# taz.de -- SV Elversberg: Weder Märchen noch Hoffenheim
       
       > Elversberg polarisiert, weil es in keine Schublade passt. Der Erfolg des
       > Dorfklubs sagt auch viel über Finanzierungslücken im Fußball.
       
 (IMG) Bild: Wieder mal ein Dorf in der Bundesliga: Elversberg daheim gegen Leverkusen
       
       Vom „Wunder-Dorf“ schreibt nicht nur die Bild-Zeitung gerne, wenn es um die
       SV Elversberg geht. Aller Augen sind nach dem ersten Spieltag auf
       [1][Aufsteiger Elversberg] gerichtet. Der kleinste
       Männerbundesliga-Standort aller Zeiten schlug Bayer Leverkusen verdient mit
       3:2. Und weil andere Sensationen ausblieben, ging es schnell um die
       polarisierende SVE.
       
       Der Fall Elversberg ist so interessant, weil er sich einer eindeutigen
       Zuordnung entzieht. Es lässt sich weder als reines Underdog-Märchen
       erzählen noch als zweite [2][TSG Hoffenheim]. Die zwei Lesarten
       konkurrieren, aber letztlich geht keine ganz auf. In einer Gesellschaft,
       die sich oft Eindeutigkeit wünscht (Deutscher oder Ausländer, Mann oder
       Frau, Traditionsverein oder Plastikklub) ist die SVE Grauzone. Und damit
       für viele herausfordernd.
       
       Es gibt gute Argumente, die gegen Elversberg-Sympathie sprechen. Ähnlich
       wie die TSG Hoffenheim ist der Klub extrem von einem Überreichen abhängig,
       in diesem Fall Pharma-Multimillionär Frank Holzer. Seit den 1980ern hat
       Holzer den Klub im Griff, heute ist er Aufsichtsratsvorsitzender und sein
       Sohn Präsident. Unabhängige demokratische Strukturen? Lol. Und ohne die
       Kohle wäre der Klub natürlich nicht in fünf Jahren von der Regionalliga in
       die Bundesliga marschiert.
       
       Ablehnung auch problematisch
       
       Aber es gibt auch Argumente für Elversberg. Der Klub erreichte seinen
       Erfolg eher überraschend, ohne dicke Schecks und mit guter
       Entwicklungsarbeit (anders als Leipzig und Hoffenheim, die das nur
       behaupteten). Der Marktwert des Kaders ist der zweitniedrigste der Liga.
       Eigentlich will man bloß dabei sein. Und die Ablehnung vieler Ultras ist
       auch problematisch: Wenn tolle Stimmung und „richtige“ Ultras einem Klub
       erst das Recht aufs Dabeisein geben, braucht man eine sportliche
       Qualifikation gar nicht abzuhalten – sondern könnte wie in den USA die 18
       größten und traditionsreichsten Stimmungsbuden casten.
       
       In der Debatte steckt ein richtiger Kern: Viele große Ostklubs etwa, an
       denen Generationen als Kulturgut hängen, [3][darben in unteren Ligen],
       während Westdörfer wie Elversberg auch dank gutem Geld hochkommen. Die
       komplizierte SV Elversberg zeigt: Wenn Fußball von Konzernen finanziert
       wird, mehr Geld mehr Erfolg bringt und Unternehmen sich regional binden,
       ist die Förderung ungerecht – und starke Dorfklubs sind undemokratische
       Mäzen-Königreiche. Langfristig stabil ist das fast nie. Die Antwort darauf
       lautet nicht: Elversberg raus. Sondern: Fußballfinanzierung neu machen.
       
       31 Aug 2026
       
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