# taz.de -- Namibia erlaubt Bergbau im Meer: Freie Bahn für Phosphor aus dem Atlantik
       
       > Mitten in Namibias Fischereigründen soll Meeresboden zur
       > Phosphorgewinnung ausgebaggert werden. Die Umweltlizenz hat die Regierung
       > jetzt erteilt.
       
 (IMG) Bild: Unter dem Wasser soll Phosphorit aus dem Meeresboden abgebaut werden: Dünen der Namibwüste an der Küste Namibias
       
       Als erstes Land der Welt steigt Namibia in den großflächigen
       Meeresbodenbergbau zur Gewinnung von Phosphor ein. Wie am Montag in der
       Hauptstadt Windhoek bestätigt wurde, hat die namibische Regierung in diesem
       Monat die nötige Umweltlizenz für das umstrittene Vorhaben erteilt, deren
       Fehlen das Projekt über zehn Jahre lang blockiert hatte.
       
       Das Projekt [1][„Sandpiper“] des Unternehmens [2][NMP (Namibia Marine
       Phosphate)] sieht vor, im Südatlantik rund 40 Kilometer vor der namibischen
       Küste 20 Jahre lang Phosphorit aus dem Meeresboden zu holen. Auf 1,7
       Quadratkilometern pro Jahr – insgesamt 34 Quadratkilometer – will NMP
       durchschnittlich 2,30 Meter Meeresboden in durchschnittlich 215 Metern
       Tiefe abtragen. Daraus sollen jährlich bis zu 3 Millionen Tonnen des
       Phosphorerzes Phosphorit gewonnen werden.
       
       Die namibische Umweltschutzorganisation OCM (Ocean Conservation Namibia)
       [3][kritisiert das Projekt scharf]. Das maritime Ökosystem werde potenziell
       schwer beschädigt und die für Namibias Wirtschaft wichtige Fischerei
       beeinträchtigt, schreibt OCM und warnt, Phosphorförderung im Meer gebe es
       nirgends auf der Welt in dem geplanten Ausmaß. Namibia werde ein
       „Versuchsballon“, so die Organisation.
       
       „Die geplante Ausbaggerung des Meeresbodens könnte wichtige Lebensräume
       zerstören und Erdwolken verbreiten“, analysiert OCM und warnt vor der
       möglichen Freisetzung von Schwermetallen und giftigen Substanzen. Nötig sei
       eine unabhängige Überprüfung der Studien, auf deren Grundlage die
       Umweltlizenz erteilt wurde,
       
       Das Förderunternehmen NMP ist ein Joint Venture der Bergbaufirma Mawarid
       aus Oman, die einen 85-Prozent-Anteil hält, und dem lokalen Partner Havana
       Investments. Mawarid ist Teil einer Holding im Besitz des omanischen
       Milliardärs Mohammed al-Barwani und ist bereits in Namibias Bergbau aktiv,
       außerdem hält das Unternehmen eine Tiefseebergbaulizenz in Papua-Neuguinea.
       Havana Investments gehört dem namibischen Bergbauunternehmer Knowledge
       Katti.
       
       Phosphorit wird bisher an Land gewonnen, vor allem in Nordafrika und im
       Nahen Osten. Aber die Vorkommen im Meer vor Neuseeland, Mexiko, Peru und
       eben Namibia interessieren schon länger internationale Investoren.
       
       „Die marinen Phosphate können ohne weitere Aufbereitung für die Düngung
       verwendet werden“, [4][schrieb 2018 der Umweltwissenschaftler Hermann
       Kudrass], warnte aber, dass dabei „ökologisch kritische Elemente wie Uran,
       Arsen und Cadmium“ entweder entweichen oder im Dünger verbleiben. In
       Namibia sei geplant, die phosphorithaltigen Schwämme nicht an Land zu
       bringen und dort zu filtern, sondern auf den Förderschiffen „die
       Phosphoritkörner auszusieben und die Feinfraktion wieder ins Meer
       zurückzuleiten – dies hätte gravierende Folgen“.
       
