# taz.de -- Sambias Präsident wiedergewählt: Ein Wahlsieg mit Schönheitsfehlern
       
       > Mit über 60 Prozent sichert sich Sambias Präsident Hichilema den Verbleib
       > im Amt. Aber der Einsatz des Militärs gegen die Opposition wirft Fragen
       > auf.
       
 (IMG) Bild: Anhänger des sambischen Präsidenten Hakainde Hichilema feiern dessen Wiederwahl in Lusaka am 18.08.2026
       
       Es war eine Zeit der Anspannung, doch nun steht fest: Sambias Präsident
       bleibt im Amt. Die Wahlkommission ECZ erklärte am Montagabend den seit 2021
       regierenden [1][Hakainde Hichilema] zum Sieger der [2][Wahlen vom
       vergangenen Donnerstag]. Er erhielt 60,5 Prozent der Stimmen, sein
       wichtigster Herausforderer [3][Brian Mundubile] 37,9 Prozent. Bei den
       Parlamentswahlen sicherte sich Hichilemas [4][UPND (United Party for
       National Development)] nach aktuellen Angaben eine ganz knappe Mehrheit von
       141 der 280 Sitze.
       
       „Nach einem harten Wahlkampf hat das Volk gesprochen“, sagte Hichilema in
       seiner Rede und lobte Sambia als ein friedliches und demokratisches Land.
       Es müsse nun um Frieden und Wohlstand gehen.
       
       Der 64-jährige Hichilema kann nun für weitere fünf Jahre sein Programm der
       Wirtschaftsreformen verfolgen: Umschuldungen, Werben um mehr ausländische
       Investitionen und Ausbau des Bergbaus als Säule der sambischen
       Volkswirtschaft. Oppositionsführer Mundubile hatte demgegenüber Maßnahmen
       gegen hohe Lebenshaltungskosten und für ein inklusiveres Wachstum in den
       Vordergrund seiner Kampagne gestellt.
       
       Doch die Opposition gibt sich mit dem Wahlergebnis nicht zufrieden. Im
       Wahlkampf seien die Oppositionsparteien, die sich in der [5][Wahlallianz
       Tonse] (Koalition) zusammengefunden hatten, benachteiligt worden, sagte
       Mundubile und sprach von selektiver Gesetzesanwendung, Einschüchterung und
       den Einsatz staatlicher Institutionen gegen die Opposition.
       
       ## Auszählung mehrere Stunden lang ausgesetzt
       
       Nachdem der Wahltag friedlich verlaufen war und es nur wenige
       wechselseitige Vorwürfe von Unregelmäßigkeiten gab, hatten sich die
       Spannungen während der Auszählung entladen, als Mundubile am Freitag
       vorzeitig seinen Wahlsieg verkündete und die Wahlkommission daraufhin
       zeitweise die Stimmauszählung unterbrach, weil Wahlhelfer angegriffen und
       Stimmzettel gestohlen worden seien. Unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen
       wurde die Auszählung nach sechs Stunden schließlich fortgesetzt, und der
       uneinholbare Vorsprung Hichilemas zeichnete sich dann relativ schnell ab.
       
       „Bleiben wir darauf fokussiert, ein wohlhabendes Sambia aufzubauen, in dem
       niemand zurückgelassen wird“, erklärte die UPND, als ihr Wahlsieg sicher
       war. „Die Reise geht weiter, und mit eurer Unterstützung stehen noch
       größere Errungenschaften bevor.“ Hichilema tritt seine zweite Amtszeit
       unter hohen Erwartungen an. Seine erste Amtszeit verringerte zwar Sambias
       Auslandsschuldenlast und holte Großinvestitionen in den Kupferbergbau, aber
       hartnäckig große Armut, Arbeitslosigkeit und Inflation bleiben Probleme für
       die Bevölkerung und liefern der Opposition ein Dauerthema.
       
       Der Frust darüber wurde von Mundubile im Wahlkampf in den Vordergrund
       gestellt und ist nach den Wahlen nicht verschwunden. Hichilemas
       Herausforderung ist nun, volkswirtschaftliche Verbesserungen in spürbare
       Verbesserungen der Lebensumstände zu übersetzen und zugleich das stark
       gesunkene Vertrauen der Opposition in die Integrität der Regierung und der
       Institutionen wiederherzustellen.
       
