# taz.de -- Johann Wadephul in der Ukraine: 50 Millionen für humanitäre Hilfe
       
       > Der Bundesaußenminister hat der Ukraine bei einem Besuch in Kyjiw weitere
       > Hilfe zugesagt. Während seiner Anwesenheit greift Russland unvermindert
       > an.
       
 (IMG) Bild: Der deutsche Außenminister reist wegen starker Luftangriffe auf die ukrainische Hauptstadt in das kriegsgebeutelte Land
       
       Das, was gestern noch die Glastür eines kleinen Geschäfts war, ist nur noch
       ein verbogener Rahmen. Das Glas liegt in tausend Splittern auf der Straße.
       Auch die Fenster des angrenzenden Wohnhauses sind teilweise zerborsten.
       Wieder einmal hat die russische Armee Kyjiw angegriffen.
       
       Nur gut zwei Kilometer entfernt wird der Krieg zur politischen Realität. Im
       ukrainischen Außenministerium informieren der ukrainische Außenminister
       Andrij Sybiha und sein deutscher Amtskollege Johann Wadephul die
       internationale Presse über die deutsch-ukrainische Zusammenarbeit. Wadephul
       war dafür unangekündigt in die Ukraine gereist. Deutschland, so Wadephul
       auf der Pressekonferenz, sichere der Ukraine seine uneingeschränkte
       Unterstützung zu.
       
       Das Land werde seine Position als stärkster bilateraler Unterstützer der
       Ukraine beibehalten, so der Außenminister zu seinem ukrainischen
       Amtskollegen Andrij Sybiha. Gleichzeitig verurteilte er den „brutalen
       russischen Angriff“.
       
       Russland und Präsident Wladimir Putin würden gezielt die ukrainische
       Zivilbevölkerung terrorisieren. Zusätzlich kündigte Wadephul 50 Millionen
       Euro für humanitäre Hilfe an. Das Geld solle internationalen Organisationen
       und Nichtregierungsorganisationen zugutekommen. Besonders mit Blick auf den
       kommenden Winter sei diese Unterstützung wichtig.
       
       ## Deutschland will bei der Luftabwehr helfen
       
       Russland greife weiterhin gezielt die ukrainische Energieinfrastruktur an
       und versuche, den Winter als Waffe einzusetzen. Deshalb komme einer
       dezentralen Energieversorgung eine besondere Bedeutung zu. Deutschland und
       seine europäischen Partner würden gemeinsam auf die russische Aggression
       reagieren, sagte Wadephul. Auf deutsche Initiative hin hätten die
       europäischen Partner und Kanada umfangreiche zusätzliche militärische
       Unterstützung ermöglicht.
       
       Nach Einschätzung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskjy plant
       Russland die Mobilisierung von 300.000 weiteren Soldaten nach den
       Parlamentswahlen im September.
       
       Wadephul sagte zu, [1][gemeinsam mit seinen europäischen und
       internationalen Partnern] die Ukraine insbesondere bei der Luftverteidigung
       zu unterstützen. Von der Zusammenarbeit profitiere jedoch auch Deutschland.
       „Das ist noch lange keine Zusage, aber ich bin zuversichtlich, dass wir
       etwas erreichen können“, sagte der Minister. Anfang der Woche werde er mit
       seinem US-Kollegen Rubio über diese Frage sprechen.
       
       Beide Länder würden gemeinsam an [2][Drohnensystemen arbeiten] und Lösungen
       zur Raketenabwehr suchen. Dies zeige sich auch an der wachsenden Zahl
       deutsch-ukrainischer Gemeinschaftsunternehmen in der Sicherheits- und
       Verteidigungsindustrie. „Ich bin überzeugt, hier geht noch mehr“, sagte
       Wadephul. „Fest steht: Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist die
       größte Bedrohung der europäischen Sicherheit.“
       
       ## Verhandlungen scheitern laut Wadephul an Moskau
       
       Bei dem Gespräch mit Rubio soll auch das Thema Verhandlungen besprochen
       werden. Dies, so Wadephul, scheitere aktuell aber an Moskau. Man müsse die
       diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Krieges deutlich verstärken,
       betonte auch Andri Sybiha. Für die Ukraine sei dabei entscheidend, dass ein
       echter Frieden nur mit einer aktiven Beteiligung Europas am
       Verhandlungstisch erreicht werden könne.
       
