# taz.de -- Parlamenswahlen in Kasachstan: Auslese statt Wahl
> Machthaber Tokajew hatte Reformen versprochen, das Gegenteil ist
> eingetreten. Die Wahlen festigen nun seine Herrschaft.
(IMG) Bild: Hat die Parlamentswahlen gewonnen: Kassym-Schormat Tokajew, Präsident von Kasachstan
Kassim-Schomart Tokajew im Wunderland? Von wegen. Der kasachische Präsident
hat bei den Parlamentswahlen am Sonntag genau das bekommen, was er wollte.
Wie erwartet fährt die Partei Adilet, die Tokajew stützt, mit über 70
Prozent einen geschmeidigen Sieg ein.
Das ist zwar deutlich weniger als bei entsprechenden Pseudoabstimmungen in
Belarus – hingegen immerhin ein Ergebnis, an das die Partei Einiges
Russland von Wladimir Putin bei den Duma-Wahlen im September kaum
herankommen dürfte. Auch die vier anderen Parteien, die im neuen
Einkammerparlament des zentralasiatischen Landes vertreten sein werden,
fressen Tokajew aus der Hand. Oppositionsparteien und unabhängige
Kandidat*innen waren übrigens gar nicht erst zugelassen – eine Art der
Auslese, die auch unter Tokajews langjährigem Vorgänger Nursultan
Nasarbajew gang und gäbe war.
Dabei war es ausgerechnet Tokajew, [1][der nach den schweren Unruhen im
Januar 2022 mit 238 Toten versprochen hatte], mit dem unseligen
autokratischen und kleptokratischen Erbe von Nasarbajew aufzuräumen und
grundlegende Veränderungen einzuleiten – inklusive der Abschaffung des
super-präsidentiellen Regierungsmodells.
Doch genau das Gegenteil ist eingetreten. Nicht nur die politische
Opposition ist kaltgestellt. Kritische Medien, so es sie überhaupt noch
gibt, sehen sich wachsendem Druck ausgesetzt. Auch von der vollmundig
angekündigten Reform des Regierungssystems ist keine Rede mehr
Die renovierte Verfassung, [2][die diesen Juli in Kraft trat], sieht für
das Staatsoberhaupt nach wie vor umfassende Vollmachten vor. Hinzu kommt,
dass Tokajews Amtszeit – er ist seit 2019 an der Macht – praktischerweise
auf null zurückgestellt wird. Er kann damit bei den Präsidentenwahlen 2029
erneut antreten. Kurzum: Tokajew kann weiter unbehelligt durchregieren. Für
die Kasach*innen sind das keine guten Aussichten.
24 Aug 2026
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