# taz.de -- Zollstreit zwischen USA und Kanada: Hegemonie by chaos
> Trump belegt kanadische Güter mit neuen Zöllen – der kanadische Premier
> wehrt sich. Europa sollte sich mit Carney und anderen Mittelmächten
> verbünden.
(IMG) Bild: US-Präsident Donald Trump verlässt die Marine One auf der Ellipse nahe dem Weißen Haus in Washington
So ist Donald Trump: Fügt der andere Staat sich nicht, greift er zum
Hockeyschläger. Dieses kanadische Produkt belegt der US-Präsident nun mit
einem neuen Einfuhrzoll. Weil Kanadas Premierminister Mark Carney das
[1][nicht akzeptieren wollte], sind die Verhandlungen zwischen beiden
Regierungen vorerst gescheitert.
Außer für Hockeyschläger steigen die US-Importabgaben auch für Wein, Zement
und weitere Güter des nördlichen Nachbarlands auf 50 Prozent. Doch Carney
[2][will das „Dollar für Dollar“ erwidern]. Kommt es so, würden ab 8.
September kanadische Gegenzölle für Stahl, Milcherzeugnisse, Papier und
Landwirtschaftsmaschinen aus den USA in Kraft treten.
Die deutliche Haltung Carneys hat anscheinend ausgelöst, dass Trump nun
auch Importe verteuert, die bisher unter das bestehende Handelsabkommen
zwischen USA, Kanada und Mexiko fallen. Nach kanadischer Lesart hat
Washington außerdem versucht, dem nördlichen Nachbarn Vereinbarungen mit
anderen Staaten zu erschweren – eine Einmischung in die außenpolitische
Souveränität.
In solchen Forderungen zeichnen sich die Umrisse der neuen Weltordnung
Trumps ab. Dazu gehört die Hegemonie über die sogenannte westliche
Hemisphäre, zu der Washington auch Kanada zählt. Um vermeintliche
wirtschaftliche Nachteile, die die USA im internationalen Handel erleiden
und die durch Zölle auszugleichen wären, geht es nur zum Teil.
## Die Strategie ist Chaos
Dem US-Präsidenten gefällt es, die Welt zu chaotisieren. Kürzlich
begründete er höhere Zölle mit dem lästigen Rauch von Waldbränden in
Kanada. Im Übrigen betrachtet er das souveräne Land im Norden eigentlich
als 51. Bundesstaat der USA, nach Grönland wäre es dann schon der 52.
Trump verhängt Zölle, setzt eine Ersatz-UNO für einen sogenannten Frieden
im Gaza-Streifen ein, greift den Iran an, droht ihm mit kompletter
Vernichtung, erklärt die Meerenge von Hormus zu US-Territorium und kumpelt
mit Nordkoreas Atomdiktator. Der US-Präsident schafft neue Probleme,
kreiert dysfunktionale Lösungen und lenkt von deren Misserfolg ab, indem er
weitere Konflikte lostritt, die ebenfalls ohne Ausweg bleiben.
Das sind durchwachsene Aussichten für die Europäische Union, die ebenfalls
ein [3][Handelsabkommen mit den USA abgeschlossen hat]. Für EU-Produkte
gelten unterschiedliche Zölle zwischen 10 und 50 Prozent. Doch das kann
sich ändern, wenn es der US-Regierung in den Kram passt.
Potenzielle Gegenzölle hat die EU bereits vorbereitet, aber nicht in Kraft
gesetzt. Für den Fall, dass Trump den Druck wieder erhöht, sollte Europa
ebenfalls die Gangart verschärfen, in Kooperation mit Kanada und weiteren
Staaten. Schmiert die deutsche Wirtschaft dann nicht noch mehr ab? Wenn
sich eine Gruppe vernünftiger Leute hinstellt, lässt der Rowdy vielleicht
den Hockeyschläger sinken.
23 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hannes Koch
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