# taz.de -- Parlamentswahl in Kasachstan: Tokajew marschiert durch
> Bei den Parlamentswahlen in Kasachstan siegen die Parteien, die dem Kurs
> des Staatschefs folgen. Das Land hat enge Bande mit Russland und China.
(IMG) Bild: Erste Wahl nach der Verfassungsänderung in Kasachstan am 22. August 2026
Er stand überhaupt nicht zur Wahl, ist jedoch der eigentliche Sieger:
Kasachstans Präsident Kassim-Schomart Tokajew. Bei den vorgezogen
Parlamentswahlen am Sonntag hat die Partei Adilet (Gerechtigkeit), die
Tokajew offen unterstützt, laut Angaben der Zentralen Wahlkommission 71,17
Prozent der Stimmen erhalten.
Zudem werden mindestens vier weitere Parteien, alle ebenfalls stramm auf
Kurs des Staatschefs, in das Parlament (Kulturaj) einziehen. Oppositionelle
Parteien sowie unabhängige Kandidat*innen waren nicht zugelassen.
Insgesamt waren bei der Abstimmung nach reinem Verhältniswahlrecht 145
Mandate zu vergeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 74 Prozent.
Die Wahlen vom Sonntag waren die ersten seit einer umfassenden
Verfassungsreform in dem zentralasiatischen Staat mit rund 20 Millionen
Einwohner*innen, der mit Russland verbündet ist und enge Beziehungen zu
China hat. Das angepasste Grundgesetz war im vergangenen Mai bei einem
Referendum angenommen worden und am 1. Juli in Kraft getreten.
Zu den Neuerungen zählen die Ersetzung des Zweikammerparlaments (Medschlis
und Senat) durch eine Abgeordnetenkammer (Kulturaj). Diese Änderung, so
Befürworter*innen, solle die Rolle von Parteien und Fraktionen stärken.
Davon profitiert jetzt vor allem Adilet. Die Partei war erst im vergangenen
Mai gegründet worden und hatte sich alsbald mit der Gruppierung Amanat
zusammen geschlossen, die eng mit Tokajews langjährigem Vorgänger Nursultan
Nasarbajew verbunden ist.
Nach wie vor verfügt das Staatsoberhaupt über weitreichende Vollmachten. So
schlägt der Präsident den Vorsitzenden des Parlaments vor. Dieses kann er
auflösen, wenn die Abgeordneten die Kandidatur zweimal ablehnen. Zudem wird
erneut das Amt eines Vizepräsidenten wieder eingeführt, das der Präsident
besetzt.
## Schwere Unruhen 2022
Dabei hatte Tokajew, seit 2019 im Amt, ursprünglich angekündigt, das Erbe
Nazarbajews abzuwickeln und das „super-präsidentielle“ Regierungssystem zu
reformieren. Anlass dafür waren schwere Unruhen im Januar 2022, bei denen,
offiziellen Angaben zufolge, 238 Menschen ums Leben gekommen waren. Tokajew
hatte seinerzeit vom „Versuch eines Staatsstreichs“ gesprochen. Der genaue
Ablauf der Ereignisse und die Rolle verschiedener daran beteiligter Kräfte
ist bis heute nicht abschließend geklärt.
An den autoritären Langzeitherrscher Nasarbajew erinnert auch der Umgang
mit Aktivist*innen und kritischen Medien rund um die Wahlen. Mehrere
Aktivist*innen berichteten, dass sie von ihrem Wahlrecht keinen
Gebrauch hätten machen können. Laut der US-Nichtregierungsorganisation
Committee to Protect Journalists (CPJ) seien seit Mitte Juli fünf bekannte
Journalisten inhaftiert oder verurteilt worden, während gegen zwei weitere
Medienschaffende Strafverfahren eingeleitet wurden. Zudem wurden mehrere
von ihnen mit einem Berufsverbot belegt.
Übrigens: Die überarbeitete Verfassung ermöglicht es Tokajew, bei den
Präsidentenwahlen im Jahr 2029 erneut anzutreten. Ob der aktuell 73-Jährige
diesen Schritt auch wirklich gehen will, ließ er auf entsprechende
Nachfragen am Wahlabend offen.
24 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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