# taz.de -- Martin McDonaghs Film „Wild Horse Nine“: Dinos im Himmel
> Bei den Filmfestspielen in Venedig feiert der Regisseur Martin McDonagh
> einen Triumph. In seinem neuen Film schickt er zwei Stars auf die
> Osterinseln.
(IMG) Bild: Verloren zwischen großen Gesichtern: John Malkovic und Sam Rockwell
Venedig hat einen ersten Höhepunkt, der die Erwartungen sogar übertroffen
hat. Zum dritten Mal ist der irische Regisseur [1][Martin McDonagh in den
Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig eingeladen, nach „Three
Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (2017)] und [2][„The Banshees of
Inisherin“ von 2022], und zum dritten Mal begeistert er mit seinem bösen
Witz, der es ihm gestattet, frei von Kitschgefahr von durch und durch
menschlichen Nöten zu erzählen. „Wild Horse Nine“ heißt sein jüngster Film.
Was es mit der Zahl im Titel auf sich hat, ist etwas unklar, einige wilde
Pferde spielen darin jedenfalls eine Rolle.
McDonagh lässt im Sommer 1973 zwei in Chile stationierte CIA-Agenten eine
Reise auf die Osterinsel unternehmen. Der Militärcoup gegen den
chilenischen Präsidenten Salvador Allende steht kurz bevor, warum Chris
(John Malkovich) und Lee (Sam Rockwell) ausgerechnet auf die entlegene
Osterinsel reisen, bleibt zunächst offen. Dass Chris seiner Arbeit
überdrüssig ist, erfährt das Publikum ziemlich zu Anfang. Was Chris und Lee
sonst noch im Gepäck haben, zeigt sich dann nach und nach.
McDonagh, der auch Dramatiker ist, erfreut seit seinem Spielfilmdebüt
„Brügge sehen … und sterben?“ von 2008 immer wieder mit präzise
angespitzten Dialogen und seinem Gespür für das unaufhaltsame Eskalieren
von Konflikten. Davon gibt es einiges in „Wild Horse Nine“. Vor allem aber
bekommen Malkovich und Rockwell die Chance, sich zwischen dem grünen Gras
und den „großen Köpfen“ der Osterinsel in brutaler Zärtlichkeit die
abgebrühtesten Einsichten über das Leben und ihre Arbeit im Geheimdienst an
den Kopf zu werfen.
Lee dokumentiert die Reise mit einer Super-8-Kamera, was den Film durch die
eingeschobenen grobkörnigen Bilder optisch auflockert. Eine wehmütige
Abschiedsstimmung hängt über allem, grundiert von der getragenen Filmmusik
von Carter Burwell. Doch die Schwere verwandelt sich bei jeder neuen
dartpfeilgenau geworfenen Pointe in befreiendes Lachen. Manchmal bleibt es
einem im Hals stecken. Nicht jedoch, wenn Chris darüber nachdenkt, ob es im
Himmel auch Platz für gute Dinosaurier gibt.
4 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tim Caspar Boehme
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