# taz.de -- Abriss der AKW Brokdorf und Brunsbüttel: Schleswig-Holstein verteilt Schutt
       
       > Die Kieler Landesregierung will Deponien den „freigemessenen“ Schutt der
       > AKW Brokdorf und Brunsbüttel zuweisen. Damit ist sie schon einmal
       > gescheitert.
       
 (IMG) Bild: Nostalgischer Anblick: das AKW Brokdorf wird abgerissen
       
       Der Abfall aus dem Abriss der schleswig-holsteinischen Atomkraftwerke
       Brokdorf und Brunsbüttel soll auf Deponien in Harrislee bei Flensburg und
       Johannistal in Ostholstein landen. Den Entwurf zweier entsprechender
       Anordnungen hat das Landesamt für Umwelt (LfU) am Freitag versandt. Die
       Deponiebetreiber haben jetzt vier Wochen Zeit, dazu Stellung zu nehmen. Ein
       [1][erster Versuch, den AKW-Schutt der Deponie] Johannistal zuzuweisen, war
       an einer Klage des Betreibers gescheitert.
       
       Beim Abriss von Atomkraftwerken fällt eine große Menge Abfall an, von der
       aber nach Angaben des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums der
       weitaus größte Teil nicht radioaktiv belastet ist. Am Beispiel des AKW
       Brunsbüttel rechnet das Ministerium vor, dass von rund 300.000 Tonnen
       Abraum 1,5 bis drei Prozent mittel bis schwach radioaktiv belastet sei, ein
       noch kleinerer Teil stark belastet.
       
       Die 97 Prozent nicht radioaktiver Abfall setzten sich aus dem zusammen, was
       normalerweise beim Abriss von Industrieanlagen entstehe: Metall, Plastik,
       Dämm- und Leuchtstoff, Bauschutt, Betonteile. Was nicht radioaktiv belastet
       ist, darf nicht atomar end- oder zwischengelagert werden.
       
       Um festzustellen, welches Material nicht als radioaktiv belastet gelten
       darf, wird es freigemessen. Das heißt, es wird nach den Vorgaben der
       Strahlenschutzverordnung ermittelt, wie stark eine Masse strahlt. Bleibt
       das unter einem bestimmten Grenzwert, gilt sie als nicht radioaktiv, könnte
       also auch recycelt statt deponiert werden. Als Grenzwert gelten zehn
       Mikrosievert. Umweltverbände wie der BUND und Bürgerinitiativen wie die BI
       Harrislee stellen das Konzept der Freimessung infrage.
       
       ## Konzept nachgebessert
       
       Das LfU hat die Deponien in Harrislee und Johannistal ausgewählt, weil die
       beiden Landkreise, in denen die AKW stehen, keine öffentlich-rechtlichen
       Deponien betreiben und sich kein privater Entsorgungsträger fand, der
       bereit war, den Schutt anzunehmen.
       
       Mit der Auswahl reagierte die Behörde auch auf ihr Scheitern beim ersten
       Versuch vor fünf Jahren, Johannistal den Abraum aufzubürden. Nach Auskunft
       des Kieler Umweltministeriums hatte das Gericht moniert, dass die zu
       deponierenden Abfallmengen nicht präzise genug bestimmt worden seien. Zudem
       seien auch die Anforderungen an die Deponie nicht genug spezifiziert
       worden.
       
       Bei den Abfällen handelt sich im Wesentlichen um 195 Tonnen mineralisches
       Dämmmaterial aus dem AKW Brokdorf und 3.675 Tonnen [2][Dämmstoff und
       Bauschutt] aus Brunsbüttel. Ein Teil des Materials ist nach Angaben des LfU
       asbestbelastet. Trotzdem reicht dafür eine Deponie mit der zweitniedrigsten
       Klasse I. Bei Deponien mit höherem Standard gibt es weniger Raum, weshalb
       dort auch nur problematischerer Müll abgelagert werden soll.
       
       Bei den Betroffenen stieß die Ankündigung des LfU auf wenig Begeisterung.
       Henning Pries (CDU) Bürgermeister der Gemeinde Gremersdorf, zu der
       Johannistal gehört, hatte sich schon vor fünf Jahren besorgt geäußert –
       wegen eines möglichen Imageschadens für die Landwirtschaft und den
       Tourismus. Die Politik habe es nicht geschafft, die Bedenken der
       Bevölkerung auszuräumen. „Jetzt wird man sich das alles in Ruhe ansehen
       müssen“, sagt er.
       
       Ohnehin kann die Gemeinde nur Stellung nehmen. Klageberechtigt ist
       lediglich der Deponiebetreiber Gollan. „Es werden keine Entscheidungen ohne
       eine enge Abstimmung mit der Gemeinde Gremersdorf, mit der wir uns in
       ständigem Austausch befinden, getroffen“, teilt der Entsorger mit. Da es
       Zeit brauche, die Unterlagen des LfU zu prüfen, könne man zum jetzigen
       Zeitpunkt keine weiteren Aussagen tätigen.
       
       ## Unveränderte Bedenken
       
       Die Gemeindevertreter Harrislees fassten ihre Bedenken 2016 in einem
       Beschluss zusammen. An dieser Postition habe sich bis heute nichts
       geändert, sagt Bürgervorsteherin Anke Schulz.
       
       In dem Beschluss wird ebenfalls vor einem Schaden für den Tourismus und die
       „gefühlte“ Lebens- oder Wohnqualität gewarnt sowie einer Beeinträchtigung
       der guten Nachbarschaft mit Dänemark durch eine Deponie nahe der Grenze.
       Zudem stellen die Gemeindevertreter die Zehn-Mikrosievert-Regel infrage,
       obwohl sie einräumen, das Risiko nicht einschätzen zu können.
       
       Die zehn Mikrosievert seien lediglich das Ergebnis eines Rechenmodells und
       sagten nichts darüber aus, wie hoch die Belastung einer Person im
       Einzelfall sei, kritisiert Jörg Wolff von der [3][Bürgerinitiative
       Harrislee]. Das Konzept dienen lediglich dazu, die Entsorgungskosten zu
       minimieren. Wie der BUND schlägt er vor, nach dem Vorbild Frankreichs
       besondere Deponien für sehr schwach radioaktive Abfälle zu schaffen.
       
       28 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Rueckbau-der-AKWs-in-Schleswig-Holstein/!5621066
 (DIR) [2] /Wohin-mit-dem-Atom-Schutt/!5651487
 (DIR) [3] https://www.harrislee.de/Unser-Harrislee/Adressen/baesh-B%C3%BCrgerinitiative-Atomm%C3%BCll-Einlagerung-Stopp-Harrislee.php?ModID=9&FID=1902.404.1
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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