# taz.de -- Film „Bucking Fastard“ von Werner Herzog: Was für ein merdammter Vistkerl
       
       > Regisseur Werner Herzog bekommt Genugtuung in Venedig mit seinem jüngsten
       > Streich, „Bucking Fastard“. Kate und Rooney Mara brillieren darin als
       > Schwestern.
       
 (IMG) Bild: Joan (Rooney Mara) und Jean Holbrooke (Kate Mara) suchen in „Bucking Fastard“ in erster Linie Liebe
       
       Wie der jüngste Film von Werner Herzog ist, hätte die Welt schon im Mai
       wissen können. [1][Da war der Regisseur mit „Bucking Fastard“ zu den
       Filmfestspielen von Cannes eingeladen]. Doch weil sein Opus nicht im
       Wettbewerb um die Goldene Palme konkurriert hätte, sondern in einer anderen
       Reihe des Festivals gelaufen wäre, ohne Aussicht auf den Hauptpreis, wollte
       Herzog auf einmal nicht mehr. Er zog den Film zurück.
       
       Dafür hat Venedig dann zugeschlagen, wunschgemäß im Wettbewerbsprogramm,
       sodass Herzog sich jetzt zumindest Hoffnungen auf den Goldenen Löwen machen
       kann. Ob es am Ende dazu kommen wird, lässt sich nach einem Festivaltag
       noch nicht mit Bestimmtheit sagen, aber Freunde des seltsamen Films kommen
       bei „Bucking Fastard“ mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ihre Kosten.
       
       Die Prämisse des Films, der überwiegend im ländlichen Irland spielt, mutet
       dabei schon einmal schrullig genug an: Zwei Schwestern, Jean und Joan
       Holbrooke, wirken äußerlich wie Zwillinge und verhalten sich so, als wären
       sie eine Person. Sie sprechen fast die ganze Zeit unisono, kleiden sich
       identisch, verrichten oft die gleiche Tätigkeit in Personalunion. Oder
       versuchen es wenigstens. Beim Sardinenbüchsenöffnen stoßen sie mit ihrer
       engen Verbundenheit durchaus an Grenzen.
       
       Vor allem aber verlieben sie sich in denselben Mann. Ihren Nachbarn,
       gespielt von Orlando Bloom. Als der plötzlich eine andere Frau heiratet,
       verfallen sie in liebestolle Rachsucht, die vor Gericht endet. Der Film
       beginnt denn auch in einem Verhandlungssaal.
       
       ## Toleranz für Quatsch
       
       Was beknackt klingen mag, ist dies auch in Teilen. Bloß wie die im echten
       Leben verschwisterten Schauspielerinnen Kate und Rooney Mara ihren Part als
       Quasi-Minichor meistern, macht den Film allein schon sehenswert und immer
       wieder schreiend komisch. Toleranz für Quatsch sollte man mitbringen,
       reiner Quatsch bleibt die Angelegenheit ohnehin nicht.
       
       Die Schwierigkeiten, die Jean und Joan im Alltag haben, führen sie aus
       ihrem Heimatort zunächst in die Stadt, wo sie neue Hindernisse erwarten.
       Spanner zum Beispiel, die sie durchs Fenster fotografieren und die Bilder
       online posten. Was für die Schwestern, die gar kein Internet haben, da sie
       in einer Art abgeschiedenen Parallelwelt leben, erst einmal schwer
       verständlich ist.
       
       Herzog filmt oft im Weitwinkel, lässt dabei vor allem die Männer, die sich
       ihnen ganz räumlich in den Weg stellen, als unkalkulierbare Gefahren
       erscheinen. Jedoch sind die Schwestern ihnen keinesfalls schutzlos
       ausgeliefert. Sie wissen sich bestens zu helfen und mit einiger
       Verschlagenheit zu verteidigen. Kate und Rooney Mara spielen diese zwei
       Entrückten mit kindlicher Unschuld, in deren Lächeln aber stets etwas
       Dämonisches hineinspielt. Herzog hat den Film immerhin [2][David Lynch
       gewidmet, da kann ein wenig Abgründiges] nicht schaden.
       
       In der Weite der irischen Landschaft finden die Schwestern auch ihre
       symbolische Bestimmung. Zu viel verraten sei an dieser Stelle nicht, aber
       Herzog, der schon einmal einen Film über eine Höhle gedreht hat, landet mit
       seinen Protagonistinnen irgendwann tief im Berg. Wer übersichtliche und
       plausible Handlungen bevorzugt, dürfte kaum auf seine Kosten kommen. Doch
       Herzog hat immer schon das gemacht, was ihm so eingefallen und in den Sinn
       gekommen ist. Nach [3][Goldenen Löwen für Altmeister wie Pedro Almodóvar]
       und [4][Jim Jarmusch] wäre eine solche Ehrung für den fast 84-jährigen
       Werner Herzog im Sinne eines Preises für sein Lebenswerk in Venedig allemal
       konsequent.
       
       3 Sep 2026
       
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