# taz.de -- 1.673 Tage Krieg in der Ukraine: Zum Urlaub nach Hause, trotz Krieg
       
       > Aus ganz Europa fahren Ukrainer trotz des Krieges in ihre Heimat. Dafür
       > gibt es verschiedene Gründe. Drei Familien berichten von ihrer Situation.
       
 (IMG) Bild: Strandleben in Odessa: Die Gründe für einen Besuch in der Ukraine sind vielfältig
       
       Der Sommer 2026 ist in der Ukraine besonders heiß – nicht nur wegen der
       Temperaturen. Oft reicht die Zeit zwischen Luftalarm und Einschlag nicht,
       um in den Schutzraum zu kommen. Trotzdem haben auch in diesem Sommer
       Ukrainer*innen in ganz Europa ihre Koffer für die Reise in die Ukraine
       gepackt.
       
       Das ist oft teurer als ein Urlaub in Spanien oder Kroatien. Doch sie fahren
       zu Eltern, Ehepartnern, Freunden – zu dem Leben, das der Krieg nicht
       vollständig ausgelöscht hat.
       
       ## Gesundheitsbehandlung in der Ukraine
       
       Maria, Oleksandr und ihre Tochter Alisa verließen Kyjiw in der Nacht zum
       23. Februar 2022 für eine Urlaubsreise. Am nächsten Morgen stand ihr Land
       in Flammen. Die Familie suchte Schutz in Frankreich. Inzwischen haben sie
       Französisch gelernt und feste Jobs gefunden.
       
       In diesem Sommer ist Maria erstmals wieder in die Ukraine gefahren, von
       Lyon nach Uschhorod an der ungarischen Grenze, das zu den sichereren
       Städten des Landes gehört. Ihr Urlaub hatte auch einen praktischen Grund:
       Gesundheit.
       
       „Trotz der hohen medizinischen Standards in Frankreich sind Arztbesuche oft
       schwierig“, sagt Maria. Sprachbarrieren bei Fachbegriffen und lange
       Wartezeiten machen Untersuchungen anstrengend. In der Ukraine kann man oft
       innerhalb weniger Tage einen Termin bekommen.
       
       Einen Teil ihres „Urlaubs“ verbrachte sie bei der Behandlung, den Rest in
       Thermalbädern und mit Heilwasser. Ihr Hotel hatte einen eigenen Schutzraum,
       doch sie genoss die Ruhe. Nur morgens las sie von den nächtlichen Angriffen
       in anderen Gebieten.
       
       ## Urlaub mit Ehemann und Vater
       
       Für Iryna, Diana, Tymur und Jewhen war der Reisegrund ein anderer. Die
       Familie stammt aus Charkiw. Iryna lebt mit den Kindern in Deutschland, ihr
       Mann ist bei der Armee und darf das Land nicht verlassen. Nur in der
       Ukraine können sie also zusammen sein. Von Hamburg flog die Familie nach
       Chișinău in Moldau und weiter mit dem Bus nach Odessa.
       
       Vor dem russischen Überfall war Juschne bei Odessa ihr Lieblingsort am
       Meer. Heute ist Strandurlaub dort kaum möglich. Dieses Jahr mietete die
       Familie eine Ferienwohnung bei Tschornomorsk – für 135 Euro pro Tag.
       
       Kurz danach beschädigte ein russischer Angriff die Wasserleitung, der
       Wiederaufbau dauerte 4 Tage. Der Hausbesitzer holte Wasser aus einer
       Quelle. Fast jede Nacht gab es Angriffe. Irynas Familie zog nach Odessa um.
       [1][Auch dort herrscht Krieg, aber die Stadt lebte ihren Sommer]: Cafés
       waren geöffnet, an den Stränden war kaum ein Platz frei, daneben gab es
       Schutzräume. Für Iryna war es trotzdem Urlaub. Denn das Wichtigste war die
       Zeit mit ihrem Mann.
       
       ## Alte Eltern unterstützen
       
       Hanna, Denys und ihre drei Kinder verbringen jeden Urlaub bei den alten
       Eltern von Denys in der Steppe, um ihnen zu helfen. Beide sind über 80 und
       werden dort nicht mehr wegziehen. Für das Ehepaar sind das keine
       Erholungsreisen.
       
       Der Gemüsegarten der Schwiegereltern ernährt die Familie, aber macht auch
       viel Arbeit. [2][Das Haus muss winterfest gemacht werden]. Nachdem die
       Russen große Lagerhallen zerstört haben, sind Baumaterialien teurer als in
       Deutschland. Die Einkommen in der Ukraine sind deutlich niedriger.
       
       Die fünfköpfige Familie reist von Köln mit dem Zug über Berlin, Przemyśl
       und Kyjiw nach Pjatyhatky. Aber die Erfahrung des vergangenen Frühjahrs
       machte Hanna Sorgen. Damals hatte ihr Zug nach Kyjiw 12 Stunden Verspätung,
       weil die Eisenbahninfrastruktur stark beschädigt war. Hanna hat warme
       Kleidung, Sitzmatten und Wasser im Gepäck. [3][Im Fall eines nächtlichen
       Angriffs werden Bahnreisende in nahegelegene Waldstücke evakuiert]. Diesmal
       hatte ihre Familie Glück.
       
       „Wir haben im Garten gearbeitet, im Teich gebadet und mit Freunden und
       Verwandten geplaudert“, erzählt Hanna.
       
       Ihre Worte erklären nicht, warum Ukrainer zurückreisen. Sie beschreiben,
       was sie zu bewahren versuchen: ein normales Leben neben dem Krieg – selbst,
       wenn man dafür im Schutzraum schlafen, während eines Luftalarms anhalten
       und stundenlang auf den Morgen warten muss.
       
       23 Sep 2026
       
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