       ## Korrupte Lizenzvergabe
       
       Betroffen wäre vor allem Namibias lukrative Hochseefischerei. Namibias
       Fischereiministerium hat sich jahrelang gegen die Phosphoritabbau gewehrt,
       ist aber in den vergangenen Jahren [5][durch korrupte Lizenzvergabe ins
       Zwielicht geraten] und politisch gegenüber dem Bergbau geschwächt. NMP
       verweist darauf, dass Bergbau im Meer längst stattfindet: In Flussmündungen
       am Atlantik werden Diamanten aus dem Meeresboden geholt.
       
       Das Unternehmen erwarb bereits 2011 die Förderlizenz ML 170 für ein
       Meeresgebiet von 2.233 Quadratkilometern. Die Lizenz wurde aber aus
       ökologischen Bedenken ausgesetzt und trat erst 2021 unter Vorbehalt einer
       Umweltverträglichkeitsprüfung wieder in Kraft. Die Prüfung wurde 2022
       abgeschlossen und am 5. August erteilte Namibias Umweltministerium NMP
       [6][das Umweltverträglichkeitszertifikat]. Es ist für drei Jahre gültig.
       
       [7][Der von NMP veröffentlichte Sozial- und Umweltverträglichkeitsbericht]
       kommt zum Schluss, die Förderung werde sich auf die Fischerei, die
       Gesundheit der Belegschaft sowie die namibische Binnenmigration negativ
       auswirken, aber die Vorteile in Form vor allem von Profit für das
       Förderunternehmen und für das namibische Wirtschaftswachstum würden
       überwiegen.
       
       ## Arsen könnte die Meeresfauna vergiften
       
       Die Bewertung der einzelnen Umweltrisiken ist dabei nicht immer wirklich
       vertrauenerweckend. Dass das Abbaggern des Meeresbodens Sedimente freisetzt
       und verteilt, „könnte eine negative Auswirkung haben, aber diese wird auf
       das Fördergebiet beschränkt und von kurzer Dauer sein“, heißt es. Auch die
       Freisetzung von Arsen, das die Meeresfauna vergiften könne, wird mit
       Verweis auf die räumliche und zeitliche Beschränkung minimiert. Wie sich
       die Freisetzung von Uran auswirkt, dazu sei keine Expertise vorhanden, aber
       die Schleppnetzfischerei wühle den Boden sowieso schon auf und es gebe
       keine Veröffentlichungen über mögliche radioaktive Verseuchung von Fischen.
       
       Namibias Fischereibranche ist nun empört. Fischereivertreter demonstrierten
       am vergangenen Donnerstag vor dem Umweltministerium, kündigten eine Klage
       an und forderten ihre Einbeziehung in die Überwachung des Projekts,
       [8][berichtet die Regierungszeitung New Era]. NMP-Landeschefin Hannelie
       Scheepers sagte dem Bericht zufolge, eine unmittelbare Aufnahme der
       Förderung stünde nicht an. Hauptgrund: Die Infrastruktur zur Anlandung und
       Weiterverarbeitung des Phosphorits im namibischen Hafen Walvis Bay
       existiert noch nicht.
       
       25 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://namphos.com/sandpiper/
 (DIR) [2] https://namphos.com/wp-content/uploads/2026/08/2026-08-10-Environmental-Clearance-Certificate-Update.pdf
 (DIR) [3] https://www.ocnamibia.org/_files/ugd/448d67_845fe4c93d7d4b3785486108357d4627.pdf
 (DIR) [4] https://themenspezial.eskp.de/fileadmin/user_upload/PDFs/rohstoffe/Einzelkapitel/4-8-Phosphorite-am-Meeresboden.pdf
 (DIR) [5] /Die-Fishrot-Affaere-in-Namibia/!5699113
 (DIR) [6] https://namphos.com/wp-content/uploads/2026/08/2026-08-10-Environmental-Clearance-Certificate-Update.pdf
 (DIR) [7] https://namphos.com/studies/esia-2022/
 (DIR) [8] https://allafrica.com/stories/202608240511.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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