# taz.de -- Dorfklub in der Bundesliga: Rührstück aus dem Saarland
> Elversberg steigt tatsächlich auf. In die Freude mischt sich Sorge um die
> Attraktivität der Liga im Ausland. Doch um die ist es eh schlecht
> bestellt.
(IMG) Bild: Jubel auf dem Dorfplatz: Elversbergs David Mokwa schlägt vor lauter Freude ein Rad
Elversberg also. Der nächste Klub aus irgendeinem Kaff, das nicht weiter
erwähnenswert ist, hat also den Aufstieg in die Bundesliga geschafft.
[1][Das Saarland], das meist auf seine Funktion als Vergleichsmaß für
Flächen reduziert wird, hat wieder einen Erstligisten. Nicht einmal einen
Bahnhof gibt es in dem Ort, in dem sich in der kommenden Saison
Multimillionäre wie Harry Kane in für ihre Verhältnisse unwürdigen Kabinen
das Trikot überstreifen werden. Die Riesen bei den Zwergen.
Fußballromantiker, was willst du mehr?
Hannover 96 ganz bestimmt nicht. Der Klub, der die Chance zum
Erstligaaufstieg am letzten Spieltag vergeigt hat, gilt zwar als
Traditionsverein, ist aber in den vergangenen Jahren eigentlich immer nur
ins Bewusstsein der Fußballöffentlichkeit getreten, wenn der frühere
Klubboss Martin Kind mal wieder eine Klage gegen die 50+1-Regel angestrengt
hat. Die sorgt dafür, dass ein Investor zwar jede Menge Anteile an einem
Klub kaufen kann, die Mehrheit der Stimmen in den entscheidenden Gremien
aber immer beim Verein bleibt. Wer zahlt, kann also nicht anschaffen. Es
ist eine elende Diskussion.
In den Klubs aus den Käffern, die es immer wieder nach oben schaffen, muss
sie gar nicht geführt werden. Da gibt es meist einen Mäzen mit gut
gefülltem Portemonnaie und niemand im Klub käme auf die Idee, diesem zu
widersprechen, wenn er etwas durchsetzen möchte. Es gibt keine
organisierten Ultragruppierungen, die ihre Leute in die Vereinsgremien
wählen lassen, um den Klub aus den Händen der Geldgeber zu befreien.
Hinter dem Erfolg von Elversberg steht Frank Holzer, ein ehemaliger
Fußballprofi, der einen Pharmakonzern leitet, für dessen Augentropfen auf
den Trikots geworben wird. Wie viel sich Holzer den SV Elversberg kosten
lässt, ist nicht bekannt. Man redet eben nicht so gerne über Geld in den
Käffern.
## Fritz Walter in China
Auch deswegen liest sich die Geschichte vom wundersamen Aufstieg des
saarländischen Dorfklubs, zu der am Wochenende so herzzerreißend
geschluchzt wurde, wie das Märchen vom Aufstieg einer Thekentruppe in die
Bundesliga. Dass auch in Elversberg lauter gestandene Profis aus vieler
Herren Länder spielen, die bestimmt nicht nur für Kost und Logis spielen,
fällt dabei gerne unter den Tisch.
Und doch mischt sich in all die rührseligen Dorffußballgeschichten auch
immer die Sorge um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga.
Wäre die etwa im Ausland nicht besser zu vermarkten, wenn statt der
Käfferklubs die großen Vereine mit ihrer treuen Anhängerschaft aufsteigen
würden? Ob sich die TV-Rechte in China, Indien oder den USA für die Spiele
in der Bundesliga wirklich besser verkaufen ließen, wenn statt Elversberg
Hertha BSC, der 1. FC Nürnberg oder die sogenannten Roten Teufel aus
Kaiserslautern aufsteigen würden, darf getrost bezweifelt werden.
Mit Schwarz-Weiß-Bildern von Fritz Walter im Trikot des 1. FC
Kaiserslautern mag man in Deutschland vielleicht noch Emotionen auslösen.
Den asiatischen Fernsehmarkt wird man damit ebenso wenig erobern können wie
mit Bildern der letzten Meisterschaft von Hertha BSC. Die wurde in Berlin
1931 gefeiert, da gab es die Volksrepublik China noch lange nicht.
Und warum der Glubb aus Nürnberg ein Depp genannt wird, wird in den USA
gewiss nicht ebenso wenig Leute interessieren wie die letzte
DDR-Meisterschaft von Dynamo Dresden. Und auch all die Skandale rund um die
abgestürzten Traditionsklubs in der dritten Liga, deren Fans nicht müde
werden, von der Rückkehr in die Bundesliga zu singen, werden gewiss nicht
dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga auf dem
internationalen Markt zu erhöhen.
Es gibt ohnehin nur einen einzigen deutschen Klub mit echter Ausstrahlung
über Europa hinaus – den FC Bayern München. Und solange es mit seltenen
Ausnahmen immer die Münchner sind, die sich den deutschen Meistertitel
sichern, wird sich daran auch nichts ändern. Ob dahinter mit Borussia
Dortmund ein Traditionsverein Zweiter wird oder mit RB Leipzig die
Marketingabteilung eines Getränkeherstellers, ist da beinahe schon egal.
Die Bundesliga leidet wahrlich nicht unter den kleinen Klubs wie
Unterhaching, [2][Heidenheim] oder Elversberg, von denen es immer mal
wieder einer nach ganz oben schafft. [3][Sie leidet vor allem unter der
Dominanz des FC Bayern München].
18 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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