# taz.de -- Vergeltungszölle gegen USA: Handelskrach zwischen USA und Kanada eskaliert
> Im Zollkonflikt mit dem Nachbarland setzt der US-Präsident auf
> Provokation: Der Ontariosee an der gemeinsamen Grenze solle künftig
> Amerikasee heißen.
(IMG) Bild: Kanada zeigt Flagge beim Zollstreit mit den USA: ArcelorMittal-Dofasco-Stahlwerk in Ontario
It’s showtime! Darin ist Donald Trump groß. Um zu zeigen, was er von der
Unabhängigkeit Kanadas und dem Selbstbestimmungsrecht seiner 40 Millionen
Einwohner*innen hält, kündigte der US-Präsident am Dienstag eine
Umbenennung an: Der zu gleichen Teilen zu den USA und Kanada gehörende
Ontariosee („Lake Ontario“) solle künftig „Lake America“ heißen, schrieb
Trump in den sozialen Medien. Das war die vorerst letzte groteske Spitze im
Handelskonflikt mit dem Nachbarstaat, der beiden Parteien ernsthaften
Schaden zufügen könnte.
Fast gleichzeitig hatte die Regierung in Ottawa endgültig mit ihrem
wichtigsten Handelspartner, den USA, gebrochen. Sie kündigte
Vergeltungszölle an, nachdem am Freitag die Verhandlungen über ein
Handelsabkommen überraschend gescheitert waren. Premier Mark Carney
erklärte, „gezielte Gegenmaßnahmen“ ergreifen zu wollen, um kanadische
Arbeitnehmer und Unternehmen zu schützen. Details standen zum
Redaktionsschluss noch aus.
„Eine Haltung am Verhandlungstisch, dass Kanada eine Tochtergesellschaft
der Vereinigten Staaten ist“, sei „etwas, das wir nicht akzeptieren“, hatte
Carney das Platzen der Verhandlungen begründet. Offenbar ging es um Kanadas
verfassungsrechtlich geschützten Gebrauch der französischen Sprache und die
Möglichkeit, Handelsabkommen mit anderen Staaten abzuschließen. Die USA
wollten zudem die wichtigsten kanadischen Industrien „zerstören“, darunter
die Auto-, Stahl- und Aluminiumbranche, so Carney. Überhaupt: „Es war ein
schlechtes Abkommen.“
Trump kündigte einen Tag später [1][50-Prozent-Zölle] auf kanadische
Alkoholika, Milchprodukte, Hockeyschläger und Sperrholz im Wert von rund 20
Milliarden US-Dollar an – insgesamt sind das etwa 5 Prozent aller
kanadischen Exporte im Jahr. „Kanada hat die USA jahrelang ausgenommen“,
schrieb [2][Trump]. Kanadas Regierung müsse sich „unterordnen“, andernfalls
drohten Konsequenzen, die „WEIT SCHLIMMER“ seien als die bereits verhängten
Zölle.
## 51. Bundesstaat der USA
Seit Langem fordert er, das zweitgrößte Land der Welt solle 51. Bundesstaat
der USA werden. Kanada wolle „die Vorteile eines Staates, ohne einer zu
sein!!!“, textete Trump weiter. Am Montag drohte er mit neuen Zöllen von 50
Prozent auf kanadische Fahrzeuge, Autoteile und Stahl ab Januar 2027. „Wir
brauchen Kanada nicht, sie brauchen uns.“
[3][Wirtschaftsverbände warnten] bereits, kanadische Betriebe und
zehntausende [4][Jobs seien in Gefahr].
„Amerika versucht uns zu brechen, um uns zu besitzen“, entgegnete Carney.
Laut Umfragen unterstützen seine Landsleute den harten Kurs Kanadas
gegenüber dem Nachbarn. Das ist mutig, denn im Handel gibt es eine hohe
Abhängigkeit: 2025 gingen 72 Prozent der kanadischen Ausfuhren in die
Vereinigten Staaten. Die USA lieferten nur etwa 15 Prozent ihres Exports
nach Kanada.
Doch der Handelskonflikt gefährdet auch Trumps Republikaner bei den
Kongresswahlen im Herbst. Wer künftig die Kontrolle über den US-Senat hat,
entscheidet sich in Bundesstaaten an der Grenze zu Kanada. Die
republikanische Senatorin Susan Collins, die um ihre Wiederwahl bangt,
warnte bereits, Trumps Handelspolitik schade den USA. Collins verwies auf
Hummer, Blaubeeren und Holz aus ihrem Heimatstaat Maine, die nach Kanada
exportiert werden.
In Kanada steht auch die Opposition hinter dem liberalen Premier Carney.
Allen voran der konservative Doug Ford, Premier von Ontario. Kaum eine
Provinz ist so stark von den US-Zöllen betroffen wie seine. Hier betreiben
Hersteller wie Ford, General Motors und Stellantis große Montagewerke.
Gouverneur Ford drohte, Strom- und Rohstofflieferungen aus Ontario in die
USA einzuschränken. „Wir versorgen 1,5 Millionen Haushalte und Unternehmen
mit Strom“, sagte er. „Alles ist auf dem Tisch.“ Trump bezeichnete Ford
umgehend als den „weniger charismatischen, intelligenten und insgesamt
wenig beeindruckenden Bruder“ des gestorbenen einstigen Bürgermeisters von
Toronto, Rob Ford. Showtime eben.
25 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Handelsstreit-eskaliert/!6206310
(DIR) [2] /Zollstreit-zwischen-USA-und-Kanada/!6206303
(DIR) [3] /Zollstreit-zwischen-USA-und-Kanada/!6206303
(DIR) [4] https://www.nytimes.com/2026/08/24/world/canada/us-tariffs-trade-economy.html
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Mark Carney
(DIR) Kanada
(DIR) Donald Trump
(DIR) Zölle
(DIR) Strafzölle
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Mark Carney
(DIR) Zölle
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Zollstreit zwischen USA und Kanada: Hegemonie by chaos
Trump belegt kanadische Güter mit neuen Zöllen – der kanadische Premier
wehrt sich. Europa sollte sich mit Carney und anderen Mittelmächten
verbünden.
(DIR) Handelsstreit eskaliert: Die USA und Kanada erheben neue Zölle
Beide Länder geben sich gegenseitig die Schuld an den gescheiterten
Verhandlungen. Nun erheben sie Zölle auf Agrarprodukte und
Eishockeyschläger.
(DIR) Blockade von Brücken-Eröffnung in Kanada: Wie Trumps Kanada-Zoff selbst Republikaner verschreckt
Das US-Repräsentantenhaus hat Strafzölle für Kanada abgelehnt, auch mit
Stimmen von Trumps Partei. Sogar bei ihnen wächst die Sorge um die
Wirtschaft.