# taz.de -- Nachhaltige Olympische Spiele in Berlin: Golden glänzen nur die Ankündigungen
       
       > Berlin verspricht „klimapositive“ Spiele auszurichten. Doch wie das
       > gelingen soll, vermag der Senat nicht zu beantworten.
       
 (IMG) Bild: Nachhaltig nutzen, was schon da ist: Wird der Fernsehturm auch eine Rolle bei Olympia spielen?
       
       Das Kapitel in Berlins Olympiabewerbung zum Thema Nachhaltigkeit klingt
       verheißungsvoll: „Das Konzept BERLIN+ ist darauf ausgerichtet, erstmals
       klimapositive Olympische und Paralympische Spiele durchzuführen“, heißt es
       da. In dem im Mai [1][beschlossenen und eingereichten Konzept] verspricht
       der Senat demnach, das Großevent mit einer positiven CO2-Bilanz
       auszurichten.
       
       Die Spiele, die 2036, 2040 oder 2044 stattfindenden könnten, sollen ein
       „Katalysator“ sein, um bestehende Ziele schneller umzusetzen. Dazu gehören
       in erster Linie die angestrebte [2][Klimaneutralität bis 2045] sowie
       verbindliche CO2-Ziele in einzelnen Sektoren bis 2030. Aber auch Maßnahmen
       zum Ausbau erneuerbarer Energien, zur Kreislaufwirtschaft, zur
       Biodiversität und zur Klimaanpassung sollen im Zuge der Vorbereitung auf
       die Spiele umgesetzt werden. Verbindliche Nachhaltigkeitsstandards sollen
       über einen „Event Sustainability Standard“ für Sportgroßveranstaltungen
       definiert werden, der, so heißt es, „Klimapositivität konkret
       operationalisiert und transparent abbildet“.
       
       Wie belastbar diese Versprechen sind, wollte die [3][Grünen-Abgeordnete
       Klara Schedlich] in einer Kleinen Anfrage wissen, deren Antwort der taz
       exklusiv vorliegt. Ersichtlich wird daraus: Zum jetzigen Zeitpunkt sind die
       Ziele kaum mehr als heiße Luft. So kann der Senat die Frage nach einer
       prognostizierten Gesamt-CO2-Bilanz nicht beantworten, ebenso wenig werden
       Emissionsziele, Einsparpotenziale oder Kompensationsbedarfe benannt.
       Gefragt wird, wie Berlin die CO2-Ziele in verbindliche Vorgaben umsetzen
       will. Die Antwort: „Durch klar definierte Vorgaben und deren regelmäßige
       Kontrolle über ein spezifisches Berichtswesen.“ Eine Emissionsbilanz wurde
       im Rahmen der Bewerbung nicht erstellt.
       
       Schedlich stellt dann auch die Grundannahme „klimapositiver Spiele“
       infrage: „Bei der Austragung Olympischer Spiele kann es nur darum gehen,
       Klimaschäden gering zu halten.“ Allein die Anreise der Athlet:innen und
       Besucher:innen würde ihr zufolge das Klima stark belasten. Schedlich
       wirft dem Senat vor: „Erst wird mit Nachhaltigkeit geworben, anschließend
       soll geklärt werden, was Nachhaltigkeit überhaupt konkret bedeutet.“ Es
       dränge sich die Frage auf, „ob es sich hier um Green Games oder doch eher
       um Greenwashing handelt“.
       
       ## Kaum neue Sportstätten
       
       Der Senat wirbt insbesondere damit, dass ein Großteil der Sportstätten
       bereits errichtet ist. Zusätzliche Bauten sollen nur temporär entstehen,
       rückbaubar und wiederverwendbar. Veranstaltungsorte sollen durch den
       Einsatz erneuerbarer Energien einen aktiven Beitrag zur Energiewende
       leisten und Mobilitätskonzepte auf den öffentlichen Nahverkehr ausgerichtet
       werden. Gleichzeitig besagt die Antwort, dass ein „Event Sustainability
       Standard“ erst mit Zuschlag für die Spiele entwickelt werden soll,
       „Kriterien, Messgrößen und Anforderungen“ bislang nicht existieren.
       
       Schedlich kritisiert das Werben mit einem Standard, den es noch gar nicht
       gibt. Auch fehlen festgelegte Ziele zu Klimaausgleichsmaßnahmen, zum
       Wasserverbrauch, zur Biodiversität oder zu Eingriffen in Grün- und
       Erholungsflächen. Infrage stehe daher, „ob Nachhaltigkeitsmaßnahmen
       tatsächlich durch die Spiele ausgelöst würden“ und damit über ohnehin
       geplante Maßnahmen hinausgingen. „Die Nachhaltigkeitserzählung ist deutlich
       weiter als die tatsächliche Planung“, so ihre Bilanz.
       
       16 Jun 2026
       
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