# taz.de -- VfL Wolfsburg steigt ab: Bitte nur wohldosiert
       
       > Ein Underdog kickt den Konzernverein aus der Ersten Liga. Genau solche
       > Geschichten sind nötig, um die Illusion von Gerechtigkeit
       > aufrechtzuerhalten.
       
 (IMG) Bild: Ein Underdog steigt auf: Zuschauer des SC Paderborn 07 feiern und halten Schals in die Höhe
       
       Die Schadenfreude dürfte groß sein bei den Fußballfans, außer bei den
       Anhängern des VfL Wolfsburg. Die Männermannschaft des VfL, der ein reines
       Tochterunternehmen von VW ist, [1][muss ab der nächsten Saison in der
       Zweiten Liga spielen]. Die gängige Lesart: Man kann mit Geld doch nicht
       alles kaufen im hyperkapitalistischen Spitzenfußball, der kleine Underdog
       SC Paderborn aus der ostwestfälischen Provinz hat den Konzernverein, der
       jährlich mit 70 bis 80 Millionen Euro vom Mutterunternehmen subventioniert
       wird, aus der Bundesliga gekickt – ein Triumph des ehrlichen Fußballs gegen
       die Konzerne. Oder?
       
       Klar erfreut die Nachricht Fußballdeutschland, sind doch die meisten Fans
       den Konzernen mit angeschlossenem Fußballverein (Leverkusen, Hoffenheim, RB
       Leipzig und eben Wolfsburg) in herzlicher Abneigung verbunden.
       
       Aber man sollte sich nichts vormachen: Das System braucht in Wahrheit
       solche Geschichten, um die Illusion aufrechtzuerhalten, dass es im
       (Männer-)Spitzenfußball irgendwie gerecht zugehe, dass es doch
       Überraschungen oder, wie es dann immer heißt, „Fußball-Sensationen“ gibt.
       Das Fernsehen, das viel Geld für die Übertragungsrechte zahlt, braucht
       solche Überraschungen, damit sich die GelegenheitszuschauerInnen nicht
       gelangweilt abwenden – sie sind wichtig für die Quote. DFB und Deutsche
       Fußball-Liga brauchen sie zwecks Markenpflege natürlich auch.
       
       Aber diese Überraschungen soll es aus deren Sicht natürlich nicht zu oft
       geben, denn nur die großen und finanziell gepamperten Vereine können im
       europäischen Wettbewerb mithalten. Paderborn und [2][Elversberg] in der
       Europa League? Die hätten gegen die europäischen Klubs keine Chance, und
       das wäre nicht gut für das eigene Geschäftsmodell. So gesehen bedeutet der
       Abstieg Wolfsburgs (übrigens: Deren Frauen-Team spielt in der Bundesliga
       ziemlich gut und hat in der abgelaufenen Saison Platz 2 erlangt) eine
       geduldete Abweichung von der Regel – die aber bitteschön wohldosiert
       passieren soll.
       
       26 May 2026
       
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