# taz.de -- Jason Arday: Verstörende Fragen
> Der Suizid des Schwarzen Professors treibt den Kulturkampf zwischen
> rechts und links auf die Spitze. Um die Sache selbst geht es längst nicht
> mehr.
(IMG) Bild: Die Causa Jason Arday treibt den Kulturkampf auf die Spitze
Jahrelang wurde [1][Jason Arday] als „außergewöhnlich“ gefeiert. In diesem
Sommer wurde der Bildungssoziologe an der britischen Universität Cambridge
des Plagiats und der Fälschung seiner Lebensgeschichte bezichtigt. Er legte
seine Professur nieder; am 14. August nahm er sich das Leben. Nun wird
heftig diskutiert – weltweit. Der US-Wissenschaftler Nick Longrich
[2][spricht von einem „Tschernobyl-Moment“] für die Hochschulwelt und von
verlorenem Vertrauen. Er ist Archäologe in Alaska.
Ardays Suizid hat in Großbritannien eine virulente Kampagne entfacht. Auf
einer [3][Großkundgebung] kurz nach seinem Tod erklärten Aktivisten den
Schwarzen Akademiker zum Opfer von Rassismus und rechten Medien. Arday
„wurde kritisiert, weil er Schwarz war“, behaupteten am 19. August 53
britische Abgeordnete in einem [4][Brief an die
Medien-Sebstregulierungsbehörde Ipso], vergleichbar mit dem deutschen
Presserat, und forderten eine Klärung, „ob die Medienberichterstattung
verhältnismäßig und gerechtfertigt war“.
Die oppositionellen Grünen [5][diskutieren eine Staatsaufsicht] über die
Medien, damit nur noch Berichterstattung „im öffentlichen Interesse“
stattfindet. Aktivisten verbreiten [6][Namenslisten] von Journalisten, die
über Arday geschrieben haben, und fordern gegen sie Konsequenzen.
Besonders wütend sind Ardays Verteidiger über denjenigen, der nach ihrer
Ansicht alles losgetreten hat: [7][Nathan Cofnas]. Am 21. Juli machte der
junge US-Philosoph auf [8][seinem Blog] die seit Längerem zirkulierenden
Zweifel an Arday und Einzelnachweise seiner Plagiate öffentlich und warf
der Universität Cambridge vor, sie habe „eine zufällige Schwarze Person mit
einer ungeprüften Märchengeschichte angestellt“.
Cofnas hat eine Agenda. Er selbst wurde von Cambridge gefeuert. Er ist
deklarierter Kämpfer gegen DEI (Diversity, Equality, Inclusion), die
gezielte Förderung von Angehörigen benachteiligter Gruppen; sein Papier
über Arday trägt den Titel [9][„DEI-Betrug und Vertuschung in Cambridge“].
Er sieht sich in einem Kampf zwischen „Wokism“, der Weißen die Schuld an
allen Übeln gebe, und dem von ihm bevorzugten [10][„Hereditarianism“], der
Ungleichheit zwischen Gruppen auf genetische Ursachen zurückführt – ein
Fundament von Rassismus. Berüchtigt ist seine Aussage aus seinem
[11][Papier über die „Erbrevolution“], wonach ohne DEI an der
US-Universität Harvard nicht 14 Prozent aller Studierenden Schwarz wären,
sondern nur 0,7 Prozent. Er sagt dazu, er gebe nur [12][Harvards Angaben]
wieder – aber die Schlüsse daraus sind seine eigenen.
Nachdem Cofnas deswegen 2024 seine Postdoc-Stelle in Cambridge verloren
hatte, nahm er 2026 eine Lehrstelle an der belgischen Universität Gent an,
was dort sofort für Unmut sorgte. Nach Ardays Suizid wurde er
[13][suspendiert]. Seine Anwesenheit, so [14][die Begründung], sei „eine
Quelle erheblicher Unruhe“. Für seine Suspendierung gilt das erst recht.
Über 800 Akademiker weltweit haben sich in einem [15][Protestbrief an die
Uni] mit Cofnas solidarisiert und weisen darauf hin, dass Kritik an
Kollegen in der Wissenschaft „essenziell“ sei. Manche Arday-Verteidiger
[16][sehen hinter Cofnas] derweil ein verborgenes rechtes Netzwerk, das die
Macht in den Universitäten anstrebe. Da ist es nur ein Schritt zum Gerede
von der jüdischen Weltverschwörung, das in manchen linken britischen
Kreisen Hochkonjunktur hat. Cofnas ist Jude, die Universität Gent wiederum
ist führend beim Israelboykott.
Linker Schwarzer Brite gegen rechter jüdischer US-Amerikaner – legitime
Fragen geraten bei diesem Kulturkampf unter die Räder. Warum bringen Ardays
Anhänger nie seine mutmaßlichen Leistungen vor, etwa bemerkenswerte
Veröffentlichungen? Schließlich bekleidete er in Cambridge eine Stelle, die
üblicherweise jahrzehntelange herausragende Forschungstätigkeit
voraussetzt. Warum werden die Widrigkeiten, die Arday erlitt,
ausschließlich auf Rassismus zurückgeführt?
