# taz.de -- Handelsstreit eskaliert: Die USA und Kanada erheben neue Zölle
       
       > Beide Länder geben sich gegenseitig die Schuld an den gescheiterten
       > Verhandlungen. Nun erheben sie Zölle auf Agrarprodukte und
       > Eishockeyschläger.
       
 (IMG) Bild: Tausche Stahl, biete Hockeyschläger aka Handelsstreit zwischen Kanada und den USA
       
       Eine Vereinbarung zwischen den USA und Kanada, welche die für beide Länder
       so wichtige Handelspartnerschaft vorerst gesichert hätte, stand kurz vor
       dem Abschluss. [1][Doch nur 72 Stunden später verkündeten beide Seiten das
       Scheitern der Gespräche.] Das Resultat sind neue US-Zölle in Höhe von 50
       Prozent auf kanadische Güter im Wert von 20 Milliarden Dollar.
       
       Dass die Verhandlungen scheiterten, ist ein weiteres Zeichen dafür, wie
       sehr sich die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Nachbarländern in
       Trumps zweiter Amtszeit verschlechtert haben. Neben den
       Handelsstreitigkeiten hat US-Präsident Donald Trump auch immer wieder
       darauf angespielt, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA machen zu wollen.
       
       Wie ernst er es damit meine, ist unklar, doch für die Beziehungen zwischen
       Washington und Ottawa war dies Gift. Die jüngste Eskalation gefährdet den
       gesamten Handel zwischen beiden Ländern, der im vergangenen Jahr 880
       Milliarden Dollar betrug.
       
       Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer erklärte am Samstag im Interview
       mit Fox News, dass sich Kanada dazu entschieden hätte, die Verhandlungen
       abzubrechen, um ihre eigenen Handelsbarrieren aufrechtzuerhalten.
       
       ## „Unfaire Änderungen“ in letzter Minute
       
       „Uns geht es darum, amerikanische Arbeitnehmer und amerikanische
       Lieferketten zu schützen. Wir haben den Kanadiern angeboten, diesen Weg
       gemeinsam mit uns zu gehen – konkret, indem wir die Zölle auf Stahl, Autos
       und sogar Holz senken; also auf Produkte, die für sie von besonderer
       Bedeutung sind. … Aber das wollten sie nicht“, sagte er.
       
       Der kanadische Premierminister Mark Carney begründete die Aussetzung der
       Verhandlungen am späten Freitag damit, dass Washington in letzter Minute
       „unfaire“ Änderungen an den vorgeschlagenen Vertragsbedingungen vorgenommen
       habe.
       
       „Kanada wird diese [US-Zölle] Dollar für Dollar erwidern, um unsere
       Arbeitnehmer und Unternehmen zu schützen“, sagte er in einer Erklärung.
       
       ## Molkereiprodukte, Möbel, Eishockeyschläger
       
       Die neuen US-Zölle betreffen etwas mehr als fünf Prozent aller kanadischen
       Exporte in die USA, darunter Molkereiprodukte, Möbel, Zement und auch
       Eishockeyschläger.
       
       Trump kommentierte die fehlgeschlagenen Verhandlungen in einem Post auf
       Truth Social am frühen Sonntagmorgen. „Kanada will die Vorteile eines
       US-Bundesstaates genießen, ohne einer zu sein!“
       
       Er behauptete zudem, dass Kanada jahrelang „enorme“ Zölle auf amerikanische
       Landwirtschaftsprodukte verhängt hätte, und fügte hinzu: „Damit ist jetzt
       Schluss!“
       
       [2][Premierminister Carney ist jedoch einer der wenigen Staatschefs
       weltweit, der mit Gegenmaßnahmen auf die US-Zölle reagiert.] Unter seiner
       Führung hat es sich Kanada auch zur Aufgabe gemacht, die Abhängigkeit von
       den USA zu reduzieren und neue Handels- und Militärbündnisse zu schmieden.
       
       Trotzdem ist der amerikanische Absatzmarkt weiterhin der mit Abstand
       wichtigste für die kanadische Wirtschaft. Fast 72 Prozent aller kanadischen
       Exporte gingen im vergangenen Jahr in die USA.
       
       Carneys Regierung will in den kommenden Tagen genauere Details über die
       Gegenmaßnahmen bekanntgeben. Außerdem stellte die kanadische Regierung auch
       neue Hilfsleistungen für kanadische Arbeiter und Unternehmen in Aussicht.
       
       Doch nicht nur auf kanadischer Seite wird der eskalierende Handelsstreit zu
       spüren sein. Innerhalb der Trump-Regierung gibt es durchaus Bedenken, dass
       die neuen Zölle zu Preissteigerungen führen werden. Grund dafür ist, dass
       die US-Importeure für die Zölle aufkommen müssen und diese an Kunden
       weiterreichen.
       
       ## Hohe Lebenshaltungskosten könnten gefährlich werden
       
       Die hohen Lebenshaltungskosten in den USA aufgrund des Iran-Kriegs und der
       Situation in der Straße von Hormus sowie der anhaltenden Inflation könnten
       sich auch politisch auswirken. Viele Menschen in den USA sind frustriert
       und machen die Trump-Regierung und die republikanische Mehrheit im Kongress
       dafür verantwortlich.
       
       Wenige Monate vor den Kongresswahlen stehen für viele Wähler:innen die
       Themen Wirtschaft und „Affordability“, also Bezahlbarkeit, ganz oben auf
       der Liste, wie Umfragen immer wieder zeigen.
       
       Demokraten wie New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul bekräftigten dies.
       „Unnötige Streitigkeiten mit unseren Verbündeten vom Zaun brechen und die
       Preise hierzulande in die Höhe treiben – das ist Trumps Wirtschaftspolitik
       auf den Punkt gebracht“, sagte sie in einem Online-Post.
       
       Die Lobbygruppe Business Roundtable, ein Zusammenschluss von 200
       Vorstandsvorsitzenden führender US-Unternehmen, warnte zudem in einer
       Erklärung, dass die neuen Zölle „die Kosten für amerikanische Unternehmen
       und Familien in die Höhe treiben könnten“, und forderte beide Regierungen
       auf, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Laut dem US-Handelsbeauftragten
       Greer gibt es aktuell keine Pläne für weitere Gespräche.
       
       23 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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