# taz.de -- Spannungen zwischen Türkei und Israel: Bomben, Drohungen und der Kampf um Einfluss
> Israel unterstellt der Türkei, Truppen nach Syrien schicken zu wollen und
> bombardiert einen Militärflughafen. Die Türkei lässt die Drohung
> abtropfen.
(IMG) Bild: Netanjahus Likud-Partei stellt Erdoğan auf einem Wahlplakat als Gegner Israels dar und schürt damit die Spannungen zur Türkei
Der russische Neofaschist [1][Alexander Dugin] kommentierte den
israelischen Angriff auf einen alten syrischen Militärflughafen am Mittwoch
am drastischsten: „Der Krieg zwischen Israel und der Türkei hat begonnen“,
postete er in den sozialen Medien. Soweit ist es noch nicht, doch Israels
Regierung droht der Türkei erstmals ganz offen mit einem Angriff, sollte
sich das Land in Syrien militärisch engagieren.
Am Dienstagmorgen bombardierten israelische Kampfflugzeuge einen alten
syrischen Militärflughafen in der Nähe von Aleppo. Der Flughafen Abu
al-Duhur ist seit 2012 außer Betrieb, es gibt aber Anzeichen, dass die
syrische Armee ihn reaktivieren will. Doch nicht nur das, Israel vermutet,
dass die Türkei dort zur Unterstützung der syrischen Übergangsregierung
eigene Truppen stationieren könnte.
„Don’t do that“, sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am
Mittwochabend in einem Militärsender, direkt an den türkischen Präsidenten
Recep Tayyip Erdoğan gewandt. Jedwede Entsendung türkischer Truppen nach
Syrien sei für Israel die Überschreitung einer roten Linie, „die wir nicht
dulden werden“.
Nach israelischen Angaben, die von der syrischen Beobachtungsstelle in
London bestätigt werden, war am Montag eine türkische Delegation auf dem
ehemaligen Militärflughafen, um sich dort mit Vertretern der syrischen
Armee zu treffen. Wenige Stunden später, am Dienstagfrüh erfolgte dann der
israelische Angriff.
## Israel hält eine syrisch-türkische Allianz für eine Bedrohung
Die türkische Regierung bestritt in einer offiziellen Mitteilung sowohl den
Besuch in Abu al-Duhur wie insgesamt die Absicht, eigenes Militär in Syrien
zu stationieren. Doch Israels Regierung glaubt ihnen nicht. Nach Netanjahu
äußerten sich noch Verteidigungsminister Israel Katz und Armeechef Ejal
Samir, der in den von Israel besetzten Streifen im Süden Syriens geeilt
war.
Verteidigungsminister Katz warnte Erdoğan auf „X“ in türkischer Sprache,
sich nicht „auf gefährliche Abenteuer“ einzulassen. „Israel wird nicht
zulassen, dass irgendein Akteur seine Sicherheit bedroht“, betonte er.
Seitdem der damalige Milizenführer und heutige syrische Übergangspräsident
Ahmed al-Scharaa im Dezember 2024 mit seinen Truppen den Langzeitdiktator
Baschar al-Assad mit türkischer Unterstützung stürzte, ist Israels Rechte
darauf fixiert, [2][die Türkei könnte über Syrien zu einer Bedrohung für
Israel werden]. Außer scharfen Reden Erdoğans über den Völkermord Israels
an den Palästinensern gibt es allerdings keinerlei Anzeichen dafür.
Darüber hinaus sind die Türkei und Israel die beiden engsten Verbündeten
der USA in der Region. Die persönliche Beziehung Erdoğans zu Donald Trump
ist fast so eng wie die von „Bibi“ Netanjahu zum US-Präsidenten.
## Israels Aggression steigert den türkischen Einfluss in Syrien
Doch der israelische Ministerpräsident, der sich im Oktober einer Wahl
stellen muss, scheint Trump zusehends zu nerven. Im Irankrieg stecken die
USA in einer Sackgasse, den Plan Trumps zur Befriedung des Gaza-Streifens
will Netanjahu nicht unterstützen, und jetzt zettelt er auch noch einen
Konflikt mit der Türkei an. Trumps Botschafter in der Türkei und Syrien,
Tom Barrack, stellte sich deshalb demonstrativ auf die Seite der Türkei und
verurteilte die israelische Aggression gegenüber Syrien.
Erdoğan selbst sieht sich erst einmal gar nicht genötigt, auf Netanjahu zu
reagieren. Er weiß, dass sein Einfluss in Syrien durch die andauernde
israelische Aggression dem Land gegenüber eher noch zunimmt. Türkische
Militärberater sind seit dem Sturz von Assad in Syrien aktiv, und gerade im
Moment wird darüber gesprochen, ob Erdoğan seit der Machtübernahme
al-Scharaas erstmals persönlich nach Damaskus reisen könnte.
Vor allem aber antwortet Erdoğan auf Netanjahus aggressive Politik mit
Diplomatie. Am 7. August wurde in Saudi-Arabien der [3][Mekka-Pakt]
unterzeichnet, ein Verteidigungsbündnis zwischen Pakistan, Saudi-Arabien
und der Türkei. Seitdem wirbt Erdoğan intensiv dafür, dass Ägypten
ebenfalls dem Pakt beitritt. Das wäre die gewünschte Antwort der Türkei auf
Netanjahus Drohungen.
20 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Der-russische-Faschist-Alexander-Dugin/!5836919
(DIR) [2] /Naher-Osten/!6175856
(DIR) [3] /Mekka-Pakt/!6204501
## AUTOREN
(DIR) Jürgen Gottschlich
## TAGS
(DIR) Türkei
(DIR) Recep Tayyip Erdoğan
(DIR) Schwerpunkt Syrien
(DIR) Benjamin Netanjahu
(DIR) Israel
(DIR) GNS
(DIR) Schwerpunkt Türkei unter Erdoğan
(DIR) Schwerpunkt Türkei unter Erdoğan
(DIR) Schwerpunkt Türkei unter Erdoğan
(DIR) Schwerpunkt Syrien
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Repression in der Türkei: Hohe Haftstrafen für Oppositions-Bürgermeister
Ein türkisches Gericht verurteilt mehrere CHP-Bürgermeister zu hohen
Haftstrafen. Für KritikerInnen ist klar: Das war nicht Erdoğans letzter
Streich.
(DIR) „Mekka-Pakt“: Vorstoß ins Vakuum
Das Neue Dreierbündnis im Nahen Osten ist die Antwort auf die Instabilität,
die der Irankrieg gebracht hat – und den schrumpfenden Einfluss der USA
(DIR) Naher Osten: Nur eine Atempause?
Selbst wenn der Irankrieg endet – ein neuer Konflikt wartet schon. Das
früher Unvorstellbare ist möglich: ein Krieg zwischen Israel und der
Türkei.
(DIR) Zwischen Syrien und Israel: Die letzten Juden von Damaskus
Früher lebten Zehntausende Jüdinnen und Juden in Syrien, heute sollen es
nur noch sechs sein. Wie geht es ihnen unter der neuen Regierung?