       ## Oppositionsführer kurzzeitig von Spezialkräften festgesetzt
       
       Dass in den Tagen nach der Wahl Soldaten gegen die Opposition eingesetzt
       wurden, hat Spuren hinterlassen. Es begann mit einer Razzia im Haus von
       Mundubile am Freitag, direkt nachdem er in sozialen Medien seinen Wahlsieg
       verkündet hatte, obwohl noch nichts feststand. Als Mundubile die Razzia als
       Mordanschlagsversuch darstellte, wurde er festgenommen. Die Regierung
       bestritt, dass die Polizei Mundubile festgenommen habe. Daraufhin stellte
       sich heraus, dass Mundubile sehr wohl festgenommen worden war, aber nicht
       von der Polizei, sondern von Spezialkräften der Armee. Diese wurden nach
       dem Fund eines Waffenlagers mit Kriegsgerät eingesetzt.
       
       Die Soldaten nahmen nicht nur Mundubile mit, sondern auch
       Familienangehörige, darunter seine 12-jährigen Zwillinge. Erst nach einer
       Intervention der Wahlbeobachtermission der Regionalgemeinschaft des
       südlichen Afrikas (SADC) sei er wieder freigekommen, erklärte Mundubiles
       Oppositionsbündnis Tonse.
       
       Unter den insgesamt elf festgenommenen Oppositionspolitikern waren Tansila
       Lungu, Tochter von Hichilemas verstorbenem Vorgänger als Präsident, Edgar
       Lungu; sowie Bishop Trevor Mwamba, Führer der zur Opposition gehörenden
       ehemaligen Staatspartei UNIP (United National Independence Party) von
       Sambias erstem Präsidenten [6][Kenneth Kaunda] und Schwiegersohn des
       früheren Präsidenten von Botswana, [7][Ketumile Masire]. Den
       Oppositionsabgeordnete Mutote Kafwaya trafen zwei Schüsse in die Brust,
       bevor er mit seiner Familie in ein Auto gestopft und weggefahren wurde; von
       ihm fehlt jede Spur.
       
       Die Oppositionellen hätten Sambias Frieden und Verfassungsordnung mit
       Gewalt untergraben wollen, lautete der Vorwurf gegen sie. Mundubile sei „am
       Tatort angetroffen“ worden. Gemeint war ein Fundort von Kriegswaffen,
       Munition und angeblichen Milizionären in Kabulonga in Sambias Hauptstadt
       Lusaka. Ein bewaffneter Aufstand sei in Vorbereitung gewesen, mit
       Verbindungen zu Ausländern und illegalen Trainingslagern, erklärten die
       Behörden. Die Soldaten seien aus dem Gebäude heraus beschossen worden,
       bevor sie es stürmten. Mehrere Verdächtige seien auf der Flucht, man gehe
       davon aus, dass sie versuchten, das Land zu verlassen, erklärte die
       Regierungspartei UPND und sprach von einer „ernsten Bedrohung der
       sambischen Demokratie und der Sicherheit der Bürger“.
       
       ## War ein bewaffneter Aufstand in Vorbereitung?
       
       Der hochrangige Einwanderungsbeamte Masheke Masheke wurde am Montag von
       Sambias Migrationsbehörde suspendiert und danach in Gewahrsam genommen,
       weil er angeblich in den frühen Morgenstunden die illegale Ausreise eines
       Jonas Zimba nach Simbabwe am Grenzübergang Victoria Falls in Livingstone
       ermöglichen wollte. Später am Montag wurde der frisch gewählte
       Oppositionsabgeordnete Lukas Simumba im Zusammenhang mit den angeblichen
       Aufstandsvorbereitungen festgenommen.
       
       Mundubile hat die Vorwürfe kategorisch zurückgewiesen und von
       Unregelmäßigkeiten bei der Stimmauswertung gesprochen. „Sambias Volk
       verdient einen transparenten, überprüfbaren und glaubwürdigen Wahlprozess“,
       sagte er. Soldaten hätten unzulässig die Kontrolle von
       Stimmauswertungszentren übernommen und Veränderungen der Zahlen überwacht,
       so der Vorwurf. Internationale Wahlbeobachter sagen, sie hätten während der
       sechsstündigen Suspendierung der Auszählung keine Einsicht in den
       Auszählungsprozess gehabt.
       
       Man kann zwar nicht sagen, dass diese Wahlen Sambia in Instabilität
       gestürzt haben. Aber sie haben die Tiefe der politischen Spaltung Sambias
       offenbart – politisch ist das Land jetzt eine tickende Zeitbombe.
       
       18 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Hakainde_Hichilema
 (DIR) [2] https://en.wikipedia.org/wiki/2026_Zambian_general_election
 (DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Brian_Mundubile
 (DIR) [4] https://en.wikipedia.org/wiki/United_Party_for_National_Development
 (DIR) [5] https://en.wikipedia.org/wiki/Tonse_Alliance
 (DIR) [6] /Kenneth-Kaunda-ist-tot/!5779822
 (DIR) [7] /Kolumne-Afrobeat/!5423849
       
       ## AUTOREN
       
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