# taz.de -- Vorschau zum Bundesligastart: Ganz große Gefühle
       
       > Die hässliche und korrupte Fußball-WM ist passé. Endlich startet am
       > Freitag wieder die Bundesliga. Warum man jeden Klub einfach nur lieben
       > kann.
       
 (IMG) Bild: Starke Liebesbeziehung: Die Schalker Fans sind auch in der Vorbereitung beim Trainingslager in Tirol sehr präsent
       
       FC Bayern: Für viele Fans ein schwieriger Fall. Doch der kluge [1][Vincent
       Kompany ringt selbst eingefleischten Hatern Gefühle ab.] Fußball zum
       Dahinschmelzen, es gibt die Götter Kane und Olise, und Bayern kann jetzt
       sogar Rassismuskritik. Ja, selten war der FCB so liebenswert!
       
       Borussia Dortmund: Echte Liebe fühlt Dortmund für die neuen Griechen
       Karetsas und Konstantelias. Niemand erweitert den Ligahorizont so wie der
       BVB. Im unsteten Geschäft ist dieser Klub eine Konstante: ewig junge
       Wunderstars, [2][ewig Klopp-Nostalgie] und Mentalitätsdings. Die beste
       Unterhaltung der Liga!
       
       RB Leipzig: Der Klub, [3][den Fans zu hassen lieben.] Doch die Dummheiten
       der letzten Jahre haben Leipzig nahbarer gemacht. Sie zeigen: Geld kauft
       keine Titel (außer bisschen Pokal), Anti-Ballbesitzfußball kann nix. Und
       manchmal sieht man hier sogar Kicker zum Verlieben. Warum ist Diomande
       schon weg?
       
       VfB Stuttgart: Wenige Klubs können aktuell so viel Fußballromantik wie
       Stuttgart. Dank herausragender Arbeit in die Champions League,
       [4][Stars-wie-du-und-ich wie Undav] und Leweling, intern fast cheezy
       Harmonie. Der Klub, für den alle ein bisschen Herz entdecken.
       
       TSG Hoffenheim: Die wahre Größe der Hoffenheimer liegt im Stoizismus.
       Während bei der TSG Machtkampf und Chaos toben, wird einfach weitergekickt.
       Und das gar nicht mal schlecht. Ein schwer korrektes Team. Jetzt braucht es
       nur noch ein bisschen Liebe.
       
       Bayer 04 Leverkusen: Die Werkself – was für eine coole Bezeichnung, auch
       wenn sie nicht mehr richtig der Realität entspricht – ist die einzige
       Mannschaft, die es in den letzten 14 Jahren geschafft hat, [5][den FC
       Bayern München von Platz 1 zu kicken.] Wenn das nicht Grund genug ist,
       diesen Verein trotz des bösen Konzerns wenigstens ein bisschen zu lieben!
       
       SC Freiburg: Ja, am Ende konnten sie gegen [6][Aston Villa nicht mehr
       mithalten,] aber was für ein krasser Erfolg war das trotzdem, bitte?
       Europa-League-Finale für den bodenständigen Verein aus dem Badnerland. Dem
       finanziell stabilsten Verein der Liga, der sich über Jahre langsam, aber
       solide an die Spitze arbeitet. Ohne Investor. Das ist wahrer Fußball.
       
       Eintracht Frankfurt: Zuerst hat sie Nathaniel Brown verlassen. Und dann
       noch die 7:0-Niederlage im letzten Testspiel gegen den FC Brentford! Die
       SGE-Generalprobe ist schon mal komplett misslungen. Aber heißt es nicht,
       dass eine schlechte Generalprobe eine großartige Premiere verspricht? Bei
       der Eintracht ist alles möglich, das macht sie ja so sympathisch.
       
       FC Augsburg: Sie haben wirklich die schönsten Trikots der Liga, das muss
       man ihnen lassen. Mit einer Typo, die darauf hinweist, dass die Stadt mal
       Augusta Vindelicum hieß statt Augschburg. Anyway, seit dem Aufstieg in die
       1. Liga vor 15 Jahren hält sich der FCA stabil irgendwo im unteren
       Mittelfeld. Und vergangene Saison waren die Schwaben die einzigen, die die
       Bayern bezwingen konnten. Muss man mögen.
       
