# taz.de -- UN-Umweltprogramm: Mehr Tempo in Sachen Klimaschutz
       
       > Die im Pariser Abkommen festgelegte 1,5-Grad-Grenze ist nicht zu halten.
       > Jetzt gilt erst recht, die Maßnahmen zur CO₂-Einsparung zu intensivieren.
       
 (IMG) Bild: Mauritius und andere Inseln werden bald Kollateralschäden des Klimawandels werden
       
       Es war ein Coup: Die Regierungen der Welt schrieben 2015 ins Pariser
       Weltklimaabkommen, dass sie die Erderhitzung bei „deutlich unter 2 Grad“
       und möglichst sogar bei 1,5 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten
       begrenzen wollen. Die 1,5-Grad-Grenze war [1][ein unwahrscheinlicher
       Verhandlungserfolg] von kleinen Inselstaaten wie Vanuatu im Südpazifik,
       Trinidad und Tobago in der Karibik oder wie Mauritius im Südwesten des
       Indischen Ozeans.
       
       Die Länder eint, dass sie kolonial ausgebeutet wurden von Staaten, die den
       eigenen Reichtum und die Industrialisierung antrieben und die damit die
       Klimakrise auslösten. Sie eint auch, ganz besonders unter der kaum
       mitverschuldeten Katastrophe zu leiden. Das Meer droht, diese Länder zu
       großen Teilen zu verschlingen. Die 1,5-Grad-Grenze nannten sie ihre
       „Rettungsleine“.
       
       2018 zeigte ein Sonderbericht des Weltklimarats, dass die Bedrohung von
       Mensch und Natur schon bei 2 Grad Erderhitzung tatsächlich deutlich größer
       ist als bei 1,5 Grad. Die Rettungsleine brauchte also eigentlich die ganze
       Welt. Ergriffen hat sie sie leider nicht. Wovor die Wissenschaft schon
       lange warnt, haben jetzt auch die Vereinten Nationen anerkannt: Nachdem
       etwa das Jahr 2024 im Durchschnitt schon 1,6 Grad heißer war als vor der
       Industrialisierung üblich, ist der dauerhafte Eintritt in die Ära jenseits
       der 1,5 Grad schon in den kommenden Jahren zu erwarten.
       
       [2][Das schreibt das UN-Umweltprogramm in einem Bericht]. Das heißt: mehr
       extreme Hitze, intensivere Stürme, mehr Dürre im Wechsel mit Starkregen,
       ein höherer Meeresspiegel – also verlorener Lebensraum, möglicherweise
       Ernte- und damit mehr Hungerprobleme, ganz allgemein mehr Gefahr. Besonders
       betroffen sind arme Länder, die wenig Mittel zur Anpassung haben. Auch das
       Risiko für unumkehrbare Schäden mit weltweiter Bedeutung steigt.
       
       ## Temperaturen rückwirkend drücken
       
       Das ist kein Wunder, denn trotz aller Klimaschutzappelle wird global
       gesehen immer mehr fossile Energie genutzt, die Treibhausgasemissionen
       [3][haben im vergangenen Jahr sogar ein neues Rekordhoch erzielt]. In
       Deutschland gehen die Emissionen zwar seit 1990 zurück, [4][oft genug aber
       vor allem wegen wirtschaftlicher Krisen]. Schwarz-Rot macht klimapolitische
       Fortschritte sogar wieder rückgängig, etwa [5][beim Heizungsgesetz] oder
       [6][bei der Erneuerbaren-Förderung].
       
       Das UN-Umweltprogramm hat sich auch damit beschäftigt, wie man die globalen
       Temperaturen nachträglich wieder in den 1,5-Grad-Bereich drücken könnte.
       Das bringt allerdings einmal verlorene Ökosysteme nicht wieder zurück.
       Außerdem brauchen wir dafür neben gesunden Wäldern und Mooren auch
       umfangreiche technische Methoden, die bislang als riskant, teuer und
       ineffizient gelten. [7][Sie sind noch nicht annähernd in ausreichendem Maße
       verfügbar].
       
       Wahr ist also immer noch: Es geht darum, so schnell wie möglich weg von
       fossilen Energieträgern zu kommen und damit die klimaschädlichen Emissionen
       zu reduzieren. Das allein bleibt die einzige echte Rettungsleine.
       
       5 Sep 2026
       
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