# taz.de -- UNICEF-Studie zum Kindeswohl: Deutschland wieder weit abgeschlagen
       
       > Die kurze Grundschulzeit ist zentraler Grund für die Diskriminierung im
       > deutschen Bildungsbereich. Diskrepanzen zwischen Arm und Reich sind
       > massiv.
       
 (IMG) Bild: Prüfung nicht bestanden: Im internationalen Vergleich des Kindeswohls bleibt das Ergebnis für die Bundesrepublik ungenügend
       
       Was muss eigentlich noch passieren, damit Deutschland die systematische
       Diskriminierung benachteiligter Kinder stoppt? In keiner anderen
       Industrienation hängt der Bildungserfolg so stark vom Einkommen und
       Bildungsgrad der Eltern ab. Studien wie Pisa, [1][Timss] oder Iglu
       attestieren dem deutschen Schulsystem seit Jahren Totalversagen in seinem
       zentralen Versprechen – dass die Herkunft für die Bildungskarriere keine
       Rolle spiele.
       
       Wie wenig das bis heute mit der Realität zu tun hat, prangert das
       UN-Kinderhilfswerk Unicef an: Deutschland kommt in der Studie zum
       Kindeswohl nur auf Platz 25 von insgesamt 37 Ländern. Pikant dabei:
       Hierzulande schneiden die Rich Kids im Lesen und in Mathe doppelt so gut ab
       wie die 15-Jährigen aus armen Haushalten. Mit jedem Tausender mehr auf dem
       Konto steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind aufs Gymnasium geht.
       
       Mindestens genauso alarmierend ist die Beratungsresistenz der zuständigen
       Bundesländer. Dass die anhaltende Bildungsungleichheit vor allem an der
       frühen Aufteilung in Gymnasien und andere Schulformen liegt, ist nämlich
       lange bekannt. Es ist kein Zufall, dass außer Deutschland (und Österreich)
       kein anderes wohlhabendes Land Schüler:innen bereits nach der 4. Klasse
       trennt.
       
       Wie stark ein längeres gemeinsames Lernen die Bildungschancen für alle
       stärkt, zeigt bereits eine zwei Jahre [2][längere Grundschule wie in
       Berlin] und Brandenburg. Wie viel mehr noch möglich wäre, kann man der
       Unicef-Studie entnehmen. Am besten schneiden darin die Niederlande und
       Dänemark ab: Länder, die auf eine acht- beziehungsweise neunjährige
       Volksschule setzen.
       
       ## Protest aus bürgerlichen Reihen
       
       Doch hierzulande traut sich niemand mehr an das Thema ran, seitdem Hamburg
       2010 mit seinem Reformeifer den Widerstand des bürgerlichen Lagers
       provozierte – das im [3][längeren gemeinsamen Lernen] offenbar eine
       Zumutung für das eigene Kind sieht. Stattdessen doktern die
       Bildungsministerien an vielen verschiedenen Stellen gleichzeitig rum –
       aktuell sollen verbindliche Sprachtests im Kitaalter, ein verpflichtendes
       Vorschuljahr und mehr Ressourcen für Brennpunktschulen die Wende bringen.
       
       Dass dies gelingt, muss leider bezweifelt werden. Schließlich hängt auch
       der Zugang zu Kitas von den familiären Ressourcen ab. Solange es nicht
       genügend Kitaplätze für alle gibt, werden also vor allem die Kinder das
       Nachsehen haben, die von der Kita profitieren würden. Die Rückstände, mit
       denen benachteiligte Kinder in die 1. Klasse starten, können Grundschulen
       nicht abbauen. Jedenfalls nicht in vier Jahren.
       
       17 May 2026
       
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