       1. FSV Mainz 05: Was ist das für ein Verein? Bei dem der neue Bundestrainer
       seine Karriere als Spieler beendete und eine erfolgreiche als Trainer
       startete? Auf jeden Fall ein Karnevalsverein! Und zwar selbsternannt. Man
       versteht zwar nicht immer, was die Fans da so singen, aber sie saufen viel
       und sind meist gutgelaunt. Darauf ein dreifach donnerndes: „Helau! Helau!
       Helau!“
       
       1. FC Union Berlin: Vielleicht liebt sich in der Liga kein Verein so sehr
       selbst wie Union. Nur mit der Gegenliebe hat es nicht so recht geklappt.
       Wenn bislang über hässlichen Zerstörerfußball geklagt wurde, war meist
       Union beteiligt. Mit dem neuen Trainer Mauro Lustrinelli soll nun
       attraktiver Fußball gespielt werden. Da gehen gewiss reihenweise die Herzen
       auf.
       
       Borussia Mönchengladbach: Die Gefühle der Borussia-Fans sind zuletzt wieder
       vor harte Prüfungen gestellt worden. Zu passiv, mut- und ideenlos trat das
       Team auf. Was derzeit den Fans Hoffnung macht, ist eher recht unkonkret:
       Gefühlt kann es doch eigentlich nur besser werden. Die Klubführung
       verkündete, mittel- und langfristig wolle man wieder ein Topklub werden.
       Man muss den Klub einfach liebhaben!
       
       Hamburger SV: Ein gestandener Bundesligist würde man künftig gern einmal
       sein. Süß! Auf diesem Weg trifft der HSV unorthodoxe Entscheidungen.
       Kathleen Krüger, die langjährige Teammanagerin des FC Bayern, wurde als
       Sportdirektorin geholt. Chapeau! Die Emotionen der Fans werden gewiss im
       September in Wallung kommen, wenn der vier Jahre lang dopinggesperrte Mario
       Vuskovic ins Training zurückkehrt. Einfach nur herzig!
       
       1. FC Köln: Dieser Verein wird auch diese Saison jede Menge Jeföhle
       auslösen – sogar religiöse. Die Fanandacht im Kölner Dom war vergangene
       Woche wie immer bestens mit Menschen im Vereinstrikot besucht. Werden die
       ersten beiden Spiele gewonnen, wird unweigerlich dieses Jeföhl aufkommen,
       es könnte doch dieses Mal für ganz oben reichen, zumal [7][Liebling Said El
       Mala] verlängert hat. Das wird bestimmt toll werden!
       
       Werder Bremen: Wann wird alles wieder so schön wie früher? An der Weser
       holt man sich leihweise die Vergangenheit zurück. Die einst bei Werder
       spielenden Stürmer Niclas Füllkrug und Eren Dinkci wurden für diese Saison
       ausgeborgt. Nostalgie wird bei Werder sowieso großgeschrieben. In die
       Vergangenheit dieses Klubs kann man oder frau sich leicht verlieben.
       
       FC Schalke 04: Die Liga kann sich nur freuen auf diesen Verein. Egal wie
       schlecht die Elf von Trainer Miron Muslic spielt, die Fans werden
       deutschlandweit nicht nur den Gästeblock füllen. Mehr erfolgsunabhängige
       Liebe kann es kaum geben. Selbst einen erneuten Abstieg würde keiner
       verpassen wollen. Das rührt doch jedes Herz.
       
       SV Elversberg: Wer hätte es gedacht? Okay, Präsident Frank Holzer hat da
       mit seinem Pharmaunternehmen auch einiges Geld reingepumpt, aber ein
       bisschen cooler Underdogstatus bleibt dem Verein trotzdem. Zum Beispiel hat
       er mehr Mitglieder als die Gemeinde Einwohner. Und ins Stadion würden die
       auch fast alle passen. [8][Das Saarland ist jetzt in der Bundesliga
       vertreten], das kann man doch mal feiern!
       
       SC Paderborn: Wer das Fußballmärchen dieser Saison schreiben könnte?
       Co-Aufsteiger Schalke und Elversberg taugen nicht recht als Underdogs.
       [9][Aber Paderborn!] Mit limitierten Mitteln Bundesliga, dazu mutig und oft
       mit fußballerischem Anspruch statt bloß Maloche – wer das nicht liebt, hat
       ein Herz aus Stein.
       
       28 Aug 2026
       
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