# taz.de -- Nach den Wahlen in Sambia: Sambia pocht auf seine Souveränität
       
       > Die Regierung des wiedergewählten Präsidenten Hichilema weist Kritik von
       > Commonwealth und EU zurück. Gerichtsgebäude werden abgeriegelt.
       
 (IMG) Bild: Am 13. August 2026 fanden in Sambia Parlamentswahlen statt
       
       Vor neun Jahren half das Commonwealth, die Freilassung des damals
       inhaftierten sambischen Oppositionsführers Hakainde Hichilema
       herbeizuführen. Heute entzweit Hichilemas umstrittene Wiederwahl als
       Präsident Sambia und den Staatenbund ehemaliger britischer Kolonien.
       
       Die ghanaische Commonwealth-Generalsekretärin Shirley Botchwey hat Sambias
       Regierung zu einem „Ende wahlloser Festnahmen, rechtsstaatliche Verfahren
       und die Freilassung aller aus politischen Gründen Inhaftierter“ aufgerufen.
       Man sei „bestürzt“ über diese Vorgänge im Nachgang der Wahlen vom 13.
       August. Mehrere Oppositionelle wurden wegen eines angeblichen Umsturzplanes
       festgenommen, Ex-Minister Mutotwe Kafwaya starb dabei.
       
       Kafwaya war ein Verbündeter des bei den Wahlen unterlegenen
       Oppositionsführers Brian Mundubile. Mundubile spricht von verbreiteter
       Wahlfälschung und sieht sich darin von den Wahlbeobachtern der EU
       bestätigt, die mangelnde Transparenz bei der zeitweiligen [1][Aussetzung
       der Stimmauswertung] nach der Wahl und der nachfolgenden Wiederaufnahme
       moniert haben. Die Wahlkommission erklärte am vergangenen Montag Präsident
       Hichilema [2][zum Wahlsieger] mit 60,94 Prozent der Stimmen, gegen 38,87
       Prozent für Mundubile.
       
       Die EU geht zwar nicht so weit, Hichilemas Wahlsieg anzuzweifeln. Doch ein
       EU-Sprecher sagte: „Die Erklärung der EU-Beobachtermission verweist auf
       ernsthafte Vorfälle und Verfahrensunregelmäßigkeiten während der Auszählung
       und Auswertung, die sich auf die Transparenz und die Glaubwürdigkeit des
       Verfahrens auswirken.“
       
       ## „Funktionierende Verfassungsorgane“
       
       Das ärgerte Hichilemas Regierungspartei UPND (United Party for National
       Development). „Sambia ist ein souveräner Staat mit funktionierenden
       Verfassungsorganen, die mandatiert sind, die Bürger zu schützen und die
       nationale Sicherheit zu wahren“, sagte Parteisprecher Mark Simuuwe. Er
       verteidigte die Festnahmen von Oppositionellen: Die Polizei müsse
       Verdachtsfällen nachgehen und am Ende entscheide die unabhängige Justiz.
       
       „Die UPND ruft daher das Commonwealth, die EU und andere internationale
       Partner dazu auf, Sambias demokratische Institutionen zu unterstützen, die
       Souveränität des Landes zu respektieren und einheitliche Maßstäbe im Kampf
       gegen Terrorismus und Aufstände anzulegen“, so Simuuwe weiter.
       
       Der unabhängige Analyst Daves Kunda merkt dazu an, dass die
       Regierungspartei damit die Opposition in die Nähe von Terroristen und
       Aufständischen rückt. Dieses Framing solle mögliche internationale
       Strafmaßnahmen gegen Sambia, etwa Sanktionen seitens der EU oder des
       Commonwealth, erschweren.
       
       ## Frist zur Wahlanfechtung vor Gericht läuft ab
       
       Der Opposition bleibt nun bloß der Gang vor das Verfassungsgericht, um die
       Wahl anzufechten. Aber die Frist dafür lief am Montag ab, und die Regierung
       verkündete kurzfristig die [3][Schließung aller Gerichte] an diesem Tag und
       ließ die wichtigsten Gerichtsgebäude polizeilich abriegeln, was das
       Einreichen einer Wahlanfechtung unmöglich machen dürfte.
       
       Mundubiles Wahlbündnis Tonse (Koalition) ist sich ohnehin uneins über den
       Sinn einer Wahlanfechtung. Der prominente Tonse-Mitgründer Chris Zumani
       Zimba ist dagegen: „Lasst Dialog, Heilung, Frieden und Versöhnung walten,
       um denen zu dienen, die verhaftet wurden oder sich versteckt halten“, sagte
       er.
       
       Ein Gerichtsverfahren um die Wahlen würde unweigerlich Altlasten auf den
       Tisch bringen. 2016 hatte Sambias damalige Opposition unter Hichilema den
       [4][Wahlsieg des damaligen Präsidenten Lungu] angefochten. Die Klage wurde
       vom Verfassungsgericht liegengelassen und irgendwann wegen Ablaufs von
       Fristen für ungültig erklärt – entschieden wurde über die Anfechtung nie.
       
       2017 saß Hichilema dann unter dem Vorwurf des Hochverrats [5][vier Monate
       in Haft], weil sein Autokonvoi sich geweigert hatte, auf der Straße dem
       Autokonvoi von Präsident Lungu zu weichen. Die damalige
       Commonwealth-Generalsekretärin Patricia Scotland musste nach Sambia reisen,
       um in Verhandlungen seine Freilassung zu erwirken. Hichilema [6][gewann
       schließlich Sambias nächste Wahlen 2021].
       
       24 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Spannungen-nach-den-Wahlen-in-Sambia/!6204433
 (DIR) [2] /Sambias-Praesident-wiedergewaehlt/!6205232
 (DIR) [3] https://x.com/daddyhope/status/2091799810294665221
 (DIR) [4] /Wahl-in-Sambia/!5325422
 (DIR) [5] /Anklage-gegen-Sambias-Oppositionsfuehrer/!5397801
 (DIR) [6] /Machtwechsel-in-Sambia/!5789619
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Arnold Mulenga
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Sambia
 (DIR) Hakainde Hichilema 
 (DIR) Edgar Lungu
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Sambia
 (DIR) Sambia
 (DIR) Sambia
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Sambias Präsident wiedergewählt: Ein Wahlsieg mit Schönheitsfehlern
       
       Mit über 60 Prozent sichert sich Sambias Präsident Hichilema den Verbleib
       im Amt. Aber der Einsatz des Militärs gegen die Opposition wirft Fragen
       auf.
       
 (DIR) Spannungen nach den Wahlen in Sambia: Opposition beansprucht Wahlsieg
       
       Sambias Oppositionsführer Mundubile erklärt sich zum Wahlsieger. Die
       Wahlkommission setzt nach Gewaltvorwürfen die Stimmauszählung aus.
       
 (DIR) Sambia vor den Wahlen: Eine vergiftete Demokratie
       
       Am Donnerstag will sich Sambias Präsident Hichilema wiederwählen lassen.
       Sein einstiger Hauptrivale Lungu ist tot, das politische Klima angespannt.