# taz.de -- Widerspruch im Bundesrat geplant: Bremen will Wohngeld retten
> Der Bremer Senat kündigt eine Initiative gegen die geplante
> Wohngeldreform an. Denn nach der würde ein Drittel der Haushalte aus dem
> Bezug fallen.
(IMG) Bild: Wohngeldstelle in Bremen im Krisenmodus: Dort stapeln sich wie in vielen anderen Kommunen die unbearbeiteten Anträge
Der Bremer Senat will sich im Bundesrat dafür einsetzen, dass die
Bundesregierung die geplanten [1][Änderungen des Wohngelds] nicht umsetzt.
Das sagte am Mittwoch Bremens Bausenatorin Özlem Ünsal in einer Sitzung des
Bremer Landtags. Damit stellt sie sich gegen ein Vorhaben ihrer
SPD-Parteigenossin, Bundesbauministerin Verena Hupertz.
Im Stadtstaat Bremen würden 3.800 von derzeit rund 16.000 Haushalten nach
den bisherigen Plänen der Bundesregierung kein Wohngeld mehr bekommen,
rechnete Ünsal vor. Bundesweit wären es 381.000 Haushalte – ein Drittel
aller bisherigen Bezieher:innen. Betroffen wären vor allem Haushalte mit
einem Einkommen knapp über der bisherigen Einkommensgrenze.
Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken kritisierten in der Debatte das
Vorhaben, das zu Einsparungen im Haushalt des Bauministeriums in Höhe von
einer Milliarde Euro führen soll. „Es ist ungerecht, kurzsichtig und trifft
die Falschen“, sagte der baupolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Falk
Wagner. Zudem würde ein Teil der dann ehemals Wohngeldberechtigten einen
Anspruch auf Sozialleistungen haben, sodass der Staat dadurch deutlich
weniger einspare als beabsichtigt.
Bundesweit sollen nach den bisherigen Berechnungen 143.000 Haushalte nach
dem Wegfall ihres Wohngelds einen Anspruch auf Grundsicherung haben, in
Bremen wären es 1.400 Haushalte. Damit könne auch von Bürokratieabbau keine
Rede mehr sein, kritisierte unter anderem der Abgeordnete der FDP, weil
einfach andere Behörden zuständig seien. Die schwarz-rote Bundesregierung
begründet das Vorhaben auch damit, den bürokratischen Aufwand verringern zu
wollen.
## CDU verteidigt die geplante Reform
Die sozialpolitische Sprecherin der Bremer CDU, Sigrid Grönert, verteidigte
die geplante Reform. Schließlich habe die letzte Wohngeldreform – eine
Reaktion auf die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten infolge des Krieges
gegen die Ukraine – zum 1. Januar 2023 zu einer Verdreifachung der
Antragsberechtigten geführt. „Seitdem befindet sich die Wohngeldstelle im
Krisenmodus.“
Dort stapeln sich wie in vielen anderen Kommunen die unbearbeiteten
Wohngeldanträge. Als einer der Gründe gibt in Bremen die Bausenatorin
Personalmangel an. Die Stellen hätten nie alle wie geplant besetzt werden
können. Dennoch hatte sie erst vor zwei Wochen in einer Sitzung der
parlamentarischen Baudeputation einen Erfolg vermeldet: So gebe es nur noch
100 Anträge, die vor mehr als drei Monaten eingegangen seien und noch gar
nicht bearbeitet wurden.
Mitgeliefert wurden den Abgeordneten eine Grafik, deren steile Kurve nach
unten diesen Erfolg illustrieren sollte: Auf ihrem Höhepunkt Ende 2025
waren es 4.000 solcher Anträge gewesen.
Das Problem: 80 Prozent aller Anträge sind unvollständig, wie die
Pressestelle der Bausenatorin auf Anfrage der taz mitteilte. Das bedeutet,
dass die Antragsteller:innen weitere Unterlagen nachliefern müssen –
um dann weitere Monate auf ihr Geld zu warten. Im schlechtesten Fall kommt
es dann zu weiteren Nachforderungen und noch längeren Wartezeiten.
## Wartezeiten von einem Jahr und mehr
So gebe es aktuell 6.456 unvollständige Anträge, die vor mindestens drei
Monaten gestellt wurden, teilte die Pressestelle auf Nachfrage mit. Und 612
ursprünglich unvollständige Anträge werden demnach seit über einem Jahr
bearbeitet, 109 davon prioritär.
Sollten die Änderungen wie geplant zum 1. Januar 2027 umgesetzt werden,
würden zumindest die Bremer Betroffenen verspätet aus dem Wohngeldbezug
fallen, versprach der SPD-Abgeordnete Falk Wagner. Denn es soll nach den
Plänen der Bundesregierung eine Bestandsgarantie für bereits erteilte
Bescheide geben. Diese gelten normalerweise ein Jahr. „In Bremen werden wir
sie für zwei Jahre ausstellen“, sagte Wagner.
26 Aug 2026
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(DIR) Eiken Bruhn
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