# taz.de -- Referendum in Kasachstan: Noch mehr Macht für Tokajew
> Eine deutliche Mehrheit der Kasach*innen stimmt am Sonntag für eine
> Verfassungsreform. Der Präsident kann jetzt noch effektiver
> durchregieren.
(IMG) Bild: Stimmabgabe in einem Wahllokal in Almaty. Die Bürger waren aufgerufen, über die neue Verfassung in Kasachstan abzustimmen
In Kasachstan ist am Sonntag [1][eine neue Verfassung] angenommen worden.
Angaben der Zentralen Wahlkommission vom Montag zufolge stimmten 87 Prozent
der Wähler*innen für die Reform des [2][Grundgesetzes aus dem Jahr
1995]. Die Wahlbeteiligung lag bei 73 Prozent. Am niedrigsten war sie mit
33,4 Prozent in der größten kasachischen Stadt Almaty – bis 1997 Hauptstadt
des zentralasiatischen Staates, der insgesamt knapp 21 Millionen
Einwohner*innen zählt.
[3][Präsident Kassym-Schomart Tokajew, seit 2019 an der Macht], hatte am
Sonntag nach der Stimmabgabe von einem schicksalhaften Tag für Kasachstan
gesprochen. „Die neue Verfassung bekräftigt die territoriale Integrität,
Unabhängigkeit und Souveränität unseres Landes“, sagte Tokajew.
Die Bevölkerung war von dem bevorstehenden Referendum erst im vergangenen
Januar in Kenntnis gesetzt worden. In den vergangenen Wochen hatte Tokajew
mehrfach betont, dass die Änderungen darauf abzielten, das Land von einer
„superpräsidentiellen“ Regierungsform hin zu einer präsidentiellen Republik
mit einem einflussreichen Parlament zu entwickeln.
Doch davon kann laut Expert*innen keine Rede sein. Das Gegenteil ist der
Fall. Vom Umbau des politischen Sytems profitiert vor allem der Staatschef
– in diesem Fall Tokajew. Demgegenüber büßt das Parlament an
Machtbefugnissen ein.
## Von einer Kandidatur ausgeschlossen
Die Volksvertretung, die bislang aus zwei Kammern bestand, wird durch ein
Einkammerparlament ersetzt. Alle 145 Abgeordneten werden über Parteilisten
(Verhältniswahl) gewählt. Damit sind unabhängige Bewerber*innen von
einer Kandidatur ausgeschlossen. Hinzu kommt, dass die Registrierung von
neuen politischen Parteien, wenn sie überhaupt erfolgt, Jahre dauern kann.
Ohne Mitwirkung des Parlaments kann der Präsident künftig den
Generalstaatsanwalt, die Vorsitzenden des Verfassungsgerichts, des Obersten
Gerichts und der Nationalbank sowie den Leiter des Nationalen
Sicherheitskomitees ernennen.
Der Entwurf sieht außerdem die Einrichtung des Amtes eines Vizepräsidenten
vor. Diesen ernennt der Präsident mit Zustimmung des Parlaments. Sollten
die Abgeordneten sich dem Ansinnen jedoch zweimal verweigern – das Gleiche
gilt für die Ämter des Regierungschefs und des Parlamentsvorsitzenden –,
kann der Staatschef das Parlament auflösen und dann mit Dekreten regieren,
die Gesetzeskraft haben.
Auch der Abschnitt „Grundrechte, Freiheiten und Pflichten“ ist in der neuen
Verfassung geändert. Demnach wird die Ehe als „eine freiwillige und
gleichberechtigte Verbindung zwischen Mann und Frau“ definiert, die vom
Staat gemäß dem Gesetz registriert wird. Eine entsprechende Vorschrift
hatte der Präsident im vergangenen Dezember unterschrieben.
## Stärkung der Familie
Diese Norm unterstreiche die Bedeutung der Familie in der Gesellschaft,
daher sei dieses Prinzip gerechtfertigt. „Es wird dazu beitragen, die
Stabilität der Familie zu stärken, traditionelle Werte auf rechtlicher
Ebene zu schützen und die Rechte und legitimen Interessen von Frauen zu
stärken“, hatte die Ministerin für Kultur und Information, Aida Balajewa,
allen Ernstes Anfang Februar behauptet.
Dass Tokajew sehr eigene Vorstellungen von Grundrechten und Freiheiten hat,
wurde auch am Tag der Abstimmung deutlich. In der Hauptstadt Astana wurden
mehrere Journalisten sowie drei weitere Personen kurzzeitig festgenommen.
„Wenn ein Journalist einen redaktionellen Auftrag und eine offizielle
Akkreditierung hat, hat niemand das Recht, seine Arbeit einzuschränken“,
sagte Gulmira Birscanowa von der Organisation Legal Media Center. Ein
Journalist könne nur dann eines Gesetzesverstoßes beschuldigt werden, wenn
er das Wahlgeheimnis verletzen würde.
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
kritisierte die Vorbereitung der Abstimmung. Die Wähler*innen hätten
nicht ausreichend Zeit gehabt, um sich über die Verfassungsänderungen zu
informieren. Anstelle einer vollständigen Beobachtungsmission hatte sie
lediglich ein kleines Team entsandt und dies mit Bedenken hinsichtlich der
Transparenz begründet.
16 Mar 2026
## LINKS
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(DIR) [3] /Praesidentschaftswahl-in-Kasachstan/!5896309
## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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