       Während des Aufenthaltes von Wadephul in der ukrainischen Hauptstadt griff
       Russland das Gebiet Kyjiw an. In Borispol kam bei diesen Angriffen ein
       Mensch ums Leben, in Brovary wurde ein Verteilzentrum des Onlinehändlers
       eva.ua zerstört. „Sehr laut ist es heute bei uns gewesen“ berichtet eine
       Bewohnerin von Browary der taz.
       
       ## Viele Tote und Verletzte in den letzten Tagen
       
       Am Freitag trauerte Kyjiw um die 16 Toten der Vornacht. Ebenfalls am
       Freitag waren mindestens 16 Personen in der Industriestadt Krywyj Rih bei
       einem russischen Angriff auf ein Einkaufszentrum getötet worden. Auch auf
       russischer und russisch besetzter Seite wurden Opfer gemeldet. Der von
       Moskau eingesetzte Verwaltungschef des besetzten Teils der Region Donezk,
       Denis Puschilin, erklärte, bei ukrainischen Angriffen seien drei Menschen
       getötet und 13 weitere verletzt worden.
       
       Gleichzeitig setzt die Ukraine ihre Angriffe auf wirtschaftlich und
       militärisch wichtige Ziele in Russland fort. So hatten ukrainische Drohnen
       eine Ölraffinerie im rund 1.600 Kilometer von der ukrainischen Grenze
       entfernten Perm getroffen. In der Nacht zum Samstag brachen in der
       russischen Region Samara Großbrände aus. Der oppositionelle russische Kanal
       ASTRA berichtete, ein Verteilzentrum des Onlinehändlers Ozon sei von einer
       Drohne getroffen worden. Ein weiterer Brand wurde auf dem Gelände der
       Nowokuibyschewsk-Ölraffinerie gemeldet. Inzwischen, so berichtet das
       ukrainische Verteidigungsministerium, habe die Ukraine sieben von insgesamt
       zehn großen Logistikzentren [3][des russischen Onlinehändlers Wildberries]
       zerstört.
       
       22 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Wadephul-in-Ukraine/!6206210
 (DIR) [2] /Krieg-in-der-Ukraine/!6206177
 (DIR) [3] https://www.facebook.com/MinistryofDefence.UA/posts/pfbid0XXa1KDfDcoowWGKZq1SAwLG9vLQafDRCn4MUVkw7unZzQeyoxt1z6gyAcmovF1yvl?locale=uk_UA
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Clasen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) GNS
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Johann Wadephul 
 (DIR) Wolodymyr Selenskyj
 (DIR) Ukraine
 (DIR) Russland
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Unabhängigkeitstag in der Ukraine: „Wir sind der Welt nicht gleichgültig“
       
       Mit Blumen und einem Flaggenmeer gedenkt die Ukraine am Unabhängigkeitstag
       all derer, die im Krieg gestorben sind. Russland greift auch an diesem Tag
       an.
       
 (DIR) Britischer Regierungschef in der Ukraine: „Das ukrainische Volk verdient unsere Dankbarkeit“
       
       Großbritanniens Premier Burnham sagt in Kyjiw, die Ukraine führe Europa. Er
       ermöglicht die lokale Produktion britisch-französischer Marschflugkörper.
       
 (DIR) +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Wadephul will Verhandlungen vorantreiben
       
       Außenminister Wadephul will mit seinem US-Amtskollegen Rubio Gespräche
       führen. Großbritannien kündigt an, die Produktion von Raketen zu
       unterstützen.
       
 (DIR) Wadephul in der Ukraine: „Wir sehen das Leid“
       
       Außenminister Johann Wadephul besucht die Ukraine. Der ukrainische
       Zivilschutz meldet weitere Opfer nach dem Angriff auf ein Einkaufszentrum.
       
 (DIR) Krieg in der Ukraine: Einkaufstour wird zur Todesfahrt
       
       In der nordöstlichen Großstadt Sumy nahe der Frontlinie bestimmen russische
       Drohnenangriffe den Tagesablauf der Menschen.
       
 (DIR) Russische Luftangriffe auf Kyjiw: „Wir leben in ständiger Gefahr“
       
       In der Nacht zu Donnerstag hat Russland die ukrainische Hauptstadt erneut
       mit Ballistik angegriffen. 12 Menschen kamen ums Leben. Kyjiw fehlen
       Luftabwehrraketen.