzugeben. Sollten die
angegebenen Miete zu hoch sein, soll ein automatisiertes System sowohl
Vermieter:innen als auch das Bezirksamt informieren.
[1][Die SPD hofft, durch das Kataster zukünftig Verstöße gegen die
Mietpreisbremse und Mietwucher effektiver ahnden zu können.] Aktuell hängt
deren Durchsetzung von der Streitlust der Mieter:innen ab, die aber in
vielen Fällen eine Auseinandersetzung mit ihrem Vermieter scheuen.
## Ausschreibung bis zum Jahresende
Für die Umsetzung müsse nun erst einmal eine Ausschreibung für die
IT-Plattform vorbereitet werden. Dies sei gar nicht so einfach, da man
genau wissen müsse, welche Anforderungen die Plattform erfüllen solle,
erklärte Gaebler. So müsse etwa sichergestellt werden, dass die Plattform
alle datenschutzrechtlichen Anforderungen erfülle. Auch die Details, wie
eine automatisierte Überprüfung der Angaben erfolgen soll, gehörten dazu.
Bis zum Ende des Jahres solle die europaweite Ausschreibung dann stehen.
„Das ist ambitioniert, aber zu schaffen“, sagte der Senator.
Auch sei erst mit der Ausschreibung klar, wie teuer die Umsetzung des
Katasters werde. Gaebler rechnet mit einem einstelligen Millionenbetrag für
die Entwicklung der Software, dazu komme noch das Budget für die
zusätzlichen Stellen, die für die Ahndung der Verstöße verantwortlich
wären.
Die Ausschreibung selbst laufe dann mehrere Monate, erklärte Gaebler,
darauf folge dann noch die Entwicklungsphase für die Software. Bereits 2027
hoffe man auf erste Testläufe, der Regelbetrieb könne rein rechnerisch
allerfrühestens 2028 starten. Offiziell wollte der Senat zu diesem
Zeitpunkt aber „keine seriöse Schätzung“ abgeben. Erst nach dem Start
beginnt eine 12-monatige Frist, nach der laut Gesetz Vermieter:innen
Zeit haben, Daten in das Portal einzutragen.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind jedoch die Klagen gegen das Gesetz,
die die Immobilienwirtschaft bereits angekündigt hat. Zweifel gibt es unter
anderem daran, ob das Land überhaupt die Zuständigkeit besitzt, ein
Kataster in dieser Form zu erheben. An dieser Frage scheiterte bereits der
Mietendeckel 2021 vor dem Verfassungsgericht.
## Grüne: Senat ist extrem unambitioniert
Ein weiterer Angriffspunkt ist die Frage, ob sich Vermieter:innen
selbst belasten müssen, indem sie gezwungen werden, ihre rechtswidrig
überhöhten Mieten in das Portal einzutragen. „Das Thema wird von den
Gerichten geklärt werden“, so Gaebler. Aber auf Grundlage mehrerer
Gutachten sei man sicher, das Kataster rechtssicher umsetzen zu können.
Der Zeitplan sorgte besonders bei den Grünen für Kritik. Die
mietenpolitische Sprecherin Katrin Schmidberger kritisierte, dass der Senat
erst kurz vor Ende der Legislatur mit der Umsetzung beginne. „Dieser Senat
[2][ist das Unambitionierteste, was ich je erlebt] habe bei diesem Thema“,
polterte Schmidberger in der Ausschusssitzung.
Schmidberger schlug vor, noch weitere Datenpunkte zu erfassen und Wohnungen
mit einer einzigartigen ID zu versehen, um die Daten stellenübergreifend
nutzbar zu machen. Auch hätte die Senatsverwaltung sich an ähnlichen
Beispielen im europäischen Ausland orientieren können. Dies seien alles
Fragen, mit denen sich der kommende Senat beschäftigen müsse. „Ich freue
mich [3][auf die Neuwahl]“, sagte Schmidberger.
31 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jonas Wahmkow
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