# taz.de -- Müllbekämpfung in Berlin: Räum weg den Scheiß!
> Berlin und Müll, das passt zusammen. Damit soll aber bald Schluss sein,
> fordern Grüne und Linkspartei. An der Umsetzung hapert es jedoch.
(IMG) Bild: Müllberge sind Alltag am Kottbusser Tor
Kottbusser Tor, Dienstagmorgen. Es stinkt. Trittsicherheit ist hier
gefragt, sonst droht man auf labbrigen Essensresten, benutzten
Feuchttüchern und Visitenkarten in Holografie-Optik auszurutschen oder sich
an zersplitterten Glasflaschen zu verletzen.
Am Nachmittag soll es hier aber schon ganz anders aussehen: Im Wendehammer
der Dresdener Straße empfängt die grüne Bezirksbürgermeisterin Clara
Herrmann Journalist*innen und Reinigungscrew zu einer
Sonderreinigungsaktion.
„Das ist eine einmalige Sonderaktion“, sagt Herrmann. Rund 20.000 Euro
koste es, den Bereich um das Kottbusser Tor aufzuräumen. „Der Bezirk
finanziert die Sonderreinigung aus City-Tax-Mitteln“, betont sie. Gemeinsam
mit der Berliner Stadtreinigung BSR habe man Firmen beauftragt, die die
Sonderreinigung in Angriff nehmen. Der Kotti wird bereits als höchste
Reinigungsklasse eingestuft. Das bedeutet, dass eine reguläre Reinigung in
der Regel zehnmal wöchentlich stattfindet.
„Am Zustand heute Morgen sehen wir, dass das für so hochfrequentierte
Hotspots nicht ausreichend ist“, sagt Herrmann. „Ich denke, wir brauchen
wöchentlich eine Sonderreinigung.“ Die Sonderreinigung am Dienstagmorgen
knüpft an die Aktionstage des Projekts [1][Kotti räumt auf] an, die im
September 2025 stattfanden. „Das Thema Sauberkeit bewegt die ganze Stadt“,
sagt Herrmann.
Der Themenschwerpunkt Müll wird vor der Abgeordnetenwahl auch von Grünen
und Linken prominent aufgegriffen. Das wundert, denn das Thema ist
eigentlich eher eines, mit dem bisher konservative und rechte Parteien
punkten konnten. So fordert, wenig überraschend, auch die CDU mehr
Sauberkeit. Spitzenkandidat Stefan Evers möchte dafür etwa
Empfänger*innen von Sozialleistungen zum Putzen verdonnern. Aber auch
die [2][Grünen haben im Juni den parlamentarischen Antrag „Eine saubere
Stadt für alle!“ vorgestellt.]
## Müllbekämpfung von links
Auch die Linke geht das „Müll-Chaos“ an, wie sie es nennt. Bereits im März
besprachen sie bei einer Wahlkampfveranstaltung [3][Vorschläge für ein
saubereres Berlin]. Bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag, mitten
auf dem Gehweg der Koloniestraße im Wedding, stellt die Linkspartei einen
5-Punkte-Plan vor. Denn „der Müll nervt“, sagt Kerstin Wolter,
Landesvorsitzende der Berliner Linken. Bei Haustürgesprächen habe ihre
Partei festgestellt, dass vor allem die Themen Mieten und Müll die Leute
beschäftigen.
Deswegen packen sie auch selbst an: Ausgerüstet ist die linke Putzkolonne
mit einem großen Auto für den Sperrmüll und Mülltüten und Greifzangen. Nach
Müll müssen sie auf der Koloniestraße nicht lange suchen. Keine drei Meter
weiter stehen zwei abgebaute Holzbetten an einen Baumstamm gelehnt.
Kleidung, Bücher und Vapes liegen auf dem Boden verstreut, Pizzakartons und
Lieferdiensttüten säumen den Boden und ziehen Fliegen an.
Besonders im Wedding sei das Thema Müll ein Linken-Thema. „Der Wedding ist
ein Arbeiterkiez“, sagt Martha Kleedörfer, Linken-Kreischefin in Mitte. Für
die Linke sei es besonders „eine Frage des Respekts“ gegenüber denjenigen,
die bereits durch hohe Mieten und harte Arbeit belastet sind, die Kieze
sauber zu halten.
## Uneinigkeiten bei der Finanzierung
Wie finanziert man das? Die CDU fordert die Anhebung der Müllgebühr. 50
Cent pro Monat mehr sollten dann pro Haushalt anfallen, schreibt die
[4][Morgenpost]. Die Bezirksbürgermeisterin und Grüne Clara Herrmann sieht
das anders: „Die Kosten dürfen nicht die Anwohnenden belasten“, sagt sie.
Sie plädiert für eine berlinweite [5][Verpackungssteuer], wie sie auch in
Tübingen bereits erfolgreich entwickelt wurde und gerichtlich gesichert
gibt. 50 Millionen Euro im Jahr würde sie bringen, hat der BUND errechnet.
Eine Vorlage dafür wurde im Abgeordnetenhaus im Januar 2025 auf Antrag der
Grünen debattiert. Dabei hatte sich die Linksfraktion enthalten. Der Senat
hat im Mai 2026 den Antrag abgelehnt, weil sie eine „bürokratische
Belastung der Gewerbetreibenden“ darstelle, sagt Herrmann. Die Linke hat
eine Verpackungssteuer beim jüngsten Parteitag aus ihrem Wahlprogramm
gestrichen. Sie fordert stattdessen ein „Berliner Pfandsystem“ für
Kaffeebecher. Wie dieses System genau aussehen soll, ist nicht ersichtlich.
Wer jedoch dafür zahlen soll, ist klar: Die Linke fordert Umverteilung,
Luxusvillensteuer und eine Vermögenssteuer vom Bund. „Menschen, die
Grundstücke und Wohnungen im Wert von über 4 Millionen Euro haben, können
auch steuerlich stärker belastet werden“, sagt Spitzenkandidatin Elif
Eralp.
26 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Claudius-Proesser-hat-prominente-MuellsammlerInnen-beobachtet/!6105440/
(DIR) [2] /Megathema-Muell-in-Berlin/!6186176
(DIR) [3] /Muellberge-in-der-Hauptstadt/!6163964
(DIR) [4] https://www.morgenpost.de/berlin/article412933465/berliner-cdu-will-muellgebuehren-erhoehen-so-viel-mehr-sollen-haushalte-kuenftig-zahlen.html
(DIR) [5] /Steuer-auf-Einweg-Verpackungen-in-Berlin/!6104467
## AUTOREN
(DIR) Ann Toma-Toader
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