# taz.de -- Cholesterinspiegel regulieren: Mediterrane Küche
       
       > Was tun, um den cholesteringebeutelten Körper erfolgreich in Betrieb zu
       > halten? Neben Sport oder Medikamenten eröffnet sich eine dritte
       > Möglichkeit.
       
 (IMG) Bild: Darauf kann man sich einigen: ein Souvláki ohne Zwiebeln, aber Hauptsache, mediterrane Küche
       
       Mit der Hausärztin beratschlage ich die Untersuchungsergebnisse: Blutdruck,
       Blutwerte, Atherosklerose. Was kann man tun, was muss man tun; soll man
       überhaupt noch irgendetwas tun?
       
       Schließlich sind wir alle dazu angehalten, die Krankenkassen zu entlasten.
       Und dazu gehört nun mal, sich bei jedem morgendlichen Blick in den Spiegel
       gewissenhaft zu hinterfragen, ob sich das eigene Weiterleben wirtschaftlich
       noch lohnt? Und zwar mit all seinen Folgekosten wie den teuren
       Vorsorgeuntersuchungen, Operationen, Medikamenten, Rehas. Immerhin bin ich
       bald Rentner. Da amortisiert sich das kaum noch.
       
       Sorgen macht uns vor allem [1][das böse Cholesterin]. In uralten Zeiten war
       das ja noch gut. Also gab es praktisch zwei liebe Cholesterine. Sie waren
       wie Geschwister, quasi unzertrennlich, und optimierten in trauter Harmonie
       das Blut früherer Menschen. Die starben zwar alle mit neunzehn Jahren an
       Karies, Bindehautentzündung oder Skorbut, aber die Cholesterinwerte waren
       top. Darauf konnte man immerhin aufbauen.
       
       Doch eines schlimmen Tages verhexte ein fieser Möpp das eine Cholesterin.
       Von einem Tag auf den anderen wurde es böse und wandert seither als
       gefallener Engel ruhelos durch die Blutbahnen, die es verheert und
       verkalkt, ein Gegenspieler und Saboteur des lieben Cholesterins. So ist es
       bis heute geblieben.
       
       ## Leuchtende Fackel im finsteren Sturm der Dummheit
       
       Das EKG ist aber ganz okay, und so kommen wir überein, meinem Erhalt
       zumindest einen allerletzten Versuch zu gönnen – allzu unverzichtbar bin
       ich für unsere Gesellschaft bislang noch, als leuchtende Fackel im
       finsteren Sturm der Dummheit.
       
       Also gucken wir mal, was sich da eventuell noch machen lässt. Denn wenn man
       einen alten Körper aufwandsarm instand setzen kann, ist das viel
       nachhaltiger, als einen ganz neuen Menschen in die Welt zu setzen, was
       immer extrem teuer ist: Geburt, Elternzeit, Kindergarten, Schule,
       Ausbildung, Buntstifte, Spielzeug, Anziehsachen, Zoobesuche,
       Entziehungskuren – was das alles kostet.
       
       Und bei mir wurde das ja schon bezahlt. Da kann man mit den bereits
       vorhandenen Basics arbeiten. Also überlegen wir: Sport? Medikamente?
       Lebensstil? Ernährung?
       
       ## Jedes Mal super anstrengend
       
       Sport ist nicht gut. Da bin ich voriges Mal hingefallen. Zum Glück sind wir
       uns in diesem Punkt einig, jedenfalls widerspricht sie mir nicht, als ich
       ihr auch noch die weiteren Kontraindikationen aufzähle: Beim vorletzten Mal
       hab ich brutal geschwitzt. Dazu schlägt das Herz wie verrückt, und
       überhaupt ist es jedes Mal super anstrengend. Da kann mir keiner erzählen,
       dass das gesund sein soll.
       
       Pillen sind zu teuer. Bringt ja auch alles nichts. Wegen der
       Nebenwirkungen. Gehen die einen Werte runter, gehen die anderen hoch.
       Schließt sich hier der Kopf, platzt einem da der Arsch. Die Gesundheit ist
       eine Decke, die immer zu kurz ist, egal wo man zieht. Und soll bitte
       niemand behaupten, dass das von denen da oben nicht geplant ist. Die wollen
       ja gerade, dass wir sterben. Medikamente sind folglich keine Lösung.
       
       Aber [2][mediterrane Küche] sei perfekt, sagt sie. Da würde mein liebes
       Cholesterin lachen, und mein böses Cholesterin weinen. Mediterrane Küche
       ist gut, die mag ich. Darauf einigen wir uns.
       
       Seitdem sitze ich jeden Tag beim Griechen. Grillplatte „Dimokritos“ für
       zwei Personen. Zwei Lammkoteletts, zwei Riesen-Souvlákis und einen fetten
       Berg Gyros. Dazu rohe Zwiebeln, Tsatsiki und Pommes satt.
       
       Die Zwiebeln lege ich immer beiseite, das wird mir sonst zu viel. Vorher
       einen Ouzo aufs Haus, und, wenn ich brav aufgegessen habe, hinterher noch
       einen. Es geht mit sehr gut, jedenfalls nehme ich das an, denn zum Arzt
       gehe ich gar nicht mehr; ich habe ja die mediterrane Küche.
       
       24 Aug 2026
       
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