# taz.de -- Einnahmen durch Erbschaftsteuer: Kein Zeichen für mehr Verteilungsgerechtigkeit
> Noch nie hat der Staat so viel Geld durch Erbschaftsteuern eingenommen
> wie 2025. Grund dafür ist vor allem die Übertragung sehr großer Vermögen.
(IMG) Bild: Reiche Leute erben mehr: sprunghafter Anstieg bei der Besteuerung von Übertragungen sehr großer Vermögen
Noch nie ließen die Einnahmen durch Erbschaft- und Schenkungssteuern die
Staatskasse so sehr klingeln wie im vergangenen Jahr. 21,4 Milliarden Euro
Einnahmen durch das Übertragen von Vermögen – 60 Prozent mehr als im
Vergleich zum Vorjahr. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch
mit.
Betrachtet man die Beträge für [1][Erbschaften und Schenkungen] getrennt,
sehen die Zahlen so aus: Die Steuereinnahmen durch Erbschaften erhöhten
sich um 57,1 Prozent auf 13,3 Milliarden, die Einnahmen durch Schenkungen
zu Lebzeiten um 67,3 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro, sie nehmen prozentual
also noch stärker zu. Generell steigen die Einnahmen durch die
Schenkungssteuer seit 2019 kontinuierlich. Im Vergleich zu 2023 haben sie
sich fast verdoppelt.
Grund für den starken Anstieg der Einnahmen im vergangenen Jahr ist vor
allem ein sprunghafter Anstieg bei der Besteuerung von sehr großen
Vermögensübertragungen in einer Höhe von mindestens 20 Millionen Euro,
meist durch das Vererben von Betrieben. In diesem Bereich haben sich die
Einnahmen mit 146,8 Prozent mehr als verdoppelt. Das zeigt: In Deutschland
werden immer höhere Vermögen angehäuft und vererbt.
Zugleich erbt laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
mehr als die Hälfte der Bevölkerung gar nichts. Hingegen geht fast die
Hälfte aller Erbschaften und Schenkungen an die zehn Prozent der reichsten
Deutschen, die ohnehin mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens besitzen.
Auch wenn mehr Geld an den Fiskus geht, bleibt letztlich auch mehr Geld
dort konzentriert, wo es ohnehin schon war.
Ein weiterer Punkt: In der Statistik sind die meisten Vermögensüberträge
gar nicht enthalten, da ein Großteil der Vermögen hierzulande unversteuert
die Besitzer:innen wechselt. Das DIW ging 2021 von einem jährlichen
Wert von bis zu 400 Milliarden Euro aus, Tendenz steigend. Nicht nur, weil
kleinere Erbschaften nicht steuerpflichtig sind, sondern auch, weil es
zahlreiche Ausnahmen für Großerben gibt, insbesondere bei Betriebserben. Im
letzteren Fall lässt sich [2][der Fiskus] laut einer Analyse des Netzwerks
Steuergerechtigkeit Milliarden entgehen. Ein Zeichen für mehr
[3][Verteilungsgerechtigkeit] ist der Rekordanstieg der Erbschafts- und
Schenkungssteuereinnahmen also bei Weitem nicht.
27 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eva Fischer
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