# taz.de -- Hackerangriff auf Berliner Verwaltung: E-Mail löst Fax wieder ab
       
       > Nach dem Hackerangriff sind die betroffenen Verwaltungen wieder am Netz.
       > Der Digital-Staatssekretär warnt aber vor neuen Attacken – und kritisiert
       > Sicherheitslücken.
       
 (IMG) Bild: Zwischenzeitlich offline: Hinweis auf der Webseite der Verkehrsverwaltung
       
       Die betroffenen Senatsverwaltungen sind zwar seit dem Wochenende wieder
       online, aber der Hackerangriff auf das Berliner Landesnetz beschäftigt
       weiter die Behörden. „Es wäre verfrüht zu sagen, dass wir das Ganze
       erfolgreich hinter uns gelassen haben“, betonte Berlins „Chief Digital
       Officer“ (CDO) Florian Hauer am Montag im Innenausschuss des Berliner
       Abgeordnetenhauses. Die gesamte IT des Landes werde derzeit „so weiträumig
       wie möglich“ gescannt, auch der Notfallstab treffe sich weiterhin täglich,
       sagte der Staatssekretär.
       
       Vergangene Woche [1][war ein umfassender Hackerangriff auf die beiden
       Senatsverwaltungen] für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie
       für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen bekannt geworden. Bereits am 14.
       August waren die beiden Behörden deshalb vom Landesnetz – der zentralen
       Datenleitung der Berliner Verwaltung – getrennt worden. In den Häusern
       funktionierten weder das Internet noch externe Mailkommunikation. Es gab
       zudem Probleme mit der Auszahlung des Wohngelds sowie der Sozialleistung
       „Bildung und Teilhabe“. Zwischenzeitlich war auch [2][der Online-Antrag auf
       Briefwahl betroffen].
       
       Innensenatorin Iris Spranger (SPD) war am Montag bemüht, die Wogen zu
       glätten. „Stand jetzt ist die Wahl-Infrastruktur sicher“, sagte Spranger.
       Der Briefwahl-Antrag laufe wieder stabil, trotz „sehr enormen Zugriffs“,
       was man „24/7“ kontrolliere, so Spranger. Auch die Auszahlung des Wohngelds
       soll nicht in Gefahr sein, hieß es am Montag aus der Senatsverwaltung für
       Stadtentwicklung.
       
       Unterdessen läuft die Aufarbeitung der massiven Datenpanne. Zwar sollen
       [3][lediglich Geo-Daten gestohlen worden sein], die ohnehin öffentlich
       waren. Trotzdem legt der Angriff klaffende Lücken in Berlins
       IT-Infrastruktur offen, die einem Flickenteppich gleicht. Etwa betrieben
       die betroffenen Verwaltungen ihr Netz nicht beim zentralen IT-Dienstleister
       des Landes, dem ITDZ, sondern in Eigenregie, was es mutmaßlich leichter
       angreifbar machte.
       
       ## Details nur hinter verschlossenen Türen
       
       „Wir sind überrascht, wie groß das IT-System des Landes ist“, räumte CDO
       Hauer ein. Und stellte klar: „Es gibt strukturelle Defizite in der
       IT-Infrastruktur Berlins. Die nächste Regierungskoalition ist gefordert,
       die zu beheben.“ Genauere Infos zum Hackerangriff und Details zu den nun
       laufenden Maßnahmen wollte Hauer nicht öffentlich geben; sowohl der
       Innenausschuss am Vormittag als auch der Digitalausschuss am Nachmittag
       tagten zwischenzeitlich hinter verschlossenen Türen.
       
       Grünen-Digitalpolitiker Stefan Ziller forderte erneut eine Zentralisierung
       der IT-Infrastruktur beim ITDZ. Bislang laufe das zu langsam: „Die meisten
       Bezirke haben noch nicht einmal Gespräche darüber geführt“, kritisierte
       Ziller im Digitalausschuss. Die Migration müsse sich „substanziell
       beschleunigen“, wobei aber die verschiedenen Segmente voneinander getrennt
       werden müssten, um Angriffe zu erschweren. „Das funktioniert wie
       Brandschutztüren“, erklärte Ziller.
       
       ## IT-Dienstleister in der Krise
       
       Allerdings genießt das ITDZ keinen guten Ruf. Zuletzt hatten sich dort
       Probleme gehäuft: Etwa musste die Anstalt mehrfach vor der
       Zahlungsunfähigkeit gerettet werden. Hintergrund waren Streitereien über
       Rechnungen, die von der Senatskanzlei wiederholt nicht rechtzeitig bezahlt
       wurden. Zudem wird Leiterin Maria Borelli vorgeworfen, Aufträge am
       Aufsichtsrat vorbei vergeben und so gegen das Vergaberecht verstoßen zu
       haben.
       
       Trotzdem pochen auch weitere Abgeordnete und Vertreter*innen des Senats
       auf die Stärkung des ITDZ. Vor einem Jahr hatte der Senat sogar eine
       Cybersicherheitsstrategie für Berlin erstellt, laut der dem ITDZ eine
       zentrale Rolle bei der IT-Sicherheit zukommt. Was seitdem passiert ist, ist
       unklar.
       
       CDO Florian Hauer nutzte am Montag noch einmal die Gelegenheit, schnelle
       Nachbesserungen anzumahnen. Denn, so Hauer: „Nach dem Hackerangriff ist vor
       dem Hackerangriff.“ Jeden Monat würden im Schnitt mehr als eine Million
       Cyberattacken erfolgreich abgewehrt.
       
       24 Aug 2026
       
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