Die von ihm selbst vorgebrachte Lebensgeschichte rückt anderes in den
Vordergrund – Lernbehinderung, Autismus, Neurodiversität. In seinem
Buchbeitrag [17][„Schwarz, männlich, akademisch: Navigieren in der weißen
Akademie“] aus dem Jahr 2018 schreibt Arday selbst: „Interessanterweise ist
der ‚verborgene‘ Teil meiner Reise als autistischer Lernender anders als
meine nach außen gerichtete Präsenz und Reise als Schwarzer Mann, die nicht
verborgen bleiben kann.“ Aber alle Reaktionen auf ihn hält er in dem Text
für Reaktionen auf seine „nach außen gerichtete Präsenz“.
## Doktorarbeit im Zug
Tatsächlich aber ist der „verborgene Teil seiner Reise“ das kontroverseste
Thema. Ein Spitzenprofessor, der erst mit 11 Jahren sprechen konnte, erst
mit 18 lesen und schreiben lernte, zur Lektüre von einer Seite Text eine
Stunde braucht und das Geschehen um ihn herum zu 90 Prozent nicht versteht
(lauter [18][Selbstbeschreibungen] Ardays) – kann das wirklich sein? Nach
eigener Darstellung tippte er [19][seine Doktorarbeit], die er mit 31
Jahren einreichte, mit zwei Fingern im Zug, während er zwischen seinen zwei
Nachtjobs als Reinigungskraft und Supermarktregalfüller in London und
seiner Lehrtätigkeit an der Universität Liverpool fünf Zugstunden entfernt
pendelte und in dieser Zeit einen Hirntumor und dann einen Schlaganfall mit
Gedächtnisverlust erlitt. Echt jetzt?
In Südafrika, das sich mit Rassismus wohl am besten auskennt, nimmt die
Arday-Debatte einen anderen Fokus. Der Wandel des Landes hin zu einer
gerechten Gesellschaft „muss über sichtbare Diversität hinausgehen und das
ungenutzte Potenzial neurodiverser Personen anerkennen“, [20][schreibt der
angesehene Mediziner Nkhensane Khosa]. Seit drei Jahrzehnten gehe es in
Südafrika darum, ob alle Gruppen gleichberechtigt am Tisch säßen – jetzt
müsse man den Tisch selbst hinterfragen. Geistige Diversität wäre weltweit
tatsächlich ein Thema. Aber im Arday-Kulturkampf fordern beide Seiten
Homogenität. Die einen wollen Förderprogramme abschaffen, die anderen die
Presse knebeln. Beide missbrauchen ihre Stellung.
Haben Sie suizidale Gedanken? Dann sollten Sie sich unverzüglich ärztliche
und psychotherapeutische Hilfe holen. Bitte wenden Sie sich an die nächste
psychiatrische Klinik oder rufen Sie in aktuen Fällen den Notruf an unter
112. Eine Liste mit weiteren Angeboten finden Sie unter
taz.de/suizidgedanken.
27 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Jason_Arday
(DIR) [2] https://x.com/NickLongrich/status/2091621365594173537
(DIR) [3] /Nach-dem-Tod-von-Jason-Arday/!6205212
(DIR) [4] https://www.politicshome.com/news/article/cross-party-group-mps-write-press-regulator-jason-arday-coverage
(DIR) [5] https://www.thetimes.com/uk/politics/article/greens-propose-state-regulation-journalists-consciences-c6n0tpjtp
(DIR) [6] https://x.com/JournalismSEEN/status/2089724089980121419
(DIR) [7] https://en.wikipedia.org/wiki/Nathan_Cofnas
(DIR) [8] https://ncofnas.com/
(DIR) [9] https://ncofnas.com/p/dei-fraud-and-cover-up-at-cambridge
(DIR) [10] https://ncofnas.com/p/a-guide-for-the-hereditarian-revolution
(DIR) [11] https://ncofnas.com/p/a-guide-for-the-hereditarian-revolution
(DIR) [12] https://newcriterion.com/article/harvard-admits-its-preferences/
(DIR) [13] https://x.com/nathancofnas/status/2090416033072861245
(DIR) [14] https://x.com/mboudry/status/2090742436729417961
(DIR) [15] https://johnarmstrongmaths.com/openletters/letter.php?campaign=cofnas
(DIR) [16] https://bylinetimes.com/2026/08/18/the-peter-thiel-linked-race-science-network-that-penetrated-cambridge-university-and-targeted-jason-arday/
(DIR) [17] https://www.researchgate.net/profile/Lisa-Galloway-2/publication/327356689_Access_and_Inclusion_for_Gypsy_and_Traveller_Students_in_Higher_Education_Racism_Whiteness_and_Decolonising_the_Academy/links/5f522caa92851c250b8f4555/Access-and-Inclusion-for-Gypsy-and-Traveller-Students-in-Higher-Education-Racism-Whiteness-and-Decolonising-the-Academy.pdf#page=182
(DIR) [18] https://www.theatlantic.com/books/2026/08/jason-arday-cambridge-academic-memoir-resignation/688206/
(DIR) [19] https://researchonline.ljmu.ac.uk/id/eprint/4552/1/158222_Jason%20Arday_%20Final%20PhD%20Thesis%20Vesrion%20Final%20Draft%20Oct%202015.pdf
(DIR) [20] https://mg.co.za/thought-leader/2026-08-21-when-inclusion-becomes-a-headline/
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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