# taz.de -- Serie „Selling Sex“: In immer neue Abhängigkeiten
       
       > Die ARD-Serie „Selling Sex“ soll einen Einblick in das Leben von Escorts
       > geben. Und bleibt flach, wo Tiefe möglich wäre. Leid wird weggelacht.
       
 (IMG) Bild: Nelly (Ella Morgen) probiert es aus
       
       Jetzt versucht sich die ARD also an Sexarbeit. Allerdings wirkt der Versuch
       wie ein klischeehaftes Abbild dessen, wie sich Menschen die glamouröse
       [1][Escort-Welt] vorstellen. Denn, obwohl es auch bei der Sexarbeit
       verschiedene Preissegmente gibt arbeiten die meisten
       [2][Sexarbeiter*innen in Deutschland] unter ausbeuterischen
       Bedingungen.
       
       Die Protagonistin Nelly (Ella Morgen) in „Selling Sex“ ist aber die
       Ausnahme: Als fleißige Business-Studentin träumt sie davon, richtig viel
       Kohle zu verdienen, um nicht nur vor Designer-Schaufenstern zu stehen. Mit
       ihrem unbezahlten Praktikum klappt das nicht wirklich. Kurzerhand
       beschließt sie, als Escort anzufangen.
       
       Sie taucht ein in eine Welt glitzernder Kleider, Partys, teurer Dessous und
       Sex mit Männern gegen Geld. Einmal wird sie für einen Junggesellenabschied
       gebucht, mal in die Alpen eingeflogen.
       
       Leider bleibt die Serie aber genau an den Stellen flach, an denen sie
       Potenzial auf Tiefe hätte. Werden die [3][mentalen Herausforderungen vom
       Job] thematisiert, werden sie im nächsten Moment wieder weggewischt. Hat
       jemand finanzielle Probleme, werden eben die Designer-Handtaschen verkauft.
       Und läuft das Rollenspiel mit dem Kunden schlecht, wird es weggelacht.
       
       ## Männer sind wichtiger
       
       Am meisten enttäuscht die Beziehung von Nelly und ihrer Freundin Bonnie
       (Manal Raga a Sabit). Eigentlich spielen sie eine große Rolle im Leben der
       anderen. Nur hat Nelly nun neue Prioritäten: Statt einer Freundin, auf die
       man sich verlassen kann, sind jetzt Männer, Sex und Geld wichtiger.
       
       Das Ende soll empowern, ist aber unbefriedigend: Nelly kündigt ihr
       Praktikum, schließt ihren Master mit der Idee ab, ein Unternehmen zu
       gründen, dass Sexarbeiter*innen mehr Profit aushandeln soll, während
       sie sich von einem der reichsten Kunden abhängig gemacht hat und sich nicht
       mal bei ihrer besten Freundin entschuldigt.
       
       5 Sep 2026
       
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